Prozess
Pro-Facile-Gründer kämpft um einen Freispruch

Er fühlt sich als Opfer eines nach «politischen Interessen geführten Verfahrens»: Der Gründer der vor Jahren unter viel Getöse untergegangenen Stiftung Pro Facile. Nun hofft er, dass das Solothurner Obergericht seine Ehre wieder herstellt.

Urs Mathys
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Veranstaltung von Pro Facile, als es sie noch gab

Veranstaltung von Pro Facile, als es sie noch gab

Solothurner Zeitung

Der Zusammenbruch der Stiftung Pro Facile hat vor acht Jahren schweizweit Aufsehen erregt: Prominente Stiftungsräte wie die SP-Politiker Roberto Zanetti und Anita Fetz, der damalige CVP-Nationalrat Alex Heim und der bekannte Financier Dieter Behring gerieten in den Verdacht, von unzulässigen Darlehensgeschäften gewusst und ihrerseits davon profitiert zu haben. Sie alle waren dann aber vom Rechtsdienst des Eidgenössischen Finanzdepartements von diesen Vorwürfen entlastet worden. Den damaligen Regierungsrat Roberto Zanetti kostete der Wirbel 2005 dennoch die Wiederwahl.

Juristisch schuldig gesprochen und mit einer Busse von je 5000 Franken bestraft wurden im August 2008 aber der Stiftungsgründer, der Stiftungspräsident und dessen Vize. Der Grund: Wiederhandlung gegen das Bankengesetz, indem 88 verzinsliche Darlehen im Gesamtbetrag von über 3 Mio. Franken teilweise in hochriskante Hedge Fonds auf den Bahamas investiert worden seien.

Stiftungsgünder sieht sich düpiert

Einzig der Stiftungsgründer zog den Schuldspruch weiter. Zuerst ans Amtsgericht - wo er 2009 scheiterte - und nun ans Obergericht. Der ehemalige Solothurner Geschäftsmann und dessen Anwalt betonten denn auch vor Obergericht, dass der Stiftungsgründer zwar Mitglied des Stiftungsrates gewesen sei, aber mit den finanziellen Belangen nichts zu tun gehabt habe.

«Ich habe mich immer auf meine Projekte zugunsten Benachteiligter konzentriert», darunter ein Fahrdienst für Behinderte, beteuerte der Gründer vor Gericht. In den Stiftungsgremien seien aber sehr wohl Persönlichkeiten mit dem nötigen Know-how gesessen, die wenn schon, hätten Alarm schlagen müssen. Deren Rolle sei aber - mutmasslich aus politischen Rücksichten - von den Untersuchungsbehörden des Bundes nicht hinterfragt worden.

Dass er sich nie habe bereichern wollen komme auch darin zum Ausdruck, dass er und sein Umfeld alles dazu beigetragen hätten, dass unter dem Strich niemand finanziell zu Schaden gekommen sei, unterstrich der Stiftungsgründer.

Das Obergericht wird sein Urteil am Donnerstagmorgen eröffnen.