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SoBa-Direktor verspielt bei Baumeistern Kredit

Das Haus des SoBa-Chefs

Das Haus des SoBa-Chefs

Baloise Bank Soba CEO Jürg Ritz baut sein Systemhaus mit Teilen aus Slowenien. Das bestätigen Recherchen der az Solothurner Zeitung. Die Baumeister der Region sind empört.

«Wir sind im Kanton Solothurn verankert und kennen die Markverhältnisse bestens», wirbt Jürg Ritz, CEO der Baloise Bank SoBa und Mitglied der Geschäftsleitung der Basler Versicherungen Schweiz in Inseraten für «seine» Bank. Böse Zungen beim Solothurner Baumeisterverband (SBV) würden den Slogan wohl wie folgt ergänzen: «Deshalb vergebe ich Arbeiten ins Ausland.» Grund: Ritz baut in Solothurn ein Systemhaus mit Teilen aus Slowenien. Kürzlich seien die Elemente mit Lastwagen auf die Baustelle transportiert worden.

Ritz: "Nur gewisse Teile"

Von dieser Zeitung mit den Vorwürfen konfrontiert, verweist er auf ein Mail, dass er auch an den SBV geschickt habe. Darin erklärt er, dass für sein Eigenheim nur «gewisse, spezifische Bauteile, die in unserer Wirtschaftsregion nicht verfügbar sind», aus dem Ausland bezogen würden. Konkret: «hochdichte Holzrahmenelemente.» Der Bauherr verweist zudem auf seinen Generalunternehmer Vito Blasutto. Dieser ist Geschäftsleiter der Individeal Sarl (GmbH) mit Sitzen in Pery und Derendingen. Gemäss Recherchen dieser Zeitung ist die Firma für individuellen Systemhausbau mit sechs Mitarbeitern ein Schweizer Vertriebspartner des slowenischen Fertighausproduzenten Marles.


«Es gibt ungeschriebene Gesetze»
Unter den Baumeistern der Region ist man empört: «Hier fehlt dem Direktor einer Regionalbank jegliches Fingerspitzengefühl», sagt SBV-Präsident Bruno Fuchs. Persönlich erlebe er die SoBa als Bank, «die sich für die KMU in der Region engagiert». Deshalb sei die Geschichte doppelt bedauerlich. Und SBV-Geschäftsführer Paul Hug meint: Es gebe geschriebene Gesetze und ungeschriebene Gesetze. «Die SoBa brüstet sich, Partner der KMU in der Region zu sein. Dann gehört es auch zu den ungeschriebenen Gesetzen, dass sich die Spitze der Bank entsprechend verhält.» Ausserdem lebe die Regionalbank von den Geldern der KMU in der Region und von Schweizer Kunden.


«Das ist eine Katastrophe. Da will ein Direktor einer Regionalbank, dass die Handwerker bei seiner Bank Kredite holen - und dann so was», sagt Kurt Sigrist, Präsident der paritätischen Berufskommission des SBV. Man müsse sich schon überlegen, bei welcher Bank man Kredite beantrage. «Es gibt andere Direktoren von Banken auf dem Platz Solothurn, die für eigene Projekte ausschliesslich Handwerker in der Region zu Zuge kommen lassen.» Weitere Bauunternehmer, so Paul Jetzer aus Schnottwil oder FDP-Kantonsrat Markus Grütter aus Biberist, halten auf Anfrage ebenfalls nicht mit Kritik zurück.


Ritz verteidigt sich
Jürg Ritz verweist in seinem Mail an den SBV darauf, dass er «bewusst mehrheitlich Handwerker aus der Region Solothurn/Grenchen/Biel - also unserem Einzugsgebiet - beauftragt» habe. Dies, obwohl ein Generalunternehmer in der Handwerkerwahl «weitgehend frei ist». So seien etwa der Bauaushub sowie Dachdecker-, Fassaden, Spengler- und Gartenbauarbeiten an regionale Firmen vergeben worden. Dies bestätigt auf Anfrage auch sein Generalunternehmer Blasutto: «Ich habe von der Familie Ritz explizit den Auftrag erhalten, möglichst viele regionale Handwerker zu berücksichtigen.» Das habe er auch getan. «Der grösste Teil der Wertschöpfung bleibt in der Region.» Nun: Gemäss Montagebeschrieb von Marles liefern die Slowenen die Elemente mit «isolierten Aussenwänden, fertig eingebauten Fenstern und Türen, isolierten Innenwänden, eingebauten Rohren für die elektrischen Leitungen, Decken, Dachkonstruktion, Wandverkleidungen aller Wände» und setzen das Haus vor Ort zusammen.

Blasutto bestätigt, dass für die Familie Ritz lediglich die Holzrahmenelemente von Marles geliefert und von Mitarbeitern der slowenischen Firma zusammengestellt worden seien - ohne Fenster und Türen. Er betont, dass er nicht nur mit Marles zusammenarbeite. In diesem Fall seien die Holzrahmenelemente aufgrund der Bauherrenansprüche jedoch nur aus dem Ausland erhältlich gewesen. Von den Gesamtbaukosten würden diese Fertig-Elemente einen Anteil von lediglich um die 20 Prozent ausmachen.
Und wer ist für die Baumeisterarbeiten zuständig? «Die Firma Glatthaar», so Blasutto, und er ergänzt auf Nachfrage: «Eine Schweizer Firma». Die AG hat ihren Sitz in Schaffhausen und ist eine Niederlassung der - gemäss eigenen Angaben - Marktführerin im Fertigkellerbau mit Hauptsitz im deutschen Schramberg/Waldmössingen. Dort werden die Beton-Fertigelemente auch produziert. Blasutto hält auf Nachfrage fest, dass der Beton für den Keller beim Bau Ritz bei der Vigier Beton AG Luterbach bezogen worden sei. «Das Haus steht auf Solothurner Beton!», so der Generalunternehmer. Dazu muss man allerdings wissen: Gemäss Bautechnik der Glatthaar AG wird das Kellerfundament vor Ort betoniert, danach die Beton-Fertigelemente (Wände) aufgestellt und dann die Kellerdecke wieder vor Ort betoniert. Dies bestätigt Blasutto auf erneute Nachfrage.


Auch inländische Anbieter
Laut mehreren Architekten sind die Baumeisterarbeiten und die Fertigbauelemente bei einem solchen Bau in der Regel die grössten Ausgabeposten. Keller und Rohbau würden 30 bis 50 Prozent der Gesamtbaukosten ausmachen. Ausserdem gebe es auch in der Schweiz Anbieter von Fertighäusern in Holzbauweise. Etwa die Renggli AG in Sursee. Auf deren Homepage ist ersichtlich, dass sie aus eigener Produktion ebenfalls hochdichte Holzelemente in allen Massen liefern kann. Diese sind aber wohl teurer, als solche aus slowenischer Produktion.
Was meint man beim Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband (KGV) zum Hausbau des SoBa-Bank-CEO? Geschäftsführer Andreas Gasche: «Nun, grundsätzlich kann jeder bauen mit wem er will.» In gewissen sensiblen Positionen müsse sich ein Bauherr aber schon überlegen, mit wem er baue. Man sei eben manchmal gebunden. «Ich bin in einer solchen sensiblen Position. In einer ähnlichen Position ist auch Herr Ritz.» Und KGV-Präsident Rolf Kissling meint: «Angesichts der angespannten Wirtschaftslage mit Euro-Krise und Einkaufstourismus im Ausland erwarten wir, dass exponierte Leute mit gutem Beispiel vorangehen und das inländische Gewerbe auch persönlich stützen.»

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