«Mit mehr Zeit, wäre mehr zu erreichen, auch für die Maschine 8», kritisiert der ehemalige «Papieri»-Direktor Jürg Müller das Sappi-Management. Man müsse sich ernsthaft fragen, weshalb Manager es nicht als ihre «unternehmerische Aufgabe sehen, alles zu unternehmen, Lösungen für eine solch moderne Fabrik zu finden.» Müller, der als externer Berater das Konsultationsteam begleitete, weiss, wovon er spricht. Er ist heute erfolgreich als Firmensanierer tätig.

Für SP-Ständerat Roberto Zanetti ist es mehr als fraglich, ob die Sappi-Führung die Vorschläge der Belegschaft in nur zwei Tagen wirklich «seriös und tiefschürfend» geprüft hat. Als «taktischen Schachzug» bezeichnete er den Entscheid, einem Drittel der Belegschaft jetzt zu kündigen und die übrigen Kündigungen aufzuschieben. Bis Ende Juli sei es «fast nicht möglich» einen neuen Besitzer zu finden. Deshalb: «Sollte sich bis Mitte Juli eine Lösung abzeichnen, müsse der Schliessungsentscheid weiter hinausgeschoben werden».

«Entscheid ist ein Kompromiss»

«Das ist ein brutaler Entscheid, ich habe gehofft, dass das Management auf die Mitarbeiter-Vorschläge eingehen wird», zeigte sich FDP-Ständerat Rolf Büttiker enttäuscht. «Zumindest hätte ich erwartet, dass die Sappi-Führung die Konsultationsfrist verlängert, damit man die Alternativen noch besser untermauern kann». Mit dem Entscheid vergebe man sich zudem die Chance, einen möglichen Verkaufsgewinn zu erzielen. Stattdessen müsse man jetzt Geld ausgeben für den Sozialplan sowie den Rückbau der Maschinen.

«Der Entscheid ist ein Kompromiss, der einerseits sehr betroffen macht, was die gekündigten Mitarbeitenden betrifft, andererseits eröffnet er die Möglichkeit, für den Rest der Belegschaft doch noch eine Weiterbeschäftigung zu finden», sagt Roland Fürst, Direktor der Solothurner Handelskammer. Die nächsten zwei Monate müssten genützt werden, um die Alternativen zu konkretisieren und einen Investor zu finden.

«Grosszügiger Sozialplan»

«Das Ergebnis kann so nicht stimmen, aber man muss sich wohl mit den Tatsachen abfinden», meint Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist. Er fordert nun, dass Sappi einen «grosszügigen Sozialplan» vorlegen werde. «Sappi muss gegenüber den Mitarbeitenden gleich loyal sein, wie sie es dem Unternehmen gegenüber waren.» (mz, esf, FS)