Lehrer-Knatsch
Sek- und Kantilehrer streiten sich um die Löhne

Die Spitzen des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO) sind wütend. In zwei Mitteilungen an die Medien machen sie ihrem Ärger über den Solothurner Kantonsschullehrerverband Luft.

Elisabeth Seifert
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Hier wehrt sich ein Lehrer

Hier wehrt sich ein Lehrer

Solothurner Zeitung

Dessen Präsident André Müller habe an der Jahreskonferenz des Verbandes vom Mittwoch statt Argumente zu liefern, «falsche Behauptungen» aufgestellt und sich zudem «massiv im Ton vergriffen». Anlass für die emotionale Auseinandersetzung zwischen den beiden Lehrerverbänden ist die einer Lösung harrende Frage der Arbeitsbedingungen von Lehrpersonen, die ab August 2011 in der neuen Sek P (Progymnasium) unterrichten.

Höhere Löhne für alle gefordert

Der LSO habe nie gefordert, betonen die Verbandsverantwortlichen, dass die Arbeitsbedingungen von Kantonsschullehrpersonen, die an der Sek P an einer der beiden Mittelschulen in Olten und Solothurn unterrichten, verschlechtert werden sollen. Die Forderung des LSO sei vielmehr «eine Gleichbehandlung im Sinn von: gleicher Lohn für gleiche Arbeit». Sek-P-Lehrkräfte sollen gleich viel verdienen und ein gleich grosses Unterrichtspensum bewältigen, ob sie an einer Kanti oder einem Sekundarschulzentrum arbeiten.

Dabei «können» und «sollen auch» die Bedingungen für alle Sek-P-Lehrkräfte denjenigen entsprechen, die heute für Gymnasiallehrkräfte im progymnasialen Bereich gelten. Und das heisst: Lohnklasse 23 mit einem Pflichtpensum von 26,5 Lektionen. «Nur müsste man dann auch die Löhne der Sek-B- und Sek-E-Lehrkräfte erhöhen und deren Pflichtpensen herabsetzen», schreibt der LSO.

Der Grund dafür sei die Vermeidung einer Ungleichbehandlung zwischen den Sek-P- und den anderen Sek-I-Lehrpersonen. Derzeit sind ausgebildete Lehrkräfte, die auf der Sekundarstufe I unterrichten, in der Lohnklasse 21 eingereiht und haben ein Pflichtpensum von 29 Lektionen.

Aufgrund der finanziellen Konsequenzen wird es allerdings alles andere als einfach sein, die Politik davon zu überzeugen, alle Lehrpersonen der Sekundarstufe I künftig in Lohnklasse 23 einzureihen und ihr Unterrichtspensum auf 26,5 Lektionen festzusetzen. Faktisch dürfte also der Ruf des LSO nach Gleichbehandlung der Sek-P-Lehrkräfte eben doch eine Verschlechterung der Arbeitssituation für Sek-P-Lehrpersonen an den Mittelschulen bedeuten. Das aber will der Kantilehrerverband unbedingt verhindern.

Für die Volksschullehrerschaft steht vor allem fest, dass unterschiedliche Löhne und Unterrichtspensen nur dann gerechtfertigt wären, wenn sich die Funktion der Sek- P-Lehrkräfte an den Mittelschulen und den Sekundarschulzentren unterscheiden würde. «Der Lehrplan, die Lernziele, das Schülersegment und der Berufsauftrag der Lehrpersonen an der Sek P sind aber unabhängig vom Standort identisch», unterstreicht der LSO. Auch die Tatsache, dass die Sek P an den Kantonsschulen in Solothurn und Olten eine Referenzfunktion für die übrigen Sek-P-Standorte innehabe, rechtfertige derart grosse Unterschiede in den Arbeitsbedingungen «in keinster Weise».

Lohnklage steht im Raum

Nicht gelten lässt der LSO weiter das Argument der Kantilehrer, dass die Einreihung in eine höhere Lohnstufe deshalb gerechtfertigt sei, weil die Gymilehrer vor allem in den Maturitätsabteilungen und nur zu einem geringen Prozentsatz am Progymnasium unterrichten. Die Regel, dass die Arbeitsbedingungen von der Funktion definiert werden, welche man mehrheitlich ausführt, gelte für das Lohnsystem der Schulen im Kanton Solothurn nicht. Davon ist der LSO überzeugt.

Im Kanton komme vielmehr das Funktionslohnprinzip zur Anwendung. «Das heisst, ein ausgebildeter Bezirkslehrer, welcher ein paar wenige Lektionen an der Oberschule unterrichtet, wird für diese Lektionen mit dem Oberschullehrerlohn vergütet.»

Sollten tatsächlich unterschiedliche Löhne in der Sek P festgeschrieben werden, wäre eine Lohnklage der «diskriminierten» Lehrpersonen «wohl so sicher wie das Amen in der Kirche», hält der LSO fest.

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