Bellach
Schüler füllen weisse Flächen mit viel Wissen

Interaktive Whiteboards erfreuen sich in den Schulen in der Region Solothurn zunehmender Beliebtheit. Sie sehen aus wie herkömmliche weisse Wandtafeln (Whiteboards), sind aber mit einem Computer verbunden und einem Touchscreen ausgestattet.

Christoph Neuenschwander
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Solothurner Zeitung

Dicht drängen sich die Bellacher Schüler vor die weisse Tafel im Klassenzimmer und tippen sie an. Sie lösen gerade eine Geografie-Aufgabe am interaktiven Whiteboard, ordnen den Ländern auf der Europakarte via Touchscreen ihren Namen zu. Alle sind aufmerksam, interessiert und auffallend aktiv an der Übung beteiligt.

Seit Oktober 2006 verfügt das Oberstufenschulhaus in Bellach über interaktive Whiteboards. Elf an der Zahl waren es ursprünglich. Vor kurzem sind sechs weitere dazugekommen – eines für den Hauswirtschaftsunterricht, fünf für die ebenfalls im Kaselfeld einquartierten 5. und 6. Klassen. Auch in Selzach hat die Schulleitung vergangene Weihnachten ihre Bezirksschullehrer mit sechs Exemplaren beschenkt. Das Oberstufenzentrum «oz13» in Subingen ist seit seiner Eröffnung vor drei Jahren mit Whiteboards ausgestattet. Und nun will sich auch Biberist welche beschaffen. Doch was steckt in diesen weissen Brettern und hinter dem Boom, den sie auslösen?

Aus Skepsis wurde Begeisterung

Interaktive Whiteboards sehen aus wie herkömmliche weisse Wandtafeln (Whiteboards), sind aber mit einem Computer verbunden und einem Touchscreen ausgestattet. Sie bieten daher eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten (siehe Kasten). So etwas sei unnötig, fand einst Ernst Sollberger, inzwischen pensionierter Oberschullehrer im Kaselfeld. Doch als die Anschaffung der Tafeln im Rahmen der Schulhaussanierung näher rückte, hat Sollberger angefangen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. «Ich bin vom Skeptiker zum begeisterten Anwender geworden», berichtet er. «Ich habe die Software schon im Vorfeld ausprobiert und konnte dann gar nicht mehr darauf warten, bis die Boards geliefert wurden.»

Nachdem er die Whiteboards während der letzten vier Jahre seiner Unterrichtslaufbahn intensiv genutzt hat, ist er zum Kenner der Materie geworden und unterrichtet gerne heute noch Kollegen aus dem Kaselfeld und anderen Schulen im Umgang mit den Geräten. Für ihn steht fest, dass die weissen Tafeln nicht lediglich eine Spielerei, sondern ein wertvolles Unterrichtsmittel sind, welches, richtig eingesetzt, einen pädagogischen Mehrwert bietet. Die Vorteile sind laut Sollberger enorm.

Die Frage stellt sich, ob auch Nachteile bestehen. «Zuerst hatten wir Angst vor Vandalismus», sagt Sollberger. «Aber diese Gefahr besteht überhaupt nicht. Die Schülerinnen und Schüler sind von den Whiteboards fasziniert. Sie zu beschädigen wäre, wie wenn sie ihre eigenen Laptops kaputt machen würden.» Auch das Argument, der helle Bildschirm sei ungesund für die Augen, relativiert Sollberger. Man arbeite ja nicht permanent mit der Tafel. Ausserdem könne man die Hintergrundfarbe auch ändern.

«Ich würde es wieder tun»

Michael Krähenbühl, Schulleiter der Bellacher Oberstufe, ist von den Vorzügen der Whiteboards genauso überzeugt. «Ich habe mich damals für die Whiteboards eingesetzt und ich würde es wieder tun», sagt er. Der Erwerb habe sich angeboten, da man die alten Wandtafeln sowieso ersetzen musste. «Und weil die Whiteboards gerade aufkamen, wäre es schade gewesen, herkömmliche Tafeln anzuschaffen, nur um dann in fünf bis zehn Jahren vielleicht doch auf die elektronischen Tafeln umsteigen zu müssen und eine praktisch neue Einrichtung wieder auszubauen.» Eigentlich sollte jede Schulleitung, die wegen einer Sanierung im Schulhaus ohnehin Geld in die Finger nimmt, über Whiteboards nachdenken, sagt Michael Krähenbühl.

Nicht teurer als Schiefertafeln

So ähnlich sieht die Situation denn auch in Biberist aus. Andrea Meister, Schulleiterin an der Kreisschule Biberist, erklärt: «Die Oberstufe zieht in ehemalige Primarschulzimmer um, und die müssen aufgerüstet werden.» Whiteboards seien da eine sinnvollere Anschaffung als Beamer, da es für erstere mehr Anwendungszwecke gebe. Darüber hinaus seien Whiteboards Standard in immer mehr Schulen. «Es ist zwar wieder etwas Technisches, mit dem die Lehrer erst umzugehen lernen müssen, aber Whiteboards sind die Zukunft.»

Als «sinnvoll» bezeichnet auch Christine Aebi, Schulleiterin des Oberstufenzentrums «oz13» in Subingen, den Kauf von interaktiven Whiteboards. Besonders, weil diese etwa gleich teuer seien wie die alten Schiefer-Wandtafeln. Zwei kleine Minuspunkte hat sie aber doch anzumerken: «Die Stifte sind etwas anfällig und funktionieren nicht immer. Und das Wandtafel-Putzen fehlt mir. Das habe ich früher eigentlich gerne gemacht», schmunzelt sie.

Kleine Wandtafeln wurden zwar sowohl in Bellach als auch in Subingen trotzdem noch eingebaut, aber die werden selten benutzt. Dennoch möchte sie Krähenbühl nicht missen: «Man braucht das Whiteboard ja nicht immer, und manchmal möchte man dann doch kurz etwas aufschreiben. Dann ist man froh, muss man nicht erst den Computer aufstarten.»

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