Minderverkäufe

Schweizer Gurken litten unter falschem Verdacht

© Solothurner Zeitung

Die Fehlinformation, dass spanische Gurken Träger eines tödlichen Bakteriums seien, traf auch regionale Gemüsebauern massiv.

Die spanischen Gurken sind für die tödliche Epidemie in Deutschland nicht verantwortlich, dies wurde gestern bekannt (siehe Seite A bis Z). Der Schaden, der durch die falsche Annahme auch bei hiesigen Gemüsebauern entstanden ist, ist so schon gross genug. Beat Bösiger von den Bösiger Gemüsekulturen in Niederbipp ist froh, dass die Unschuld der Gurken erwiesen ist. Trotzdem ist er verärgert: «Es war eine Fehlinformation, die ins Geld geht und eine Branche fast ruiniert hat.»

Die Bestellungen seien stark zurückgegangen. «Die Grossverteiler Migros und Coop haben viel weniger bestellt», sagt Bösiger. Thomas Bornhauser, Mediensprecher der Migros Aare, bestätigt «eine spürbare Zurückhaltung der Kunden. Sie fragen: Was sind das genau für Gurken?» Allerdings hatte Migros keine spanischen Gurken im Sortiment. Seit 14 Tagen stammen diese aus dem Seeland.

Mehr Fragen zur Herkunft der Gurken gibt es auch bei Silvio Lüthi im Gemüserayon des «Solo-Marktes» in Solothurn. Einen Rückgang der Gurkenkäufe stellt er aber nicht fest. Lüthi: «Die Leute wissen, dass wir Schweizer Gemüse haben.» Dies kann Bösiger bestätigen: Beim direkten Hofverkauf hat er eine «enorme Zunahme» gespürt. Man merke, dass dort das Vertrauen der Kunden grösser sei.

Es braucht Fakten

Auch die «Tagesschau» war gestern bei Bösiger, um ihn zum Thema Gurken zu interviewen. «Jetzt ist die Information überholt», sagt er und ist fast sprachlos. Wegen der Bestellungsrückgänge waren auch schon der Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten und Biosuisse aktiv geworden. «Mehrere hundert Betriebe haben ihre Gurken analysieren lassen», sagt Bösiger. Die Verbände hofften, damit Fakten in der Hand zu haben und das Vertrauen der Kunden wiederzuerlangen.

Bösiger hätte schon zuvor die Hand für seine Gurken ins Feuer gelegt. «Bei unseren Produktionsmethoden gibt es sehr strenge Auflagen. Die Gewächshausproduktion ist stark kontrolliert. Man kann sich voll auf die Produkte verlassen. Schweizer Gemüse ist absolut EHEC-frei.» Mittelfristig, so hofft Bösiger, könne die Sache noch eine positive Seite haben: indem künftig vermehrt wieder Schweizer Produkte gekauft werden.

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