Büsserach
Sie arbeiteten 400 Jahre lang in Grubenhäusern

Unerwartete archäologische Funde an der Mittelstrasse in Büsserach können am kommenden Sonntag besucht werden. So genannte Grubenhäuser aus dem Früh- und Hochmittelalter.

Fränzi Rütti-Saner
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Archäologe und Grabungsleiter Ludwig Eschenlohr ist begeistert von der Grubenhaus-Anlage in Büsserach. zvg

Archäologe und Grabungsleiter Ludwig Eschenlohr ist begeistert von der Grubenhaus-Anlage in Büsserach. zvg

Solothurner Zeitung

Bauvorhaben bringen immer wieder unerwartete archäologische Erkenntnisse an den Tag. So auch derzeit in Büsserach, wo im Bereich Mittelstrasse (früher auch im Grien genannt) ein Einfamilienhausquartier entstehen soll. Bereits im vergangenen Jahr untersuchte dort die Kantonsarchäologie besondere Gesteinsspuren, denn beim Bau der neuen Verbindungsstrasse für das Quartier wurden Reste frühmittelalterlicher Eisenverhüttung und -verarbeitung gefunden.

Nun wurde in einer zweiten Etappe auf einer Fläche von rund 2600 m2 eine eigentliche Gewerbezone aus dem 7. bis 12. Jahrhundert freigelegt, in welcher gut 20, teilweise dicht nebeneinanderliegende Grubenhäuser, sowie mehrere Tonnen Schlacke, die aus der Herstellung und Verarbeitung von Eisen, entstanden sind, zum Vorschein gekommen sind. Ebenso wurden Hinweise auf Webstühle, Schafhaltung und anderes, noch zu bestimmendes Gewerbe gefunden. «Das macht diesen Fundplatz so aussergewöhnlich und Büsserach zu einem Referenzpunkt für das Früh- und Hochmittelalter im Kanton Solothurn», sagt Kantonsarchäologe Pierre Harb. Aus dem Frühmittealter waren bisher vor allem Gräberfelder bekannt, aus dem Hochmittelalter gibt es nur spärliche Hinweise.

Auch Werkzeuge gefunden

Harb hat den Spezialisten und Schlackenexperten Ludwig Eschenlohr mit der Leitung dieser Ausgrabung beauftragen können. Eschenlohr hat grosse Erfahrung bei Grabungen solcher Verhüttungsanlagen aus dem Mittelalter, die er vorwiegend im Delsberger Becken, Develier-Coutételle, aber auch im Baselland begleitet hat. «Aussergewöhnlich ist in Büsserach, dass die Verhüttung hier scheinbar nicht am Fundort des Erzes stattgefunden hat, sondern dass man das Rohmaterial, sowie die Holzkohle in die Grubenhausanlage gebracht hat. Eschenlohr geht nach Funden von Messern und Ahlen davon aus, dass wahrscheinlich hier das Eisen auch zu fertigen Werkzeugen verarbeitet wurde.

Wie die frühmittelalterliche Eisengewinnung funktionierte, weiss man heute ziemlich genau. Für das Schmelzen von Metall aus Erz, musste das stark verunreinigte und mit Gesteinen vermischte Roherz mit Wasser gereinigt und das getrocknet werden. Ein grosser, so genannter Rennofen wurde mit Holzkohle auf 1200-1300 Grad C erhitzt. Im Ofen trennte sich dann die flüssige Schlacke teilweise vom Metall. Die Schlacke wurde entfernt und im Ofen blieb noch der so genannte Eisenschwamm, der nach dem Abkühlen herausgeschlagen wurde. Der Eisenschwamm wurde danach heiss ausgeschmiedet und damit gereinigt. Heutige Versuche ergaben, dass aus 8,5 kg Erz und 8,5 kg Holzkohle rund 1 kg Eisen gewonnen werden konnte.

Tag der offenen Ausgrabung: Sonntag, 19. 6., von 13 bis 17 Uhr. Treffpunkt beim Grabungsbüro an der Mittelstrasse in Büsserach. Keine Parkplätze vor Ort.