Doch ist dieses Vorgehen das Richtige? Muss es in der Politik nicht auch darum gehen Prioritäten zu setzen und die Zukunft im Auge zu behalten?

Dass ein Staatswesen nur dann funktioniert wenn ein ausgeglichener Finanzhaushalt besteht zeigt die Geschichte. Will ein Staatswesen, ein Kanton, handlungsfähig bleiben, sind gesunde Finanzen zwingend. So gesehen stellt ein haushälterischer Umgang mit Steuergeldern einen „kategorischen Imperativ" dar um es mit Kant auszudrücken.

Doch eine differenzierte Betrachtung ist von Nöten. Wenn nun - unter anderen Sparpositionen - auch die Bildung ihren Beitrag dazu leisten soll, gilt es zu hinterfragen, welche Kollateralschäden dies allenfalls verursacht. Bereits heute wendet beispielsweise der Kanton Solothurn (unter Berücksichtigung seiner Finanzkraft) eine der tiefsten Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler auf der Sekundarstufe I auf (Die Volkswirtschaft 3-2010). Dass dieses Statement auch für die Primarschule Gültigkeit hat bleibt zu vermuten.

Im schweizerischen Vergleich zeigt der Kanton Solothurn auf der Primarstufe eine der niedrigsten durchschnittliche Unterrichtszeiten in Stunden pro Jahr. Nur in den Kantonen Aargau und Basel-Stadt gehen die Schülerinnen und Schüler noch weniger zur Schule. Dass Quantität nicht mit Qualität einhergehen muss, argumentieren auch die Autoren des Bildungsberichtes 2010, nur dann sei die Frage erlaubt, warum der Kanton Solothurn bei der Pisa Studie 2009 gar nicht teilnahm. Fürchtete man sich da vor einem Vergleich mit anderen Kantonen oder Ländern?

Bildung darf nicht als Kostenfaktor allein verstanden werden, sondern stellt eine Investition in die Zukunft unserer Kinder dar. Unsere heutigen Schülerinnen und Schüler konkurrieren bereits heute - und künftig noch viel stärker - in einer globalen Welt. Wenn wir sehen, welche Anstrengungen skandinavische Länder im Bildungsbereich unternehmen und welche Ergebnisse sie erzielen, fragt man sich unwillkürlich, werden da unsere Kinder noch mithalten können?

Es geht nicht darum einfach ein Modell zu kopieren. Es geht darum unseren Kindern eine umfassende Bildung zuzugestehen, die es ihnen und dem Werkplatz Schweiz ermöglicht bestehen zu können. Zu einer umfassenden Bildung gehören eben auch gerade jene Fächer, die nun gekürzt oder gar abgeschafft werden sollen.

Zu Recht kann die Schweiz stolz sein auf ihr duales Bildungssystem. Es wird denn auch neidvoll von anderen europäischen Staaten zur Kenntnis genommen und gar zu kopieren versucht. Durch die in den letzten Jahren geschaffene Durchlässigkeit wird auch Berufsleuten ermöglicht eine akademische Bildung zu erlangen. Nur eben, das gibt es nicht zum Nulltarif. Damit auch unsere Schülerinnen und Schüler in der Lehre, in weiterführenden Schulen, Fachhochschulen oder gar in universitären Ausbildungsstätten bestehen können, braucht es ein solides Fundament. Dies zu legen ist der Auftrag der Primarschule. Wie heisst es doch im Volksmund, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wird in der Primarschule ein „sandiges" Bildungsfundament errichtet, wackelt im späteren Leben die Sache beträchtlich. Bereits heute klagen Verantwortliche in Lehrbetrieben über schlechte Grundkompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Fachtechnisch sind die Lehrlinge zwar gut ausgebildet, allein, viele sind trotzdem nicht in der Lage Ideen, Gedanken fehlerfrei zu Papier zu bringen. Wollen wir das? Wollen wir nicht vielmehr uns den Herausforderungen stellen und unseren Kindern eine optimale, wohlgemerkt nicht maximale (!) Bildung zukommen lassen?

Dass fehlende Bildung mit einem Armutsrisiko einhergeht ist nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch für entwickelte Länder hinlänglich bekannt. Bildung bedeutet auch, Grundvoraussetzungen zu schaffen für ein optimales, lebenslanges Lernen. Vordergründig dient beispielsweise ein Musikunterricht der Erweiterung des persönlichen Bildungsrucksacks. Aber es geht beim Musizieren um weit mehr. Zahlreiche Studien haben eindrücklich gezeigt, wie sich der Musikunterricht auch auf das Lernen und das Lernverhalten in anderen Fächern positiv auswirkt. Wo sonst, wenn nicht im Musikunterricht, sind Kopf und Hand , oder anders ausgedrückt, beide Hirnhälften, mehr gefordert und trainiert als im Musikunterricht? Dass damit auch Lebensfreude zum Ausdruck gebracht wird ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Sparen muss sein. Doch es ist dafür zu plädieren, dass eine Vollkostenrechnung gemacht wird, will heissen, dass auch auszuloten ist, was das Sparen uns längerfristig kosten wird, heute, morgen und in der weiteren Zukunft. Ein heutiger Spareffekt verkehrt sich unter Umständen bereits in wenigen Jahren zu einem noch grösseren Kostenfaktor, wenn nicht berücksichtigt wird, welche positiven Effekte (gewünscht), welchen negativen (nicht gewünscht) gegenüberstehen.

Sparen muss sein. Bevor aber einzelne Stunden gekürzt oder gar gestrichen werden ist die Frage nach der Effizienz und Effektivität prioritär zu beantworten, nicht nur im Bildungsbereich. Wird der Steuerfranken überall optimal eingesetzt und dient dieser der Optimierung der jeweiligen Kernaufgabe?
Könnte ein Abbau von Lektionen nicht auch dadurch verhindert werden, dass andere Ausgaben und Aufwendungen im Bildungsbereich gestrafft oder gestrichen werden, die keinen expliziten Mehrnutzen den Schülerinnen und Schülern bringen? Dies sind die Fragen, welche die Politik zu beantworten hat. Einfach generell in allen Bereichen etwas zu streichen greift zu kurz und ist zu einfach.

Der vorgelegte Vorschlag der Regierung auch die Bildung dem Diktat des Rotstifts zu unterwerfen ist geprägt von kurzfristigem Denken und hat wenig mit staatspolitischer Weitsicht und Nachhaltigkeit zu tun.

Die Frage sei erlaubt, können wir es uns im Kanton Solothurn überhaupt leisten in der Bildung zu sparen?

Von Thomas M. Lüthi Präsident der Elternmitwirkung Lommiswil