Kantonsarchäologe Pierre Harb und sein Team halten sich für bauliche Eventualitäten auf alle Fälle bereit. Insbesondere im Innenhof des Verkaufshauses könnte einiges an Arbeit für sie anstehen, sobald die Termine für die derzeit noch vagen Manor-Pläne gesetzt sind. Eine Flächenerweiterung böte sich nämlich erst recht auf dem Platz der beiden Innenhöfe an. «Manor hat sich mit uns in Verbindung gesetzt, um zu klären, wie lange wir für unsere Arbeiten brauchen würden», sagt Harb auf Anfrage.

Denn im Falle der Altstadt ist der Einbezug der Archäologie Pflicht: «Da die Altstadt unter Denkmal- und Altertümerschutz steht, dürfen ohne vorherige archäologische Untersuchung keine Aushubarbeiten vorgenommen werden.» Dies schreiben die Richtlinien der Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen der Stadt vor. So dürfen in der Altstadt insbesondere Unterkellerungen, Terrainabsenkungen und Aushubarbeiten nicht vorgenommen werden, ohne dass die Kantonsarchäologie den Platz vorher untersucht hat. Harb rechnet mit einem mehrmonatigen Einsatz im Sommer und Herbst.

Auf den Spuren des Töpferquartiers

«In der Altstadt ist immer etwas Römisches oder Mittelalterliches unter dem Boden, wenn nicht bereits vor 100 oder 200 Jahren ein Keller gebaut wurde», so Harb weiter. Das römische Solothurn war etwa deckungsgleich mit der heutigen Altstadt. Dringt man durch die Erdschichten vor, so stösst man auf dem ganzen Altstadtgebiet oft auf Fundamente der frühen Neuzeit, auf spätmittelalterliche Bauten oder auf noch ältere Schätze.

Im Falle des nordwestlichen Teils der heutigen Altstadt rechnet man insbesondere mit Fundstücken wie Tonscherben oder mit Überresten von Töpferöfen aus der Römerzeit. Nach derzeitigem Kenntnisstand befand sich dort nämlich zur Zeit des «Vicus Salodurum» das Töpferquartier. Gerade wegen der Brandgefahr durch die Öfen und wegen des vorhandenen Platzes wurden diese Handwerksbetriebe oft am Rande der Siedlungszone gebaut.

"Wir finden etwas Lohnenswertes"

Bei den Töpferöfen handelt es sich um in den Boden eingesenkte, kuppelförmige Strukturen mit einer Feuerungsgrube und einer Brennkammer, in welcher die Gefässe gebrannt wurden: «Die Kuppel ist zwar meistens nicht mehr vorhanden. Hingegen kann eine erhaltene Feuerungsgrube noch heute Aufschluss über die Grösse des Ofens geben», erläutert Harb. Auch mit fehlgebrannter «Ausschussware» ist zu rechnen.

«Dadurch erfahren wir Archäologen, was für Geschirr produziert wurde und wann die Töpferöfen in Betrieb waren», so Harb. «Ich gehe jedenfalls davon aus, dass wir etwas Lohnenswertes finden», mutmasst der Kantonsarchäologe weiter. Dabei seien die einzelnen Fundstücke oft weniger relevant als die daraus Erkenntnisse über die Befunde und die Siedlungsgeschichte: «Unsere Aufgabe ist es, zu dokumentieren und Informationen über die damaligen Nutzer und Produzenten zu sichern. Und das müssen wir tun, bevor gebaut wird.»