Und immer ist ein Mann zur Stelle: Fredy Hug, der Schlosswart seit 20 Jahren. Exakt so lange führt der Kanton Solothurn die ehemalige Sommerresidenz derer von Besenval als Begegnungszentrum und Museum. Fredy Hug sagt noch heute: «Ich habe das Privileg, hier zu arbeiten und zu leben.» Diesen Samstag soll das 20-Jahr-Jubiläum gebührend gefeiert werden. Dafür ist auch Hug mit seinen Mitarbeitern schon seit Tagen im Einsatz. Einen Morgen lang lässt er sich bei seiner Arbeit über die Schultern blicken.

Lange Wege im Schloss

Gerade werden Podest-Elemente angeliefert. Es ist neun Uhr morgens, und Fredy Hug erklärt kurz und prägnant, wie und wo die Podeste hin sollen. In den Ehrenhof, denn hier gehen die musikalischen Veranstaltungen am kommenden Samstag über die Bühne. Dann kehrt er zurück ins Schloss. Zwei Rollgestelle stehen beladen da. Stative, Rollkabel, Leuchten und anderes will Hug im Depot im Estrich verstauen.

Schloss Waldegg ist Hugs Reich

Schloss Waldegg ist Hugs Reich

Die Wege sind lang und umständlich in diesem Haus aus der Barockzeit. Zuerst mit dem Lift in den ersten Stock und dann mittels Treppenlift durch drei Zimmer in den Estrich. Dazwischen klingelt immer mal wieder das Handy. Künstler, Lieferanten, Mitarbeiter – allen hilft Fredy Hug mit Rat und Tat weiter. Danach richtet er im Theatersaal eine Leinwand und den Beamer ein, schaut dann kurz auf seine Uhr und meint: «Zeit, einen Kaffee zu trinken.»

Automechaniker wird Schlosswart

Hug lehnt sich zurück, blinzelt in die Sonne, überblickt «seine» Schlossanlage und ist zufrieden. «Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt: Schlosswart.» Und er erzählt, wie er als 31-Jähriger für die Stelle vorsprach und man ihm zuerst beschied, er sei überqualifiziert. «Das stimmte natürlich, wenn man jemanden gesucht hätte, der einfach das Laub zusammenwischte. Doch als ich hierherkam, erkannte ich sofort das Potenzial dieses Schlosses.» Er konnte seine Visionen dem Einstellungsgremium plausibel machen und wurde mit seiner Frau Tamara eingestellt.

Vorher arbeitete Hug, der ursprünglich Automechaniker gelernt hatte, als Bühnenmeister am Stadttheater Bern. Eine interessante Arbeit, aber eher eine familienfeindliche. «Als unsere erstgeborene Tochter vor mir zu fremdeln anfing, beschlossen wir, das Theaterleben aufzugeben.» Seither ist Familie Hug in Feldbrunnen zu Hause und hat die Wohnung in der Kaplanei, angebaut an die St.Michaelskapelle auf dem Schlossgelände, bezogen. «Unsere drei Töchter sind hier aufgewachsen und wir fühlten uns immer sehr wohl hier. Ich habe jetzt hier meine Bühne gefunden.» Klar sei Schlosswart ein 24-Stunden-Job. «Doch im Winterhalbjahr ist es doch merklich ruhiger. Dann gehört die Waldegg fast ein wenig uns.»

Hug interessiert sich sehr für die Gäste, die hier ihre Feste durchführen oder einen der kantonalen Anlässe besuchen. «Zuerst geht es aber darum, den Stiftungsauftrag zu erfüllen. Die Erhaltung des Hauses und der Anlage, des Museums. Dann aber auch Begegnungsort zu sein.» Hug und sein Team bieten ihre Gästen einen Rundumservice. «Es ist mir wichtig, den Gästen auch etwas über das Haus zu erzählen. So ist eher sichergestellt, dass auch mit Respekt mit den Räumen umgegangen wird.»

Wer heute auf der Waldegg sein Familienfest durchführen will, muss sich mindestens eineinhalb Jahre im Voraus melden. «Die Warteliste ist lang, denn es finden pro Jahr noch mindestens 80 offizielle Anlässe statt. Und diese haben natürlich Priorität.»

Mehr Arbeit seit sechs Jahren

Seit das Amt für Kultur und Sport vor sechs Jahren ins Gärtnerhaus auf dem Gelände der Waldegg gezogen ist, gibt es für Hug und sein Team mehr Arbeit. «Doch ich finde das Ganze positiv, denn so konnten Synergien genutzt werden und mancher Entscheidungsweg wurde massiv verkürzt.» Zu dritt sind sie jetzt für alles, was mit der Waldegg zu tun hat, verantwortlich: Cäsar Eberlin für das Amt für Kultur und Sport, André Schluchter als Kurator für das Museum Schloss Waldegg und Fredy Hug als Schlosswart.

Vieles hat Hug auf der Waldegg erlebt. «Das Schönste ist, wenn man positive Rückmeldungen bekommt. Wenn die Leute sich gerne an ihren Aufenthalt hier erinnern. Beispielsweise passiert es immer öfter, dass Brautpaare auf der Waldegg ihr Hochzeitsfest feiern wollen, weil sie als Teenager hier ein paar interessante Tage in der Schultheaterwoche verbracht haben.»