Ergänzungsleistungen

Sie will an der beruflichen Zukunft bauen

Sie haben das Lachen nicht verlernt: Christine Deppeler mit Jeremy, Cheyenne und Elisha (v. r.)

Sie haben das Lachen nicht verlernt: Christine Deppeler mit Jeremy, Cheyenne und Elisha (v. r.)

Trotz Unterstützung liegt Christine Deppeler nicht auf der faulen Haut. Sie arbeitet an den Wochenenden mit einem 20-Prozent-Pensum im Pronto-Shop in Wangen bei Olten. «Ausgang» und «Freizeit» sind für sie dennoch Fremdwörter.

«Die Ergänzungsleistungen sind eine gute Sache», wiederholt Christine Deppeler immer wieder. Seit rund eineinhalb Jahren beziehen die ausgebildete Lastwagenchauffeuse aus Wangen bei Olten und ihre drei quirligen Kinder – Cheyenne (5), Elisha (3 ½) und Jeremy (knapp 2) – Ergänzungsleistungen für Familien (Familien-EL). Sie gehören zu den mittlerweile knapp 300 Familien im Kanton, die von der neuen Sozialleistung profitieren. Diese steht seit 1. Januar 2010 Eltern zur Verfügung, die mit einer finanziell schwierigen Situation zu kämpfen haben (siehe dazu den Kasten).

«Mit den Familien-EL ist es möglich, die laufenden Kosten zu decken», sagte Christine Deppeler bereits vor einem Jahr gegenüber dieser Zeitung. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Wobei: Grosse Sprünge liegen auch mit den Ergänzungsleistungen nicht drin. Hinzu kommt, dass sich die individuelle Situation der Familie in den letzten Monaten verändert hat. Stand die Ehe von Christine Deppeler bereits vor einem Jahr – auch aufgrund finanzieller Engpässe – auf der Kippe, lebt das Paar mittlerweile getrennt. «Damit fällt der zusätzliche Druck der kaputten Ehe weg», sagt die heute 40-Jährige. Sie muss seither aber den Alltag mit ihren drei kleinen Kindern mehr oder weniger im Alleingang meistern.

«Stressig, aber machbar»

Ein Gesuch um Ergänzungsleistungen hatte Christine Deppeler Anfang Jahr 2010 gestellt. Der Grund: Einige Monate zuvor musste sie ihren Job als Lastwagenchauffeuse quittieren, nachdem sich mit Sohn Jeremy, was nicht so schnell geplant war, ein drittes Kind eingestellt hatte. Der Lohn ihres Ehemannes, der ebenfalls als Lastwagenchauffeur arbeitet, reichte für den Unterhalt einer fünfköpfigen Familie aber nirgends hin. Auch der Teilzeitjob von Christine Deppeler brachte keine nennenswerte finanzielle Entlastung. Sie arbeitete damals – und heute immer noch – an den Wochenenden mit einem 20-Prozent-Pensum im Pronto-Shop in Wangen bei Olten.

«Ich komme manchmal schon an meine Grenzen», gesteht die Familienfrau, besonders jetzt als alleinerziehende Mutter. Eine Herausforderung sind dabei gerade auch die Auflagen, die sie für die Familien-Ergänzungsleistungen erfüllen muss. Je älter der kleine Jeremy nämlich wird, desto höher ist das Arbeitspensum, das Christine Deppeler als Voraussetzung für die EL leisten muss. Und vor allem: Sobald Sohn Jeremy sechs Jahre alt geworden ist, versiegen die staatlichen Gelder vollständig.

«Ausgang» ist ein Fremdwort

Der Job, die Betreuung der Kinder und berufliche Weiterbildungen, um für den Tag X gewappnet zu sein, setzen der dreifachen Mutter ganz schön zu. «Ausgang» und «Freizeit» sind längst zu Fremdwörtern geworden. «Alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen, ist schon sehr stressig, aber für mich machbar,» hält sie entschlossen fest. «Eine grosse Unterstützung sind meine Familie und meine Freunde.» Seinen Teil trägt zudem auch der getrennt lebende Ehemann bei, mit dem sie sich das Sorgerecht für die Kinder teilt. Besonders stolz ist Christine Deppeler darauf, dass sie diesen Frühling die Car- und Lastwagenprüfung geschafft hat, die sie zum europaweiten Personen- und Warentransport befähigt. «Ich baue damit an meiner beruflichen Startrampe für die Zeit nach den Familien-Ergänzungsleistungen», sagt sie lachend. Für Ende dieses Jahres bereits plant sie, sich nach einer Teilzeitstelle als Buschauffeuse umzuschauen.

Dankbar ist sie auch dafür, dass sie bei der Planung ihrer beruflichen Zukunft von einem Erziehungshelfer unterstützt wird. Und dennoch, etwas mulmig ist ihr schon dabei zumute, wenn sie an die Zeit nach 2015 denkt. Denn eines steht für sie fest: Ihre Kinder, die auch dann immer noch stark auf Betreuung angewiesen sein werden, will sie keinesfalls vernachlässigen.

«Ich habe mich geschämt»

Schon heute achtet Christine Deppeler allerdings darauf, ihre Jungmannschaft zu einer möglichst grossen Selbstständigkeit zu erziehen. «Mit vereinten Kräften können sie bereits jetzt alle drei die Morgentoilette erledigen und sich das Mittagessen in der Mikrowelle wärmen.» Wie bereits vor einem Jahr ermuntert Christine Deppeler auch jetzt Familien in finanziellen Schwierigkeiten, die Familien-EL tatsächlich in Anspruch zu nehmen. «Auch ich habe mich zuerst geschämt,» sagt sie. Den Kindern zuliebe habe sie sich dann aber entschlossen, diesen Schritt zu wagen. «Die Löhne in gewissen Branchen machen Kinder heute zu einem Luxusgut.» Solange das nicht besser werde, würden Familien-EL eine gewisse Erleichterung verschaffen.

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