«1923 zog meine Familie nach Staad in einen Bauernhof», erzählt Hans Scheurer. Dort lebten sie mit Tieren wie Pferden und Hühnern. «Meine grössten Erinnerungen sind aus der fünften Klasse. Da brach der Zweite Weltkrieg aus. Ich erinnere mich, wie ich morgens zur Schule ging, und der Lehrer war nicht da.» Scheurers Lehrer, Herr Nussbaumer, war im Aktivdienst. Er musste einrücken. «Also ging ich zum Markt, wo meine Mutter Gemüse verkaufte und erzählte ihr, dass ich heute keine Schule habe.» Die Marktfrauen, so Scheurer, seien aufgebracht gewesen und hatten Angst, dass nun der Krieg losgeht. «Man wusste ja, dass etwas nicht stimmt, aber nun hatte man Gewissheit.»

Wenige Tage später kam die Mobilmachung. «Ich erinnere mich, wie mein Bruder einrücken musste, ich selbst war noch zu jung. Gemeinsam mit ihm fuhr ich auf dem Fahrrad zum Südbahnhof runter. Der ganze Bahnhof war voll mit Soldaten, die mit dem Zug nach Solothurn oder Oensingen gefahren wurden, um in den Zeughäusern die Waffen abzuholen.» Scheurers Unterricht wurde von Lehrern, die in Ausbildung waren, weitergeführt, aber auch Lehrer, welche nicht einrücken mussten, übernahmen den Unterricht.

Internierungslager in Büren

Vom Krieg selbst habe er nicht viel mitbekommen, so Scheurer. «Doch im Jahr 1940 oder 1941 kamen französische und polnische Flüchtlinge zu uns. Sie wurden in die Dörfer verteilt, einige kamen nach Arch, Rüti oder Büren.» Zur Zeit waren die Zuckerrüben reif, und die Flüchtlinge konnten auf den Höfen bei der Ernte mithelfen. Dafür erhielten die «Internierten» ein wenig Geld sowie ein Mittags- und Abendessen von den Bauern. Auch bei der Familie Scheurer half ein solcher Internierter bei der Ernte. Sie lebten in einem Lager in Büren oder in der Arche in Arch. «Die meisten von ihnen gingen wieder zurück in die Heimat», so Scheurer weiter, «aber ich erinnere mich, dass einer blieb.» Es war ein Pole namens Peter, der bei einem Bekannten lebte. «Er sprach gebrochen Deutsch, das war lustig. Er kam nach Staad in die Chäsi zum Einkaufen.»

«Abgefüllter» Dorfpolizist

Während des Krieges waren Pferde sehr gefragt. Auch die Pferde von Scheurers Hof wurden betrachtet. «Die Jungen waren gut für in den Krieg, die haben sie mitgenommen, die Infanterie und die Artillerie haben die gebraucht.» Als dann die Nachricht kam, dass Hitler Russland angreifen wolle, habe man sich in seiner Heimat gesagt: «Soll er doch, dann müssen wir keine Angst mehr haben.»

Während des Krieges wurden ausserdem die Lebensmittel rationiert «Als ich die Landwirtschaftsschule besuchte, gab es einen Confiseur in der Nähe, da gingen die Schüler in der Mittagspause hin. Der Chef fragte uns immer zuerst, ob wir überhaupt die Mahlzeiten-Coupons dabei hätten.» Auch die Eier seien damals rationiert worden. Davon hat Scheurer eine lustige Anekdote zu erzählen: «1941 oder 42 kam die Polizei zu uns, um die Hühner zu zählen. Da der Gemeindepolizist allerdings nicht als Kostverächter bekannt war, beschloss meine Mutter, ihm ein wenig Rotwein zu spendieren, bevor er sich die Hühner ansieht.» Wenig später sei klar gewesen, dass nicht nur seine Mutter, sondern alle anderen Bäuerinnen genau so gedacht hatten und den Gemeindepolizist somit regelrecht «abgefüllt» hätten.

Doch eine Erinnerung an eine unbeschwertere Kindheit blieb Scheurer: «Im Winter hat ein Bauer uns Kinder mit dem Schlitten zur Schule gefahren. Sonst hätten wir gar nicht in den Unterricht kommen können.» Ausserdem erinnert er sich an Herrn Ghisoni, der in Grenchen einen Kiosk hatte. «Der hat uns Kindern 10 Rappen versprochen, wenn wir ihm einen Spatz fingen. Diese briet er sich dann zum Abendessen.»