Die Mitarbeitenden montieren mit flinken Händen an 13 Anlagen Stichsägen, Kreissägen, Exzenterschleifmaschinen und andere Holzbearbeitungsmaschinen sowie Bohrmaschinen. Und an 4 Motorenbändern werden Statoren und Rotoren gefertigt und zu Elektromotoren zusammengebaut. Rund eine Million Elektrowerkzeuge verlassen jährlich die Fabrik der Scintilla AG in Zuchwil, die seit 1954 zur deutschen Bosch-Gruppe gehört.

Weltweit Nummer eins

Im Bereich Elektrowerkzeuge ist Bosch insgesamt die weltweite Nummer eins. Um dort zu bleiben, seien grosse Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung nötig, erklärt Christoph Bärtschi, Mitglied der Scintilla-Geschäftsleitung und Personalchef. Die Konkurrenz aus Asien sei gross. «In dem intensiven Wettbewerbsumfeld sind Produktinnovationen wichtig. Scintilla erzielt heute ein Drittel des Umsatzes mit Geräten, die weniger als zwei Jahre alt sind.»

Auftragsbücher gut gefüllt

Nach dem Krisenjahr 2009 habe sich die Auftragslage merklich verbessert, berichtet Bärtschi. 2010 habe die Scintilla (Standort Zuchwil und Produktion von Stich- und Säbelsägeblättern im Walliser Werk in St.Niklaus) einen Umsatz von rund 650 Millionen Franken erwirtschaftet. Der Gewinn sei «anständig» ausgefallen. Selbst 2009 habe Scintilla keine roten Zahlen geschrieben. Und 2011 sei gut angelaufen und man komme den Rekordzahlen von vor der Krise wieder näher.

Grösstes Problem ist aktuell der starke Franken, liegt doch der Exportanteil bei über 90 Prozent. «Der Wechselkurs zum Euro und zum Dollar tut weh und hinterlässt deutliche Spuren im Ergebnis», sagt Bärtschi. «Wenn der Kurs für längere Zeit auf diesem Niveau verharren sollte oder gar noch tiefer fällt, dann wird unsere Konkurrenzfähigkeit leiden.»

Verlagerung und Neuausrichtung

Damit die 1917 gegründete Scintilla weiterhin erfolgreich am Weltmarkt operieren kann, hat das Industrieunternehmen schon vor der Eurokrise wichtige Weichen gestellt, blickt Bärtschi zurück. So wurde Mitte 2000 die Produktion von Heimwerkerwerkzeugen der unteren Preisklasse ins neue Werk in Ungarn und nach China verlagert. Grund war die zunehmende Konkurrenz durch Produzenten aus Fernost, die den Weltmarkt mit No-Name-Produkten zu Tiefstpreisen überschwemmten. «Der Standort Schweiz war zu teuer.»

2009 kam es zu einer weiteren Neuausrichtung. Der Standort Zuchwil wird schrittweise zum «Kompetenzzentrum für gewerbliche Holzbearbeitung» umgebaut. Entwicklung und Herstellung von hochwertigen Werkzeugsystemen für die Holz- und Oberflächenbehandlung werden in Zuchwil zusammengefasst. Zu den bisher produzierten Stichsägen, Schleifern und Hobelmaschinen gesellen sich neu Kreissägen, Oberfräsen, Säbelsägen und so fort. Künftig werde Scintilla die gewerblichen High-End-Märkte in diesen Segmenten weltweit beliefern.

Hauptsitz fürs Zubehörgeschäft

Noch ist die Umstellung nicht abgeschlossen. So werden weiterhin Schlagbohrmaschinen gebaut. Es handle sich um auslaufende Serien. Bärtschi: «Die neuen Generationen werden in einem Werk in Russland produziert. Dort baut Bosch ein Kompetenzzentrum für Bohrmaschinen auf.»

Unterstützt wird die Neuausrichtung auch durch die 2009 erfolgte Übernahme des Schleifmittelherstellers Sia Abrasives in Frauenfeld. Als weltweites Kompetenzzentrum für flexible Schleifmittel wird Sia als Tochter der Scintilla geführt. Denn Scintilla ist seit 1986 Hauptsitz für das globale Zubehörgeschäft im Bereich Elektrowerkzeuge, welches in den letzten Jahren ein kontinuierlich starkes Wachstum verzeichnet habe. Aus Solothurn würden alle Aktivitäten in diesem Bereich mit weltweit 4000 Mitarbeitenden gesteuert.

Personalabbau und -aufbau

Bedingt durch die jüngste Verlagerung der Produktion und Neuausrichtung auf die Holzbearbeitung wurden 2009 rund 70 Stellen gestrichen. Heute beschäftigt Scintilla in Zuchwil, so Bärtschi, in etwa 700 Mitarbeitende. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es rund 1400. Trotzdem ist Scintilla weiterhin einer der grössten privaten Arbeitgeber in der Region. Und im stark wachsenden Zubehörgeschäft werde der Personalbestand stetig erhöht.