Aare
Schiffkapitän Rolf Marti: «Auf der Aare wird es nie langweilig»

Ein Bubentraum ist es, Kapitän zu werden – in der Schweiz nur sehr selten möglich. Doch Rolf Marti übt den Beruf des Schiffsführers seit 46 Jahren aus. Der «Siesta»-Kapitän aus Büren ist seit 46 Jahren auf dem Fluss unterwegs.

Andreas Toggweiler (text und Bild)
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Rolf Marti, «Aare-Kapitän» der MS Siesta aus Leidenschaft. Im Juni geht er nach 46 Jahren Dienst in Pension.

Rolf Marti, «Aare-Kapitän» der MS Siesta aus Leidenschaft. Im Juni geht er nach 46 Jahren Dienst in Pension.

Solothurner Zeitung

Wenn heute die MS «Siesta», das Vorzeigeschiff der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG) den (vorerst sonntäglichen) Kursbetrieb auf der Aare zwischen Solothurn und Biel aufnimmt, wird es zur 21. Saison aufbrechen. Vor 20 Jahren, am 28. Mai 1991, absolvierte die «Siesta» ihre Schiffstaufe und Jungfernfahrt. Noch viel länger dabei ist Kapitän Rolf Marti.

Seit 46 Jahren ist er für die BSG unterwegs, fast immer auf der Flussfahrt zwischen Solothurn und Biel. Diesmal dauert seine Saison allerdings nur noch bis im Juni. Dann geht Marti nämlich in Pension.

«Ich wurde immer wieder gefragt, ob es mir denn auf dieser Strecke nicht langweilig werde. Meine Antwort ist ganz klar: nein.» Anlässlich der Pressekonferenz der BSG zum neuen Fahrplan schaute Marti zurück auf sein Berufsleben. Die Aarefahrt biete einen einzigartigen Ausflug in die Natur, schwärmt er.

Semikatamaran als Highlight

Störche, Reiher, Eisvögel, Biber bevölkern den Aareraum und können vom Schiff aus beobachtet werden. Die mäandrierende Aare sorgt immer wieder für neue Perspektiven und Ausblicke in die Landschaft. 20 Jahre hat Rolf Marti auf der MS «Siesta» verbracht. «Ein Highlight» sei es gewesen, als die BSG den Semikatamaran mit 500 Plätzen in Dienst stellte.

Die neuartige Ruderanlage habe eine spezielle Ausbildung im Ausland erfordert (vgl. Kasten). Bereits 1973 konnte Rolf Marti auch als Erster auf der damals neuen «Stadt Solothurn» fahren. «Die Inbetriebnahme dieses Schiffes hat damals eine Frequenzsteigerung von 43 Prozent ausgelöst.»

Fast zu jedem Meter entlang der Flussfahrt würde Rolf Marti eine Geschichte einfallen: zur mit 220 m breitesten Stelle der Aare beim Inseli, zu ihren Bewohnern, die nur mit der Fähre Festlandverbindung haben, der Storchenstation Altreu, der Kapelle in Staad, dem Kornhaus Büren, dem Naturschutzgebiet entlang der Alten Aare.

Auch historisch gebe es einiges zu berichten: über die Juragewässerkorrektion 1873, das Polenlager im Häftli während des Zweiten Weltkriegs und den Brand der Bürener Holzbrücke am 5. April 1989. Und warum die MS «Siesta» ursprünglich MS «Grenchen» heissen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Prominenz an Board

Gerne blickt Marti auch auf die zahlreichen Begegnungen mit seinen Fahrgästen zurück. Darunter hatte es einige Prominenz: Bundesräte in offizieller und privater Mission zuhauf. Den Gesamtbundesrat auf seinem «Reisli» nahm Marti 1993 mit.

Er erinnert sich an Willi Ritschard, der einen Weinfleck auf dem Tisch aufwischte mit der Bemerkung, «zu Hause muss ich das ja auch», und an einen Stromausfall mit Adolf Ogi auf der MS «Büren». «Und der Delamuraz war richtig schiffsgeil. Der wollte immer selber steuern.» «Für die BSG ist Rolf Marti zwischen 15- und 17-mal auf der Aare um die Welt gefahren», sagt BSG Chef Thomas Erne, der den «Schiffsführer», wie die Kapitäne offiziell heissen, für seine Arbeit würdigte. Die Aarefahrt mit der «Siesta» sei eine Marke geworden. «Die Leute fragen nicht, wann das Schiff fährt. Sie reden immer von der ‹Siesta›.»

Generationen befördert

Und auch ihr Kapitän ist inzwischen in der Schweiz bekannt wie ein Promi. Kunststück, wenn man Generationen von Kindern auf der Schulreise als Fahrgäste befördert. «Und später kommen sie dann mit ihren eigenen Kindern wieder», freut sich Marti. Überhaupt sei der Kontakt mit den Passagieren das Schönste an seinem Beruf gewesen. «Es freut mich immer wieder, wenn sich ein Fahrgast bedankt für die Aarefahrt.»

Ein partnerschaftliches Verhältnis mit den Fahrgästen sei ihm immer wichtig gewesen, betont er. Da gehört es auch dazu, dass man auf einen Passagier wartet, der das Schiff noch erreichen will, obwohl er eigentlich zu spät dran ist. «Das schafft viel Goodwill, auch wenn man dann halt ein paar Minuten später Feierabend hat.»

Erste Aarefahrten heute Sonntag: Solothurn ab 11.00 Uhr und 14.05 Uhr; www.bielersee.ch

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