Solothurn
Fremden Pflanzen ging es an den Kragen: Hier wirkt der Naturförderverein

Der Naturförderverein Solothurn widmet sich der Pflege der Natur. Wie dies aussehen kann, zeigte der Einsatz am Wochenende.

Christina Varveris
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Peter Fluri, Co-Präsident des Naturfördervereins Solothurn, zieht ein Neophyt aus dem Boden.

Peter Fluri, Co-Präsident des Naturfördervereins Solothurn, zieht ein Neophyt aus dem Boden.

Christina Varveris

Peter Fluri sieht jedes noch so kleine Pflänzchen. Mit Argusaugen scannt er den Feldabschnitt vor sich – «da ist noch eins» – und packt das Berufkraut an der Wurzel. Dem ehemaligen Lehrer liegt die Natur am Herzen. Deshalb hat er vor 2 Jahren den Naturförderverein Solothurn und Umgebung gegründet. «In Solothurn gibt es so viel Natur, aber kein lokaler Verein, der sich der Pflege widmet», sagt Peter Fluri.

Der noch junge Verein ist sehr aktiv in der Region

Der Naturförderverein zählt mittlerweile 160 Mitglieder. Das Programm bietet zwei bis drei Vorträge, Exkursionen oder andere Aktionen pro Monat. Im Mai zum Beispiel war der Verein mit einem Stand mit Blütenstauden am Wochenmarkt vertreten und hat ein Podiumsgespräch mit den beiden Kandidaten fürs Stadtpräsidium organisiert.

Im Sommer sind unter anderem Exkursionen zum Biber und zum Steinkauz geplant, später steht eine Herbstwanderung an und im Dezember un-ter anderem ein Werkanlass, wo Nistkästchen und Futterhäuschen gebaut werden. Ausserdem wird es weitere Arbeits-einsätze geben, wie jener vom Samstag, an dem sich Mitglieder zusammen mit Pfadfindern auf die Suche nach den Neophyten in der Stadt machten. Man wolle zusammen die Natur «entdecken, erleben und fördern und Wissen vermitteln», sagt Co-Präsident Peter Fluri.

Es ist eine Sisiphusarbeit.

Es ist eine Sisiphusarbeit.

Christina Varveris / Solothurner Zeitung

Zum Beispiel Wissen über die Neophyten. Das sind Pflanzen, die seit dem Jahr 1500 – als Amerika entdeckt wurde – aus dem Ausland absichtlich oder unabsichtlich in die Schweiz eingeführt wurden. Viele von ihnen sind keine Bedrohung – der Thuja ist zum Beispiel einer der harmlosen Neophyten. Manche aber verdrängen die einheimischen Pflanzen und werden so zu einem Problem für die Biodiversität und fürs Gleichgewicht in der Natur. Die Goldrute ist so ein invasiver Neophyt. Ihre Wurzeln breiten sich aus wie ein Teppich und lassen keine andere Pflanze mehr wachsen. Ihr, sowie dem Berufkraut, soll es heute an den Kragen gehen.

So sah dies von oben aus.

So sah dies von oben aus.

Christina Varveris

«Ich kann gar nicht hinsehen», sagt Peter Fluri erschrocken, als er das Feld hinter dem Konzertsaal sieht. Wo vor einem Jahr noch vier, fünf Pflanzen standen, ist nun der halbe Rasen vom Berufkraut invadiert. Das Berufkraut ist zwar auf dem Papier erst potenziell invasiv. Harmlos sieht es aus – ein langer Stiel mit kleinen Blüten, die der Kamille ähneln. Aber wer die grünen Flächen in Solothurn etwas beobachtet, merkt, wie rasch sich das Kraut ausbreitet. Die Vereinsmitglieder sind fleissig und haben in einer Stunde schon den grössten Teil des Krauts von den einheimischen Feldblumen getrennt. Dank dem morgendlichen Regen ist der Boden aufgeweicht und die Wurzeln rutschen ohne grossen Widerstand raus.

Auch die Pfadfinder halfen mit.

Auch die Pfadfinder halfen mit.

Christina Varveris

Ob sich die Sisyphusarbeit auszahlt, ist offen

Der Werkhof ist froh um die Verstärkung, «wir sind in der Stadtgärtnerei nur acht Leute», sagt der Vorarbeiter Daniele Perego. Wie nachhaltig die Aktion des Naturfördervereins und der Pfadfinder ist, könne man noch nicht sagen, meint Daniele Perego. Wenn auch nur wenige Pflanzen bleiben, werden sie sich wieder vermehren. Peter Fluri ist das bewusst, «aber besser jetzt schon handeln, als zuwarten», ist der Co-Präsident des Naturförderverein Solothurn überzeugt.