Winterdienst
Rund um die Uhr für sichere Strassen

Unser Reporter Andreas Toggweiler war unterwegs im Schneepflug auf der A1 zwischen Oensingen und Oftringen.

Andreas Toggweiler
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Solothurner Zeitung

Donnerstagabend, 19.15 Uhr. Max Dietschi, Leiter Winterdienst, und sein Stellvertreter Urs Heutschi ziehen erste Bilanz eines Tages, der noch lange nicht zu Ende ist. Alle acht Schneepflüge des AutobahnWerkhofs Oensingen sind schon seit dem Nachmittag unterwegs. Bisher ist alles ohne nennenswerte Zwischenfälle oder Pannen verlaufen. Ab und zu piepst Dietschis Pager. Eine Meldung von einem der 14 automatischen Messstellen des Glatteis-Frühwarnsystems (GFS) vermeldet einen «2er-Alarm». – «Das heisst, es ist 2 Grad über dem Gefrierpunkt», erläutert der Dienstchef.

Die Messstellen orientieren ihn rund um die Uhr über den Zustand einer der meistbefahrenen Strassen der Schweiz. Hier verträgt es keinen Verzug, wenn das Wetter zuschlägt. Oberstes Ziel von Dietschi und seinem Team ist, die Strasse so sicher zu machen, dass der Verkehr rollen kann. Es gibt dann immer noch genug Automobilisten, die ihn aufgrund mangelnder Ausrüstung oder unangepasster Fahrweise aufhalten – wie der Donnerstag zeigte. «Wenn es Stau gibt, bleiben natürlich auch wir stecken.»

21.15 Uhr: Der Konvoi von zwei Schneepflügen, der für den Abschnitt zwischen Oensingen und Oftringen zuständig ist, kommt zurück in den Werkhof, um Salz zu holen. 9 Kubikmeter davon plus 3000 Liter Sole (Salzlösung) können aufs Mal geladen werden. Mit Pflugfahrer Georg Siegenthaler aus Gerlafingen sind wir heute Abend auf Achse. Der routinierte Werkhofmitarbeiter hat schon während vieler kalten Winter die Autobahn freigemacht.

Von Oensingen aus werden vier verschiedene Touren gefahren: Oensingen–Oftringen, Rothrist–Reiden, Oensingen–Kriegstetten und Luterbach–Lengnau auf der A5. Für die Belchenrampe sind die Kollegen aus Sissach BL zuständig. Zusammen mit weiteren Mitarbeitenden aus den Kantonen Aargau und Basel arbeiten sie in der Firma NSNW (Nationalstrassen Nordwestschweiz). Seit der Bund 2008 die vollumfängliche Verantwortung für die Nationalstrassen übernahm, arbeitet NSNW mit rund 170 Mitarbeitenden im Auftragsverhältnis für den Unterhalt der Nationalstrassen und ihrer Zubringer in der Nordwestschweiz. – Der Doppelkonvoi mit Georg Siegenthaler und Adrian Krattiger im vorderen Fahrzeug ist abfahrbereit. Von Oensingen aus biegen die beiden vierradgetriebenen Fahrzeuge vom Typ MAN mit je rund 500 PS in die A1 Richtung Härkingen ein. Es herrschen dichtes Schneetreiben und viel Verkehr. Die Pflüge fahren versetzt. Der vordere räumt die Überholspur, Siegenthalers hinteres Fahrzeug spediert den entstehenden Walm zusammen mit dem Schnee der Normalspur Richtung Pannenstreifen.

Besser nicht überholen

Wir sind mit 40–50 km/h unterwegs. Die Aufgabe erfordert volle Konzentration. Verschiedene Spiegel helfen bei der Rundumsicht. Stroboskopblitze und Blinklichter warnen die Autofahrer. Dennoch, so Siegenthaler, kommt es immer wieder vor, dass sie versuchen, den Konvoi im Zickzackkurs zu überholen. «Ein gefährliches Unterfangen, wenn sie auf dem Schneewalm ins Schleudern geraten», mahnt der Chauffeur.

Wendepunkt ist die Ausfahrt Oftringen. Von hier geht es zurück bis nach Egerkingen, wo diverse Zu- und Abfahrten geräumt werden, eine Kehre nach Niederbipp, dann wieder nach Oftringen. Die gleissenden Blinklichter und der Gischt auf der Fahrbahn erschweren die Orientierung. Irgend einmal weiss der Beifahrer nicht mehr, ob wir jetzt Richtung Osten oder Richtung Westen unterwegs sind. Die dritte Stunde auf Achse ist angebrochen. Auf dem Heimweg noch schnell die Zufahrten zur Raststätte Gunzgen kehren und dann zurück zur Basis, um Salz zu bunkern. Die Konvois lassen davon einiges liegen. Der geschwindigkeitsabhängige automatische Salzstreuer sorgt dafür, dass jeder Quadratmeter der 12 m breiten Strasse 10 g Salz abbekommt. Für Georg Siegenthaler ist noch nicht Feierabend. Ist der Schnee weg, fährt er nochmals eine Schlussrunde mit Salz. Und wenn es sein muss nochmals. Und nochmals.

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