Es herrscht Geschäftigkeit am Dornacherplatz in Solothurn, an den vier Arbeitsplätzen des Büros der Solothurner Literaturtage. In knapp drei Wochen, am Auffahrtswochenende vom 6. bis zum 8. Mai, gehen sie über die Bühne. Die Mitarbeitenden sind an den letzten Vorbereitungen. Es gilt beispielsweise, Details der Lese- oder Diskussionsanlässe zu klären, technisches Material zu ordern, die Helfer einzuteilen oder die Hotelreservationen für die Autoren zu bestätigen. «Auch ein paar Reden und Ansagen müssen noch geschrieben werden», sagt Reina Gehrig (33), die seit 2015 die alleinige Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage ist.

Die in Wil SG geborene und in Solothurn aufgewachsene Reina Gehrig ist voller Enthusiasmus auf die kommenden Tage mit Literatur. Zuversichtlich sagt sie: «Es kommt gut. Ich freue mich sehr auf die 38. Auflage. Wir bieten dieses Jahr besonders auch jungen Autoren in neuen Präsentationsformaten einiges. Aber auch die Arrivierten kommen nach Solothurn.» Sie werden sowieso immer zum Treffen der Schweizer Autoren, diese Solothurner Literaturtage, schmunzelt Gehrig.

Und das ist neu

Neu ist an den kommenden Literaturtagen auch das Erscheinungsbild. «Wir fanden, es sei an der Zeit, den Literaturtagen einen zeitgemässen, einheitlichen Auftritt für innen und aussen zu geben.» Mit Absolventen der Fachklasse für Szenografie der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel konnte ein neues Erscheinungsbild geschaffen werden. «Es war eine gegenseitig sehr befruchtende Arbeit», sagt Gehrig. Zu sehen sind nun an den Leseorten neue in neutralem Schwarz gehaltene Stellwände, die sich modular einsetzen lassen. «Es wird möglich sein, diese mit Stoffbahnen oder auch mittels Projektion zu beschriften.»

Gehrig erwähnt ein Paar neue Programmpunkte und Highlights: «Im Eingangsbereich des Landhauses wird die junge Autorin Julia Weber ihre Aktion ‹Mit lieben Grüssen ...› durchführen.» Dort wird die Autorin jedem, der es wünscht, per Schreibmaschine eine Postkarte an seine Lieben von Solothurn aus schicken. Das Leseprogramm für die Schulen wurde stark erweitert.

Werkstattgespräche

Zum ersten Mal finden zwei Anlässe unter der Bezeichnung «Skriptor» statt. Gehrig: «Es handelt sich dabei um ein öffentliches Werkstattgespräch, an dem junge Autoren, deren Manuskripte bisher noch nicht publiziert wurden, und bekannte Schriftsteller teilnehmen. Sie lesen sich am Samstag um 14 und um 16 Uhr im Landhaus die Texte vor, anschliessend wird darüber diskutiert.» Zum ersten Mal wird am Sonntagvormittag um 10 Uhr im Landhaus eine Familienmatinee stattfinden. «Es gibt Spoken-Word-Auftritte und Musik – sowie Kaffee und Gipfeli – für die ganze Familie.» Zur gleichen Zeit geht im Stadttheater die Verleihung des Solothurner Literaturpreises über die Bühne.

Insgesamt werden an dieser 38. Ausgabe der Solothurner Literaturtage 77 Autorinnen und Autoren sowie drei Autorengemeinschaften mit Lesungen zu hören sein. «Es ist die grosse Aufgabe der 10-köpfigen Programmkommission, sämtliche Schweizer Neuerscheinungen des letzten Jahres zu lesen und die Autoren nach Solothurn einzuladen», sagt Gehrig. Über einen Autor freut sie sich persönlich ganz besonders, dass er dieses Jahr mit dabei ist: «Der Solothurner Urs Jaeggi – immerhin bereits 85-jährig – wird aus seinem neuesten Roman ‹Heimspiele› lesen.» Weitere literarische Schwergewichte aus der Deutschschweiz sind Lukas Bärfuss, Jürg Halter, Franz Hohler, Guy Krneta, Charles Lewinsky, Adolf Muschg, Hansjörg Schertenleib.

Nur die Qualität entscheidet

Bei der Auswahl der Autoren entscheide einzig und allein die Qualität des Textes, die intensiv in der Kommission diskutiert würde. «Natürlich gibt es da Enttäuschte, was nicht nur einfach ist», berichtet Gehrig. «Es zeigt uns aber auch, welchen Stellenwert die Solothurner Literaturtage innerhalb der Schweizer Literaturszene geniessen. Darauf können wir stolz sein.»

Tatsächlich sind die Solothurner Literaturtage der grösste Anlass für Literatur in der Schweiz. Doch wie viel Wachstum lässt die Erfolgsgeschichte Solothurner Literaturtage noch zu? Reina Gehrig sagt: «Wir sind zufrieden mit der Grösse, welche die Literaturtage heute haben. Wichtig ist, den Gründergedanken in die heutige Zeit zu übersetzen und voranzutreiben. Wir haben noch viele neue Ideen.»