Vor rund zwei Monaten deckte «Radio 32» auf, dass der Solothurner Telefon- und Internetanbieter Solnet während mehrerer Jahre den Kunden nur die Grundgebühr des Anschlusses und nicht die eigentlichen Gesprächskosten verrechneten. Darauf folgende Recherchen von az zeigten, dass dies sogar bewusst geschah, da die Firma das selbst programmierte Verrechnungsprogramm nie korrekt beherrschte (wir berichteten).

Mahnungen ohne Rechnung

Betroffen von diesem unüblichen Vorgehen ist auch A.G. Sie war eine langjährige Solnet-Kundin, bis sie nach Bern umzog. Solnet versprach ihr, den Haushalt auch in Bern mit den vorherigen Dienstleistungen zu beliefern. Als dies jedoch trotz Techniker-Einsätzen nicht gelang, kündigte sie umgehend ihren Vertrag. Danach sandte sie den Router nach Solothurn. Kurz darauf bekam sie von Solnet eine Rechnung über 169 Franken. Angeblich kam das Paket mit dem Router nie in Solothurn an. «Da ich kein Post-Beleg mehr hatte, zahlte ich den Router schliesslich», so G. «Das Vorgehen von Solnet erstaunte mich aber schon damals und deutete auf ein Chaos in der Firma hin.»

Danach wurde es ruhig, bis schliesslich Ende August ein Brief eine Nachzahlung für die nie verrechneten Telefonate ankündigte. Die Rechnung sollte gemäss Brief aus «administrativen Gründen» in zwei Teilen gestellt werden. Doch bis Ende Oktober 2011 traf keine der beiden versprochenen Rechnungsteile ein. Im Gegenteil: Am 20. Oktober wurde G. zusammen mit zahlreichen anderen Kunden für die Rechnungen gemahnt, die gar nie ankamen. Der Mahnung sind ein Einzahlungsschein und eine Liste mit allen jährlichen finanziellen Ein- und Ausgängen seit 2003 beigelegt. G. müsste demnach 690.70 Franken nachzahlen.

Rechtliche Limite für Rückforderungen

Offen bleibt aber, auf welche Zeitspanne sich diese Forderung von fast 700 Franken bezieht. Wie aus der beigelegten Rechnungsübersicht hervorgeht, bezahlte G. seit 2004 stets einen einheitlichen Preis. Rechtlich dürfte Solnet aber nur die vergangenen fünf Jahre und somit die Zeitspanne zwischen dem August 2006 und August 2011 nachträglich in Rechnung stellen. Die Übersicht zeigt aber nicht, wie die 690.70 Franken zustande kommen.

G. hat aus diesem Grund bei Solnet eine detaillierte Rechnungsübersicht verlangt, in welcher sämtliche Anrufe und deren Kosten aufgelistet sind. Sie werde umgehend zugeschickt, so der Kundendienst. Gegenüber az zeigte sich Solnet weniger kommunikationsfreudig. Für eine Stellungnahme war - wie schon im August - niemand erreichbar.