Flumenthal
«Sali Frau Wyss, ich will jetzt endlich lernen, wie man liest und rechnet»

Aline Sury und Pascal Stampfli starteten gestern ins erste Schuljahr – ein Abenteuer sowohl für die Kinder, die Eltern und die Lehrerin. Am ersten Schultag mussten die Eltern nach dem Verteilen der Hefte und dem Einräumen der Pulte aber wieder gehen.

Christof Ramser
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Die Kinder in Unterleberberg liessen auf dem Pausenplatz Ballone in die Luft steigen.

Die Kinder in Unterleberberg liessen auf dem Pausenplatz Ballone in die Luft steigen.

Solothurner Zeitung

Als Pascal Stampfli am Abend vor dem grossen Tag ins Bett ging, konnte er kein Auge zutun. Der Schulsack war gepackt, das Etui mit Stiften gefüllt, der Stundeplan studiert. Doch die Nervosität und die Vorfreude auf den ersten Schultag waren zu gross, als dass Pascal einfach einschlafen konnte. Auch Natascha Stampfli betritt mit der Einschulung ihres Sohnes Neuland. Pascal hat keine Geschwister. Und gestern war die Aufregung und das Herzklopfen dann plötzlich verflogen. «Entschuldigung, ich hab gerade keine Zeit», antwortete er auf eine wohl überflüssige Frage des Journalisten und spurtete, das weisse Plastikband des Luftballons ums Handgelenk geschlungen, quer über die Tartanbahn vor dem Flumenthaler Schulhaus.

Endlich bei den grossen Schülern

Ein einschneidendes Erlebnis war der gestrige erste Schultag auch für die Eltern von Aline Sury. Intensiv hatte sich ihre Tochter auf den Neustart vorbereitet. «Ich kann schon Lesen und Rechnen, jetzt bin ich vorbereitet für die Schule», konstatierte die motivierte Abc-Schützin bereits Tage vor dem grossen Tag. In einem «Forscherheft», das die Kinder bereits vor dem Schulstart erhalten hatten, klebte Aline Muscheln aus Kos ein, malte gezeichnete Euro- und Frankennoten farbig aus und war sichtlich stolz, den Kindergarten hinter sich zu lassen und endlich zu den grossen Schülern zu gehören.

Spürbare Lust aufs Lernen

Dass sie nun schon ziemlich selbstständig sind, machten die Kinder gestern morgen auch bald ihren Eltern klar. Nachdem Hefte gefasst und die Pulte eingeräumt waren, hiess es nach einigen Minuten schon bald einmal: «Mami, du kannst jetzt wieder gehen.» Das sei normal, sagt die Lehrerin und Flumenthaler Schulleiterin Verena Wyss. Sie hat im Gegensatz zu Stampflis und Surys schon viele erste Schultage erlebt. Trotzdem möchte sie sich nicht daran gewöhnen. «Die Freude, das Leuchten und die Neugier auf das Leben, die ich immer wieder erlebe, sind phänomenal. Das ist auch für mich ein wahrer Jungbrunnen», sagt die Lehrerin, die in der ersten und zweiten Klasse in Flumenthal 22 Schüler unterrichtet. Die Lust aufs Lernen sei richtig spürbar, so dass es nicht selten hiesse: «Sali Frau Wyss, ich will jetzt endlich lernen, wie man liest und rechnet.»

Zusammen mit ihren Schützlingen liess sie gestern um 13.45 Uhr Luftballone in den Himmel steigen. Auch von den anderen Unterleberberger Pausenplätzen flogen zur gleichen Zeit rote, blaue, grüne und gelbe Ballone gen Himmel und zeigten so die Standorte der Gemeinsamen Schule (siehe Kontext). Danach marschierten die Schüler aus allen Richtungen ins Sekundarschulzentrum in Hubersdorf.

Ritueller Start ins Schuljahr

Dass der Kindergarten nun definitiv vorbei ist, das erfahren Pascal Stampfli und Aline Sury heute definitiv. Auf der Bühne der Turnhalle rutschen die Kinder in einem Ritual weg aus der Kindergartenwelt und werden in den Kreis der versammelten Schüler aufgenommen. Kindergärtnerin Marianne Buchwalder wird dann zum Abschied zu jedem Schüler einige Worte sagen. Bei Pascal könnte es dann so tönen: «Er ist ein sehr lustiger und lieber Bub, der gerne in der Bau-Ecke mit Lego spielt und mit den Spielautos herumfährt.» Zu Aline weiss Mariann Buchwalder, «dass sie eine Exakte ist, nie ein trauriges Gesicht macht und vielseitig interessiert ist.»

Nach mehreren Monaten Vorbereitung durch den Vorstand des Zweckverbands und Hauptschulleiter Stefan Liechti startete die Gemeinsame Schule Unterleberberg gestern offiziell ihren Betrieb. Punkt 13.45 Uhr liessen alle Kinder von den Pausenplätzen ihrer Schule Ballone in die Luft steigen. Anschliessend fand ein Sternmarsch statt, bei dem alle ins Sekundarschulzentrum in Hubersdorf marschierten. Die Verwaltung befindet sich in Hubersdorf.