Nicht nur zur Nächstenliebe fühlt sich das Seraphische Liebeswerk Solothurn (SLS) berufen. Nein, auch für die Schöpfung und die Umwelt steht der Verein ein - was er auch konkret bewiesen hat: So wurde SLS-Oberin Marie-Theres Rotzetter und ihrer Gemeinschaft von 54 Schwestern jetzt für ihre Überzeugungen ein ganz und gar weltliches Signal der Anerkennung zuteil. Gestern Abend nämlich erhielt das SLS den Energiepreis, den die Regio Energie Solothurn (RES) jährlich für Energieeffizienz und Umweltschutz vergibt.
Konkret hat sich der karitative Verein für nachhaltige Wärmetechnik an seinen städtischen Liegenschaften verdient gemacht.

«Die Schöpfung auch für künftige Generationen bewahren»

Dazu zählen die Umstellung von Öl- auf Gasbeheizung, der Betrieb eines Blockheizkraftwerks, das auch Strom produziert, sowie zuletzt der Anschluss ans Fernwärmenetz. Bis spätestens 2020 sollen so sämtliche SLS-Liegenschaften im Greibenareal mit Verbrennungswärme der Kebag betrieben werden. «Wir betrachten den Preis als Impuls, Verpflichtung und Motivation, die Schöpfung zu bewahren, damit diese auch künftigen Generationen erhalten bleibt», betonte Rotzetter in ihrer kurzen Dankesrede.

Bereits Ende April durfte die Schwesterngemeinschaft eine andere Auszeichnung entgegennehmen, und zwar von der Alois-und-Jeanne-Jurt-Stiftung für ihren Einsatz als katholische Institution zugunsten des Gemeinwohls (wir berichteten).

Energiewende als Glaubenssache

Dass dem Willen, Gutes zu tun, auch konkretes Handeln folgen muss, beweisen die 55 Preisträgerinnen des SLS allemal. Genau auf diesen Punkt legte auch das vorgängige (weltliche) Referat des RES-Energieforums sein Augenmerk. So referierte der Physiker, Philosoph und Journalist Ludwig Hasler zur Frage, welcher Menschenschlag denn eine Energiewende brauche.

Mit besagter Energiewende sei es ähnlich wie mit dem glücksbringenden Hufeisen. So soll der Physiker Niels Bohr ein Hufeisen aufgehängt haben, nicht weil er abergläubisch gewesen sei, sondern weil er gehört habe, es nütze auch, wenn man nicht daran glaube. «Auch ob die Energiewende klappt, ist eine Glaubenssache», befand Hasler. Und oft auch eine Sache übersteigerter Erwartungen. «Man hat den Nachhaltigkeits-Begriff auf alles Gesellschaftliche angewandt und schürt nun zu hohe Erwartungen.

«Wer die Energiewende will, muss selbst energetisch werden»

So wird man leicht enttäuscht», befand Hasler weiter. Es sei falsch, die Energiewende politisch zu beschliessen und dann darauf zu setzen, dass sie von selbst passiert. «Die Energiewende im Liegestuhl», nannte er die Haltung, Windräder zu befürworten, aber ausser Sichtweite des Eigenheims. Oder den sofortigen Atomkraftstopp zu fordern und die «Endstation Paradies» zu erwarten. «Wer die Energiewende will, muss selbst energetisch werden», so sein Credo. «Ich funktioniere als Dynamo. Wenn ich mich für etwas verausgabe, das mich begeistert, dann lädt mich das wieder auf.»