Wenn sie weiss sind, haben wir Schnee. Sechs graue Schemen treiben mit ihren Schwaneneltern über die spiegelglatte Aare. Das Meer, an dem Solothurn liegt. Mehr als diesen «Meer»-Arm haben wir nicht zu bieten. Noch steht die Hafebar, doch die gelben Blätter der Platanen decken den blauen Slogan am Boden mehr und mehr zu. Kein Sommer mehr am «Meer», verklungen die letzten Gesprächsfetzen unter den Baumkronen, vorbei das Klingen der Gläser zum Prost

Die Kastanien waren schon lange rostig, im Juli bereits steckten sie im Herbstkleid. Noch am grünsten zeigen sich die Linden, die wilden Reben vorne im Unteren Winkel dagegen in Rot. United Colors of Solothurn. Ergänzt durch blutrote und lachsfarbene Rosenblüten vor dem Zivilstandsamt. Sie liegen da – für den Frühling der Liebe im Herbst der Natur.

Dieses gestaffelte Loslassen unserer Bäume bringt uns um den «Indian Summer». Noch ist einiges grün, das erst gelb, rot oder braun wird, wenn die jetzigen Farbtupfer als Riesenkonfetti den Werkhof und all die vorlauten Laubbläser beschäftigen. Noch sitzen sie am Landhausquai, die ewigen Sommergläubigen, und frönen ihrem Kult um die ständig flacher einfallende Nachmittagssonne. Auf dem Fluss treiben sie, die Abschiedsschreiben des Herbsts. Blatt um Blatt.

Oben vor der Suteria sind die mächtigen Oleander bereits im Winterquartier verschwunden. Aber noch muss ein Kaffee draussen sein. Marroni-Schalen knistern beim Aufstehen unter den Sohlen. Die Jahreszeiten vermischen sich. Schon schleicht morgens der Nebel als grauer Schelm um die Ecken der Häuser, doch kann ihn die Sonne vor dem Mittag verbannen – nur bis zum nächsten Morgengrauen.

Es hilft nichts: Unaufhörlich fällt Blatt um Blatt, kreiselt und taumelt zwar widerspenstig, aber doch unaufhaltsam zu Boden. Die Sanduhr der Natur leert sich wieder für ein Jahr. Unerbittlich. Solothurn sieht dem Winter ins Auge.