Strom
Regionale Versorger agieren auf internationalem Parkett

Die geplante vollständige Liberalisierung des Schweizer Strommarktes wird aller Voraussicht dazu führen, dass alle Kunden ihren Stromlieferanten frei wählen können.

Franz Schaible
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Strom kennt keine Grenzen, sagt Trianel und vermittelt regionalen Stadtwerken internationale Lieferanten. SAT

Strom kennt keine Grenzen, sagt Trianel und vermittelt regionalen Stadtwerken internationale Lieferanten. SAT

Solothurner Zeitung

Im Hinblick darauf sei es ein Ziel, dass sich auch die Versorger neue Beschaffungskanäle erschliessen könnten, erklärt Rudolf Summermatter, Geschäftsführer der vor drei Jahren in Solothurn gegründeten Trianel Suisse AG. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssten sich die Stadtwerke – Trianel richtet sich ausschliesslich an Versorger, die unabhängig von grossen Energiekonzernen sind – in der Wertschöpfungskette nach vorne in Richtung Handel und Produktion bewegen (siehe Kasten). Für die meist kleineren lokalen Energieverteiler sei dies im Alleingang nicht möglich. Denn dazu brauche es viel Know-how und Ressourcen.

Hier komme nun Trianel als neue Energiebeschaffungs- und Bewirtschaftungsplattform ins Spiel. «Wir poolen Teile des Strombedarfs der Partner und Kunden und beschaffen die Elektrizität in verschiedenen Tranchen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge», sagt Summermatter. Als Kooperationspartner und Miteigentümer der deutschen Trianel GmbH in Aachen habe man Zugang zum Grosshandel, zu Stromproduzenten sowie zur Strombörse in Leipzig.

«Meilenstein im Strommarkt»

Nun hat die Trianel GmbH über die Trianel Suisse (Summermatter: «Wir haben die Vermittlerrolle») erste Stromlieferverträge mit hiesigen Stadtwerken abgeschlossen. Die Gesamtmenge liegt bei über 300 Gigawattstunden, was in etwa dem dreifachen jährlichen Stromverbrauch der Stadt Solothurn entspricht. Summermatter spricht von «einem Meilenstein im Strommarkt Schweiz».

In den Verträgen habe sich Trianel Deutschland verpflichtet, den Stadtwerken in der Schweiz eine bestimmte Menge Strom zu einem festen Preis ab 2013 zu liefern. Ziel sei, dass die lokalen Versorger langfristig Strom zu einem durchschnittlichen Marktpreis einkaufen könnten. Es gehe dabei nicht um Spekulation mit dem hochvolatilen Strompreis. «Sowohl Trianel Deutschland wie Trianel Suisse erhalten für ihre Dienstleistung nur eine Mikromarge von deutlich unter einem Prozent», versichert Summermatter.

Mehrlieferantenstrategie

Der Einkauf in Tranchen bei mehreren Stromproduzenten reduziere das Risiko des Kunden, die Energie beim entsprechenden Bedarfszeitpunkt allenfalls zum Höchstpreis einkaufen zu müssen, erläutert Summermatter. Dazu zieht er den Vergleich mit einem Finanzinvestor, der auch gut daran tue, sein Geld in mehreren Töpfen anzulegen. Die Mehrlieferantenstrategie sei deshalb eine gute Möglichkeit, den Stromeinkäufern in den lokalen Energieversorgern wettbewerbsfähige Strompreise zu ermöglichen.

Dassdas Geschäftsmodell funktioniere, zeige die Trianel GmbH in Deutschland, welche seit 1999 erfolgreich am Markt operiere, sagt Summermatter weiter. Heute profitierten über 100 Stadtwerke aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, den Niederlanden und eben auch aus der Schweiz von den Synergien des Trianel-Netzwerkes.

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