Integrationsvereinbarungen

Sanfter Druck hilft so manchen Migranten auf die Sprünge

Alexandra Mona, Sachbearbeiterin der Fachstelle Integration. fg

Alexandra Mona, Sachbearbeiterin der Fachstelle Integration. fg

Der Kanton Solothurn nimmt Migranten seit 2011 flächendeckend in die Pflicht. Grundlage sind die sogenannten Integrationsvereinbarungen, die die Migranten unterzeichnen.

Es sind eindrückliche Zahlen, die der Kanton präsentiert: Per Ende August sind zwischen einzelnen Ausländerinnen und Ausländer und dem Kanton Solothurn 1025 Integrationsvereinbarungen (IVB) unterzeichnet worden. Die ersten Verträge wurden im Jahr 2008 abgeschlossen. In den Folgejahren steigerte sich deren Anzahl sukzessive.

Im laufenden Jahr werden erstmals flächendeckend mit sämtlichen Ausländern, die neu aus einem Nicht-EU-Land im Familiennachzug in die Schweiz einreisen, solche Vereinbarungen abgeschlossen. «Wir gehen davon aus, dass 2011 rund 600 Vereinbarungen unterschrieben werden», sagt Alexandra Mona. Sie ist im Amt für soziale Sicherheit (ASO) mit den Koordinationsarbeiten betraut und führt rund 20 Integrationsgespräche pro Monat.

Junge Frauen aus Südosteuropa

Solothurn ist dabei im interkantonalen Vergleich – zumindest derzeit – der einzige Kanton, der mit dem Instrument der Integrationsvereinbarungen alle Ausländerinnen und Ausländer anspricht, die als Partner eines in der Schweiz lebenden Angehörigen einreisen. «Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Zielgruppe breiter zu definieren und nicht nur besonders auffällige Migranten zu erreichen», hält Mona fest.

Die auch im Solothurn verpflichtenden Vereinbarungen werden hier weniger als letztes (Druck-)Mittel für Integrationsunwillige verstanden, sondern sollen vielmehr die Integration aktiv fördern. Ein grosser Teil der IVB wird dabei mit jungen Frauen aus Südosteuropa abgeschlossen.

Erlernen der Landessprache steht im Zentrum

Beim gut einstündigen Integrationsgespräch, das der Unterzeichnung der Vereinbarung vorausgeht, steht denn auch nicht die Androhung von Sanktionen im Vordergrund. «Wir zeigen den Einzelnen vielmehr auf, welche Vorteile es ihnen bringt, wenn sie sich um ihre persönliche Integration bemühen.» Im Zentrum steht das Erlernen der Landessprache. Die Botschaft lautet jeweils: «Das System in der Schweiz fusst auf Selbstverantwortung, die man nur wahrnehmen kann, wenn man auch die Sprache versteht.» Neben der sprachlichen Situation geht es bei den Abklärungen auch um eventuelle soziale und wirtschaftliche Probleme. «Wir verweisen die Betroffenen dann an die jeweiligen Beratungsstellen.»

Auf das Gespräch folgt die Unterzeichnung der Integrationsvereinbarung, die – falls nötig – verbindliche Massnahmen beinhaltet, vor allem den Besuch eines Sprach- oder Alphabetisierungskurses. «In rund einem Viertel aller Fälle erübrigen sich solche Massnahmen, weil die Betroffenen bereits über genügend gute Sprachkenntnisse verfügen.» Auch mit solchen Personen erachtet die Fachfrau eine Vereinbarung für sinnvoll: «Dadurch wird die Wichtigkeit des Themas Integration in unserer Gesellschaft unterstrichen.»

Ohne Mahnung geht oft nichts

«Die meisten Zuwanderer schätzen die Gespräche», konstatiert Alexandra Monta. Und: «Sie zeigen auch eine hohe Motivation, Deutsch zu lernen.» Ganz ohne Druck gehts aber doch recht häufig nicht. In knapp der Hälfte aller Fälle braucht es eine erste Mahnung, bis sich die Betreffenden für den vereinbarten Kurs anmelden – an dem sie sich finanziell beteiligen müssen.

Bei rund einem Drittel klappts erst nach einer zweiten Mahnung. Und eine kleine dritte Gruppe wartet mit der Kursanmeldung, bis ihnen von der der Abteilung für Migration und Schweizer Ausweise mit der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung gedroht wird. «Bis jetzt haben sich schliesslich alle für die Kurse angemeldet und sie auch besucht.» Als erfüllt gilt die Vereinbarung, sobald eine Kursbesuchs-Bestätigung vorliegt.

«Ich muss Deutsch lernen»

«Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde», unterstreicht Mona. Der Druck von aussen sei besonders auch dann hilfreich, wenn die ausländischen – oder auch Schweizer – Partner ihren Frauen einen Kursbesuch verweigern wollen, etwa mit dem Hinweis, dass dafür das Geld nicht reicht. «Türkinnen berichten uns, dass sie aufgrund der verpflichtenden Vereinbarungen ihren Männern gegenüber besser auftreten und sagen können: Ich muss Deutsch lernen.»

Gemäss Alexandra Mona besteht in der Handhabung der Vereinbarungen durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Unter anderem würde sie sich wünschen, dass die Migranten nach rund zwei Jahren zu einem Schlussgespräch eingeladen werden könnten. «Dadurch könnten wir sie noch besser begleiten und eventuell auch weitere Kurse verfügen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1