Solarenergie
Solarthermie und Photovoltaik fassen Fuss – drei Beispiele

Investitionen in Solaranlagen haben in der Region spürbar zugenommen. Ein Auslöser war die Nuklearkatastrophe in Japan. Aber auch das historisch tiefe Zinsniveau tut das Seinige dazu.

Andreas Toggweiler
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Hansuli (links) und Werner Wegmüller vor dem neuen Mehrfamilienhaus mit Solardach. at.

Hansuli (links) und Werner Wegmüller vor dem neuen Mehrfamilienhaus mit Solardach. at.

Solothurner Zeitung

Die Selzacher Unternehmer Alfred und Hansuli Wegmüller sind stolz: In diesen Tagen wird das erste Mehrfamilienhaus mit Solaranlage im Dorf fertiggestellt. Das Gebäude an der Länggasse 6 mit 8 Wohneinheiten wird zwei Drittel des eigenen Stromkonsums und etwa die Hälfte des Warmwasserbedarfs selber produzieren.

Dazu wurden auf der Südseite des Daches zwei Solaranlagen installiert: 130 m2 Solarzellen erzeugen eine Spitzenleistung von 19,4 kW Strom, 25 m Sonnenkollektoren produzieren Warmwasser. «Die Anlage läuft bereits seit zwei Monaten», erklärt Hansuli Wegmüller. Unterdessen wird am Gebäude weitergebaut, sodass für den Tag der offenen Tür am 24. September die Wohnungen im Rohbau fertig sein sollten.

Solaranlage als Neuland

Die Brüder Wegmüller, die in Selzach eine Holzbaufirma mit 16 Angestellten betreiben, haben bereits einige Erfahrung als Bauherren. Als Schreiner, Zimmerleute und Küchenbauer können sie einen grossen Anteil des Bauvolumens selber bestreiten. Am aktuellen Projekt wurde mit in der eigenen Schreinerei vorgefertigten Holzbauelementen gearbeitet. Und auch im Innenausbau kann die Firma ausgelastet werden.

Die Solaranlage war für sie allerdings Neuland. Sie wurde in Zusammenarbeit der Firma Helion (LohnAmmannsegg) realisiert. «Wir hatten den Eindruck, dass die Zeit jetzt reif dafür ist», betont Wegmüller. An die Kosten der Solaranlage von insgesamt 150 000 Fr. werden staatliche Förderbeiträge von 27 000 Fr. ausgerichtet. Damit entstehen pro Wohneigentümer Kosten von noch 15–20 000 für die Anlage. Sie sind in den Wohnungspreisen von 450–600 000 Fr. bereits eingerechnet.

Kosten verteilen

«Im Gegensatz zu Solaranlagen auf Einfamilienhäusern fallen hier die Zusatzkosten nicht so stark ins Gewicht, weil sie auf die Wohnparteien verteilt werden können», erklärt Wegmüller. Für ihn als Bauherr ist deshalb klar: «Aufs nächste Mehrfamilienhaus kommen ebenfalls Solarzellen.» Denn diese würden laufend günstiger und auch bei der Einspeisevergütung werde sich mittelfristig etwas bewegen. Der Strom der Fotozellen wird ins Netz der AEK eingespeist.

Ähnliche Überlegungen bei der Verteilung der Investitionskosten machte sich die Genossenschaft OptimaSolar. Sie hat am 23. August auf dem Dach des neuen Betriebsgebäudes der Schreinerei Ingold in Ichertswil ein Solarkraftwerk mit 61 kW Spitzenleistung in Betrieb genommen und vor einer Woche feierlich eröffnet.

Die Anlage wurde mit Anteilscheinen von Genossenschaftern gebaut, die selber kein geeignetes Dach oder nicht genügend Kapital für eine ganze Anlage haben. «Das Kraftwerk hat seither schon mehrere hundert kWh Strom produziert», erklärt Genossenschaftspräsident Max Bobst. Es würden bereits drei weitere mögliche Standorte für Solarkraftwerke evaluiert.

Erdstoss als Anstoss

Es müssen nicht immer Grossprojekte sein. Dass auf dem Dach des Hauses von Marlis Hostettler neuerdings Solarzellen montiert wurden, sieht jeder, der auf der T5 durch Selzach fährt. Die pensionierte Bankangestellte hat sich entschlossen, in das von ihr bewohnte Elternhaus am Holzgässli zu investieren. Dazu konnte sie die Hypothek aufstocken. Die Photovoltaik-Anlage, die das ganze südwestliche Dach bedeckt, habe eine Leistung von 9kW und habe rund 45 000 Fr. gekostet, gibt Hostettler Auskunft. Sie habe sich schon seit einiger Zeit mit Energiefragen befasst und sich beispielsweise an der HESO über die aktuellen Angebote des Gewerbes informiert. «Den definitiven Entscheid, es jetzt zu tun, habe ich aber nach Fukushima gefasst.»

Hostettler war auch froh, dass der beauftragte Solarunternehmer (Ersap Solar, Lüterkofen) sich um alle Formalitäten im Zusammenhang mit den Subventionen gekümmert habe. «Auch das Zinsniveau ist natürlich jetzt optimal tief und für die Amortisation sorgt die Sonne. Was will man noch mehr?»

Die Leistung des neuen Solarkraftwerks in Ichertswil kann im Internet in Echtzeit verfolgt werden: www.optima-solar.ch

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