Biberist/Subingen
Polizeikontrolle: «Wir waren doch nicht sturzbesoffen»

Von zweien, die das Auto stehen liessen und trotzdem ins Röhrchen bliesen.

Christof Ramser
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Solothurner Zeitung

Das Geburtstagsfest in Subingen neigte sich dem Ende zu, man hatte fein gegessen und das eine oder andere Glas getrunken; ein Bier zum Apéro, zum Essen Wein und zum Nachspülen einen Wodka.

Der Regen hatte sich verzogen, und Roland Zberg und Giuseppe De Riggi beschlossen, das Auto stehen zu lassen. De Riggi, der in Gerlafingen ein Velogeschäft betreibt, schnappte sich das Fahrrad seines Kollegen, zusammen gingen sie einige Häuser weiter, dort lieh sich Roland Zberg das Bike seiner Schwester aus.

Nebeneinander plaudernd und in eleganten Schlangenlinien fuhren sie in den frühen Morgenstunden dieses Samstags heimwärts Richtung Biberist, als auf einem Feldweg zwei Scheinwerfer immer näher kamen. Spätestens als das Auto mit dem breiten orangen Streifen und den blauen Lichtern auf dem Dach überholte, dämmerte es: Polizei, bitte anhalten und absteigen.

«Verhältnismässigkeit einhalten»

Freimütig erzählten die beiden, dass sie nicht ganz nüchtern sind, aber auch nicht «stockmorebsoffe». Immerhin hätten sie das Auto stehen lassen. Doch für die Polizeipatrouille roch der Fall nach Promilletest. Roland Zberg und Giuseppe De Riggi mochten das nicht einsehen. Schliesslich gefährdeten sie auf diesem abgelegenen Feldweg doch höchstens sich selbst. Es wurde verhandelt, Minuten verstrichen, und die Polizisten boten an, man könne sonst auch ins Spital zur Blutentnahme fahren. Schliesslich lenkten die Velofahrer ein. Ergebnis der Alkoholkontrolle: 0,73 und 0,97 Promille. Das heisst Fahren in angetrunkenem Zustand, eine Anzeige und Bussen von 240 respektive 270 Franken. Roland Zberg sagt, er schätze die Arbeit der Polizei, und Kontrollen seien in Ordnung. «Aber dass wir ins Röhrchen blasen mussten, ist doch kleinlich.» Auch Giuseppe De Riggi findet, man sollte in solchen Fällen den Menschenverstand spielen lassen. Die Velos waren ordnungsgemäss mit Vor- und Rücklichtern ausgestattet, und in dieser halben Stunde hätte die Polizei ihre Kräfte doch sinnvoller einsetzen können.

In einem Leserbrief an die az Solothurner Zeitung fragen die beiden: «Sind solche Aktionen im Sinne der Bevölkerung?» Die Reaktionen der Leser in Form von SMS folgten zahlreich: Die meisten pflichten den Velofahrern bei, einzelne stellen sich aber auch auf die Seite der Polizei: «Wir haben Gesetze. Die Kantonspolizei ist dazu da, diese durchzusetzen», schreibt jemand.

«Stark geschwankt»

Für Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei, gibt es in solchen Fällen keinen Spielraum: «Wenn wir verdächtige Beobachtungen machen oder wenn Verstösse festgestellt werden, dann nehmen wir unsere Pflicht wahr.» Und in dieser Nacht hätte die Patrouille bei einer Kontrollfahrt eben zwei Rücklichter auf einem Feldweg entdeckt und beim Näherkommen festgestellt, dass das vordere «stark schwankte». Die gesetzlichen Bestimmungen sind in diesem Fall klar geregelt: Besteht der Verdacht auf Fahrunfähigkeit, werden die Lenker gemäss Strassenverkehrsgesetz kontrolliert.

Wer mit einem Velo oder Auto unterwegs ist und über 0,5 Promille Alkohol im Blut hat, darf nicht mehr weiterfahren. Liegt der Wert bei Velo- oder Töfflifahrern über 1,1 Promille, wird eine Blutprobe angeordnet. Somit ist der Wert bei Velofahrern höher als bei Autofahrern. Diese müssen bereits ab 0,8 Promille zum Bluttest. So oder so, sagt Mock: «In alkoholisiertem Zustand darf man kein Gefährt fahren.»

Ums «Permis» müssen Zberg und De Riggi nicht bangen: Dieser kann betrunkenen Velofahrern höchstens abgenommen werden, wenn der Verdacht auf Alkoholismus besteht. Davon kann bei beiden keine Rede sein. Im Schutz der Dunkelheit machten sie sich an besagtem Samstagmorgen doch noch auf den Heimweg – auf welche Fortbewegungsart auch immer.

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