Tourismus

Reisebüros verbuchen markant mehr Reisen in die USA

Times Square New York: Der schwache Dollar gegenüber dem Franken lockt massenhaft Touristen über den grossen Teich.  Oliver Menge

Times Square New York: Der schwache Dollar gegenüber dem Franken lockt massenhaft Touristen über den grossen Teich. Oliver Menge

Die Medaille hat immer zwei Seiten – dies gilt auch für den starken Franken. Während die hiesige Exportindustrie darunter leidet und happige Margeneinbussen verkraften muss, profitiert davon das Geschäft der Reisebüros in der Region.

Nicht nur der Euro wird immer günstiger, auch der US-Dollar verliert gegenüber dem Franken stetig an Wert. «Die Wechselkurse wirken sich für die hiesige Reisebranche sehr positiv aus», hält Rolf Probst, Geschäftsführer der Reisebüro Vasellari AG in Grenchen fest.

Tiefere Kosten für Aufenthalt

«Sehr gefragt sind Reisen in die USA. Wir verzeichnen im laufenden Jahr rund 25 Prozent mehr Buchungen als im Vergleichszeitraum 2010», meldet Heinz Schachtler, Geschäftsleiter und Inhaber des Solothurner Reisebüros Travellino. Auch das Reisebüro EKO Reisen in Balsthal kann aktuell deutlich mehr Reisen in die Vereinigten Staaten verkaufen. «Das Plus gegenüber dem Vorjahr dürfte gut 20 Prozent betragen», sagt Alexandra Müller. Und aus Grenchen berichtet Rolf Probst über «einen massiven Anstieg der USA-Buchungen». «Hauptgrund ist ganz klar der Wechselkurs.»

Die Reisenden profitieren dabei weniger von günstigeren Flugtarifen als vielmehr von deutlich günstigeren Aufenthaltskosten im Land selber. «Für Flugtarife gilt nämlich der Grundsatz – je früher gebucht, desto günstiger – immer noch», erläutert Alexandra Müller. Dank dem schwachen Dollar-Wechselkurs werde aber beispielsweise das Shoppen preislich deutlich attraktiver. Dasselbe gilt auch für die Kosten vor Ort für das Mietauto, das Hotel, das Essen oder für Kulturveranstaltungen.

Zwar sei das Interesse an einem Ferienaufenthalt in den USA schon seit längerem hoch, ergänzt Heinz Schachtler von Travellino. Der Dollarkurs lag bereits im Frühling 2008 bei einem Franken, aber inzwischen liegt der Kurs bei 83 Rappen. Deshalb habe die Nachfrage nun «extrem» angezogen.

Europa top, Nordafrika ein Flop

Auch das Reisen innerhalb Europas wird für Schweizerinnen und Schweizer täglich günstiger. Gestern erreichte der Euro mit Fr. 1.18 ein neues Rekordtief. So seien Reisen in den europäischen Mittelmeerraum, insbesondere nach Spanien und Italien, sehr gefragt, registriert Schachtler. Damit die Kunden nicht nur von günstigeren Aufenthaltskosten profitieren könnten, sondern auch von tieferen Reisekosten, buche er zunehmend Angebote bei deutschen Veranstaltern, die in Euro abrechneten. Die Umrechnung in Franken erfolge für den Kunden zum Tageskurs.

Trotz politischer Unruhen bleibt auch Griechenland – eher überraschend – stark gefragt. Die Kundgebungen gegen die staatlichen Sparprogramme seien fast ausschliesslich auf die Region Athen beschränkt, auf den Inseln sei davon praktisch nichts zu spüren, begründet Rolf Probst von Vasellari Reisen. Die ‹Insulaner› wissen, wie sehr sie auf Touristen angewiesen sind.» Allerdings beobachtet Schachtler eine zunehmende Verunsicherung. «Einige Kunden machten sich Sorgen über Versorgungsengpässe, etwa beim Benzin.»

Ägypten dagegen bleibt laut den Reiseprofis angeschlagen – trotz tieferen Preisen für Reisearrangements. Gar «sehr schwach» verläuft das Tunesien-Geschäft. «Dort erwarten wir in absehbarer Zeit keinen Aufwind», sagt Schachtler.

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