Integrative Schule
Regierung weist SVP-Kritik zum integrativen Unterricht zurück

Schuld an den Problemen rund um die Schulreform seien gerade auch politische und standesabhängige Interessen, sagt die Regierung als Antwort auf die SVP-Interpellation.

Elisabeth Seifert
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Integrative Schule - ausser Spesen nichts gewesen?

Integrative Schule - ausser Spesen nichts gewesen?

Solothurner Zeitung

«Integrativer Unterricht – ausser Spesen nichts gewesen?» So ist provokativ eine Interpellation überschrieben, welche die SVP Ende Januar im Kantonsrat eingereicht hat. Das, nachdem bekannt geworden war, dass Bildungsdirektor Klaus Fischer dem Gesamtregierungsrat den vorläufigen Stopp der kantonsweiten Einführung der integrativen Schule vorschlagen wird und stattdessen ab August 2011 einen neuen dreijährigen Schulversuch plant (wir berichteten).

Ein Vorschlag, der von der Regierung gutgeheissen worden ist und auch bei sämtlichen Interessengruppen – mit Ausnahme der SVP – auf Zustimmung stösst. Die Volkspartei fordert in ihrer Interpellation und zuvor bereits in einem Auftrag, das Reformprojekt integrative Schule endlich zu beenden und «zum alten und bewährten System zurückzukehren». In ihren Stellungnahmen zu beiden Vorstössen der SVP erteilt die Regierung diesem Anliegen, wie erwartet, eine klare Absage und weiss dabei das Parlament hinter sich.

Im Grundsatz unbestritten

Selbst Mitte Dezember, auf dem Höhepunkt der Krise rund um die Einführung der «Spezielle Förderung», stand das Reformprojekt als solches bei der grossen Mehrheit des Kantonsrats nicht zur Diskussion. Mit der Ablehnung der Vollzugsverordnung zur flächendeckenden Einführung der integrativen Schule per August 2011 bekam die Regierung vielmehr die Rechnung dafür präsentiert, dass sie die Dimensionen der Reform und den Informationsbedarf unterschätzt hat. Der jetzt neu aufgegleiste Schulversuch soll denn auch zur Klärung diverser offener Fragen beitragen. Im Zentrum der politischen Diskussion stand bzw. steht die Zahl der Förderlektionen, die den integrierten Klassen zur Verfügung stehen soll. Unklar ist aber etwa auch die künftige Ausgestaltung des Logopädieunterrichts sowie der neuen Regionalen Kleinklassen.

Eher bedeckt hält sich Regierung bei der Antwort auf die durchaus nachvollziehbare Frage der SVP, warum der Regierungsrat die Arbeit am Reformprojekt nicht früher genauer unter die Lupe genommen hat. Immer zeichneten sich bereits vor bald zwei Jahren grössere Probleme ab. Im vergangenen Sommer dann quittierte der Solothurner Lehrerverband seine Mitarbeit am Projekt. «Zu einer gelungenen Umsetzung gehört, dass der Regierungsrat je nachdem, in diesem Fall den Schulträgern gegenüber, eine entsprechende Planungssicherheit garantiert», heisst es in der Stellungnahme. Dazu gehöre auch, dass er «dabei häufig nicht auf alle geäusserten Interessen eintreten kann». Gerade «politische sowie berufs- und standesabhängige Interessen» hätten, so die Regierung, die Einführung der «Speziellen Förderung» zusätzlich erschwert.

Und wie stehts mit den bisherigen Kosten des Reformprojekts? Beim ersten Schulversuch, der im Jahr 2003 startete, seien «ausschliesslich» Lohnkosten für die eingesetzten Lehrpersonen entstanden, hält die Regierung fest. Und: Die nötigen Ressourcen in der kantonalen Verwaltung mussten mit dem bestehenden Personaletat abgedeckt werden.

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