Einer der grössten Betrugsfälle in der jüngeren Geschichte des Kantons kommt vor Amtsgericht Solothurn-Lebern zur Verhandlung. Ein namhafter Solothurner Treuhänder und dessen deutsche Geschäftspartnerin sind des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, mehrfacher Geldwäscherei und mehrfacher Unterlassung der Buchführung angeklagt.

Ob der (mehrtägige) Prozess am Montag beginnen kann, hängt davon ab, ob die Deutsche auch tatsächlich erscheinen wird: «Beide sind vorgeladen, niemand ist dispensiert», sagt Gerichtsstatthalter Claude Schibli ausweichend.

Dass der gemeinhin keineswegs zugeknöpfte Anwalt der Beschuldigten auf Anfrage nicht Stellung nehmen will, stimmt jedenfalls nicht eben zuversichtlich. Laut
Claude Schibli sind – trotz der grossen Zahl von Geschädigten – keine zusätzlichen Zeugen vorgeladen.

Gemäss Staatsanwaltschaft hat das Duo im Rahmen eines «klassischen Umlageverfahrens» rund 34 Mio. Franken «zweckentfremdet».

Zwischen Dezember 2002 und August 2008 sollen sie über ihre beiden Firmen – Capitaltrend Holding AG und B.E. Creativ-Service AG – von weit über 100 Kunden Gelder im Umfang von 34 Mio. Franken unrechtmässig entgegengenommen haben.

Eigenen Lebensunterhalt bestritten

Zu einem grossen Teil dürfte es sich dabei um Schwarzgeld gehandelt haben, das am (ausländischen) Fiskus vorbeigeschmuggelt werden sollte.

Investiert wurde das Geld gemäss Anklage allerdings nicht so, wie man es den Anlegern angegeben hatte. Vielmehr deckte das Duo gemäss Anklage die Geschäftskosten, beglich seinen Lebensunterhalt und finanzierte aus neuen Einzahlungen auch Rückzahlungen an frühere Kunden.

«Unter dem Strich kamen letztlich 95 Anleger effektiv zu Schaden, die rund 20 Mio. Franken verloren haben», sagte Staatsanwalt Dominic Fässler bei der Überweisung des Falles. Den internationalen Investoren – vorwiegend handelte es sich um Deutsche; Schweizer waren nur einzelne betroffen – sei «absolute Sicherheit des Kapitals vorgespiegelt» worden. «Die Angeklagten traten als seriöse Vermögensverwalter auf», hält die Staatsanwaltschaft fest. Die meisten Einleger hatten mindestens 100000 Franken, andere mehrere hunderttausend Franken angelegt. Den «Rekord» hielt ein einzelner Investor mit 5 Mio. Euro.

Millionenbeträge «gewaschen»

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat sich das Duo der mehrfachen Geldwäscherei schuldig gemacht, indem es total 5,6 Mio. Franken ausser Landes geschafft hat. Den grössten Brocken bildet das «Verschwinden» von 4,6 Mio. Franken in bar (Text links). Dem Treuhänder wird zudem die mehrfache Unterlassung der Buchführung vorgeworfen: Er habe in den beiden Firmen keine ordentliche Buchhaltung geführt.

Im August 2006 war das Paar verhaftet und in U-Haft gesetzt worden. Der Treuhänder kam vor Weihnachten 2006 (nach viereinhalb Monaten) wieder auf freien Fuss; die Deutsche sass zweieinhalb Jahre – bis Februar 2009 – teilweise im vorzeitigen Strafvollzug in der Anstalt Hindelbank. Seither befanden sich beide in Freiheit. Die Untersuchungen waren aufwändig: über vier Jahren hinweg kam es zu 34 Hausdurchsuchungen und 42 Anfragen bei Banken; Rechtshilfeersuchen liefen in acht europäischen Ländern und in 251 Bundesordnern stapeln sich viele tausend Seiten Einvernahmeprotokolle.