Mountainbike
Sechstagerennen der besonderen Art

Die Lommiswiler Mountanbikerin Nathalie Schneitter startet in Südafrika am «DCM Cape Pioneer Treck» gemeinsam mit einer Gehörlosensportlerin.

Monika Kammermann
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Solothurner Zeitung

«Fahren statt hören» lautet das Motto dieses Projekts. Renate Telser und Nathalie Schneitter werden vom 18. bis 23. Oktober am «DCM Cape Pioneer Treck» in Südafrika teilnehmen und dabei über 680 Kilometer sowie 13155 Höhenmeter zurücklegen. Das Besondere: Renate Telser ist gehörlos und dadurch ist auch ihr Gleichgewichtssinn eingeschränkt.

Ohne Worte – mit Rücksicht

Entstanden sei diese Idee ganz spontan, erzählt Nathalie Schneitter, kennen gelernt haben sie und Renate Telser sich in einem Trainingslager im März. «Ich suchte für dieses Jahr eine neue und besondere Herausforderung, die nicht nur mir was bringt», so die aktuelle Weltcupsiegerin. Im ersten Moment hätten sie sich gar nicht gross Gedanken über mögliche Schwierigkeiten gemacht, erst später wurde man sich dessen bewusst.

Das Hauptproblem liegt in der Kommunikation: «Wie teile ich meiner Teamkollegin mit, dass ich eine Panne habe?» Eine Lösung ist, sich mit Handzeichen zu verständigen. Allerdings ist dies nur begrenzt möglich, da das Rennen nicht auf einer flachen Asphaltstrasse verläuft, da werden die Hände am Lenker benötigt. Am wichtigsten werde es sein, Rücksicht zu nehmen und immer wieder zurückzuschauen, ob alles in Ordnung ist.

Doppelte Herausforderung

«Wir wollen Mut machen und beweisen, dass Spitzensport mit einem Handicap vereinbar ist, vor allem denjenigen, wollen wir dies beweisen, die nicht handicapiert sind», erklärt die 24-jährige Betriebswirtschaftsstudentin. Die Profisportlerin und die zehn Jahre ältere Gehörlosensportlerin werden sich mit der Leitfunktion arrangieren. «Vermutlich werde ich in den Abfahrten voausfahren, da Renate durch den eingeschränkten Gleichgewichtssinn etwas unsicherer bei der Abfahrt ist. Bei den Aufstiegen wird wohl die Schwächere das Tempo bestimmen, das werden wir von Tag zu Tag neu festlegen», erläutert Schneitter. Allerdings werde Telser nicht unvorbereitet am Rennen teilnehmen. Sie erfülle als Gehörlosensportlerin die physischen Anforderungen eines Sechstagerennens. Telser ist Italienmeister der Gehörlosen 2010.

Diese Tour wird auch für die Profi-Mountainbikerin eine Grenzerfahrung sein, da sie in Südafrika zum ersten Mal ein mehrtägiges Rennen im Team bestreiten wird. Durch die eingeschränkte Kommunikation werde es wohl schwierig sein, sich gegenseitig zu motivieren. «Wenn man miteinander reden kann, ist es einfacher, sich auf sich selber zu konzentrieren. Da weiss ich, dass sich der andere melden wird, falls etwas nicht stimmt», weiss Schneitter. Im Mountainbikesport fahre jeder für sich selbst, da werde auch keine Teamstrategie festgelegt.

«Tagessieg sollte schon drinliegen»

Ein Ziel zu formulieren, ist laut Schneitter etwas problematisch, da man die anderen Teams nicht kennt. Aber sie wollen so schnell wie möglich ins Ziel gelangen. «Der Gesamtsieg der Tour wird schwierig, aber ein Tagessieg sollte schon drinliegen.» Auf dieses Rennen bereiten sich die beiden Frauen unabhängig vor, da Renate Telser im Südtirol wohnt. Vor kurzem haben sie gemeinsam an einem Marathon-Rennen in Einsiedeln teilgenommen, das gleichzeitig die Hauptprobe darstellte.

Das ungleiche Duo wird kurz vor dem Rennen nach Südafrika reisen, um sich ans Klima anzupassen und sich noch besser kennen zu lernen. Denn: Auf der Tour werden sie das einzige Team sein, in dem eine Fahrerin mit einem Handicap teilnimmt.