Soziale Verantwortung

«Schön, dass ich hier bleiben darf»

Übernehmen soziale Verantwortung: Manuela und Stefan Mischler (l.) mit einem Teil ihrer Angestellten. Foto: APB

Übernehmen soziale Verantwortung: Manuela und Stefan Mischler (l.) mit einem Teil ihrer Angestellten. Foto: APB

Die Bäckerei Mischler beschäftigt Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Nun wurde sie für ihr Engagement mit einem Anerkennungspreis und 5000 Franken belohnt.

57 Bewerber hatte die Fachjury für den Sozialpreis 2010 des Kantons Solothurn zu beurteilen. Die Bäckerei Mischler schaffte es, dank ihrem Engagement für die Integration von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, unter die fünf Nominierten. Belohnt wurde sie mit einem Anerkennungspreis und 5000 Franken. «Es hat sich einfach so ergeben», sagt Stefan Mischler bescheiden. Er macht kein Aufheben darum.

Das Familienunternehmen beschäftigt Personen mit Behinderungen nach Schlaganfall, Schizophrenie, Leukämieerkrankung und Nierentransplantation. Den Chauffeur, der unter Schizophrenie leidet, traf Stefan Mischler per Zufall im Restaurant Bahnhof. Auf dessen Aussage «ich habe keine ‹Büez› mehr», stellte er ihn kurzerhand ein. Täglich liefert der Chauffeur nun von morgens 5.30 bis 7.30 Uhr Waren aus – «korrekt und pünktlich», wie der Chef zufrieden sagt. «Ich mache gute Erfahrungen», gibt Stefan Mischler preis. Die Menschen mit Behinderungen würden von allen akzeptiert. In der Bäckerei in Selzach und in der Filiale Bellach arbeiten 14 Personen.

«Wie in einer Familie»

Bereits seit 28 Jahren arbeitet der behinderte Martin Schlup in der Bäckerei. Er durfte eine Anlehre absolvieren. Damals noch beim Seniorchef, der die Bäckerei 1974 gegründet hatte und 2003 seinem Sohn übergab. Vor 15 Jahren erlitt Schlup zudem einen Schlaganfall und lag drei Wochen im Koma. «Ich knete am liebsten Teig und mache Blätterteiggebäck», sagt Martin Schlup und fügt an: «Schön, dass ich hier bleiben darf, das ist nicht selbstverständlich.» Anna Schreiber, die das Familienunternehmen für den Sozialpreis anmeldete, ist bereits seit 28 Jahren im Betrieb. Sie lobt die Rücksichtnahme und Flexibilität von Stefan und Manuela Mischler während der Zeit ihrer Nierentransplantation und der vielen Abwesenheiten wegen der Dialyse. Das Ehepaar Mischler meistere die sicher manchmal nicht einfachen Situationen auf eine ruhige und selbstverständliche Art. «Man ist aufgehoben wie in einer Familie», sagt Anna Schreiber. Alle seien gleichgestellt.

Lehrlinge aus Kleinklassen

Das Ehepaar verkörpert seine Aufgabe als Arbeitgeber mit sozialer Verantwortung auch in der Lehrlingsausbildung, gibt es doch bewusst Schülern aus Kleinklassen eine Chance. «Über ein Jahr lang habe ich eine Lehrstelle gesucht», erzählt Andrea Muralt, die ursprünglich Malerin werden wollte, nun aber die Lehre als Bäcker-Konditorin in Angriff genommen hat. Sie durfte während des Zwischenjahres im Wallierhof in der Bäckerei schnuppern und erhielt danach die Lehrstelle. «Andrea ist sympathisch und passt ins Team», sagt Stefan Mischler. Zudem sei sie äusserst kreativ und in handwerklichen Arbeiten sehr geschickt.

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