Abschied eines Gründers, Schaffers und hochbegabten Musik-Vermittlers, der sich während seiner ganzen Schaffensperiode seiner heimatlichen Region, dem Leberberg, verpflichtet fühlte. Am letzten November-Wochenende 2011 schloss sich für ihn ein wichtiger Kreis: Er konnte auf dem Höhepunkt einer einzigartigen Karriere sein Werk weitergeben, damit es andere musikbegeisterte Vermittler in die Zukunft führen.

Vier Daten sind es, die zum «Rechenschaftsbericht» des Dirigenten und Musikvermittlers René Kunz führen. 1975: René Kunz gründet in Bettlach die «Leberberger Instrumentalisten»; 1991, wiederum in Bettlach, gründet René Kunz den «Singkreis Leberberg». 1989 erweckte René Kunz das historische Passionshaus in Selzach zu neuem Kulturleben und machte es zu einem Zentrum für Opernaufführungen. 2011 gibt René Kunz die Leitung der Leberberger Instrumentalisten und gleichzeitig auch des Singkreises Leberberg im Rahmen eines glanzvollen Konzertes in Bettlach ab. Geblieben sind Erinnerungen an musikalische Höhepunkte, die man im Verlauf der Jahre erleben oder als Sängerin oder Sänger sowie als Mitglied der Leberberger Instrumentalisten selber mitgestalten konnte.

Den Menschen die Musik näher gebracht

Hinter diesen Datenstehen viele Geschichten. Er brachte den Menschen einer ganzen Region die Musik näher und liess sie zu begeisterten Liebhabern guter Musik werden. Dazu auch einige Zahlen: Während 36 Jahren leitete René Kunz die Leberberger Instrumentalisten und während 30 Jahren den Singkreis Leberberg. Die beiden Institutionen realisierten seit ihrer Gründung 264 Werke von 83 verschiedenen Komponisten. Insgesamt fanden 138 Aufführungen statt, welche die Zuhörenden begeisterten. Damit nicht genug: 1989 weckte René Kunz das Selzacher Passionshaus aus dem Dornröschenschlaf auf und erfüllte es mit seinen Instrumentalisten und den Mitgliedern des Leberberger Singkreises mit Leben.

Acht Opern erlebten hier total 84 unvergessliche Aufführungen. In Verbindung mit den Bühnenbildern von Oskar Fluri wurden diese Aufführungen zu Gesamtkunstwerken und bewiesen, dass die Aufführung einer Oper nicht an ein grosses Haus in einer nicht minder grossen Stadt gebunden ist, sondern sehr gut in der kunstsinnigen Provinz leben kann. Dank der intensiven und vielseitigen Musikarbeit von René Kunz und seinen Teams hören die Leberberger im Allgemeinen ausgezeichnet auf musikalische Feinheiten.

Begeisterungsfähigkeit und Einsatz

Zurück bleibt nicht zuletzt grosse Dankbarkeit René Kunz gegenüber, der vieles gewagt und dank seiner Begeisterungsfähigkeit und der Bereitschaft zum persönlichen Einsatz auch erreicht hat. Zum Festkonzert erschien dem Anlass entsprechend ein umfangreiches Textheft, auf dessen Titelblatt die «Blumen zum Abschied» von Peter Loretz strahlen. Dieses Textheft ist weit mehr als ein Führer durch ein Konzert, weit mehr als die Vorstellung hervorragender Solistinnen und Solisten, er wurde als «Künstlerischer Rechenschaftsbericht» gestaltet, in jeder Beziehung beeindruckend und überzeugend.

Im Jahre 1991, im Jubiläumsjahr der Eidgenossenschaft, feierte das Kinderheim Bachtelen in Grenchen sein 100-jähriges Bestehen. Unter den verschiedenen Veranstaltungen zum Anlass stach einer ganz besonders hervor: das Konzert mit Kompositionen des Grenchner Musikers Fritz Jenny (11. August 1909–15. August 1970). Heimleiter Dr. Anton M. Meier, der mit Fritz Jenny befreundet war, bat René Kunz, ein nicht alltägliches Konzert durchzuführen, das einerseits die enge Verbundenheit des Kinderheims mit Grenchen illustrieren und anderseits einen musikalischen Höhepunkt vermitteln sollte.

Das Wagnis gelang: Unter der Leitung von René Kunz brachten die Solisten, die Grenchner Sopranistin Theresa Klenzi und Adalbert Roetschi (Klavier), zusammen mit einem Streicherensemble der Leberberger Instrumentalisten und Mitgliedern des Singkreises Leberberg verschiedene Kompositionen von Fritz Jenny zu Gehör. Dieses für die Grenchner Musikkultur besonders wichtige Konzert stand am Anfang einer ganzen Reihe weiterer Bachtelenkonzerte, die alle die Handschrift von René Kunz trugen und sehr erfolgreich waren.