Wahlen 2011
Philipp Hadorn: «Ich habe Respekt, aber keine Angst»

Philipp Hadorn Freut sich riesig auf Nationalrat. Nun werde sich sein Leben ändern. Sein Arbeitspensum werde er angesichts der neuen Aufgaben im Bundesparlament voraussichtlich von 100 auf 70 Prozent reduzieren.

Franz Schaible
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Der neu gewählte SP-Nationalrat in seiner Stube. Hansjörg Sahli

Der neu gewählte SP-Nationalrat in seiner Stube. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Es ist Montagmorgen nach der Wahl in den Nationalrat – trotzdem arbeitet der neue SP-Bundesparlamentarier Philipp Hadorn. «Ich hatte nicht aufschiebbare Termine», erzählt er einige Stunden später am Nachmittag in seinem Zuhause in Gerlafingen. Gestresst wirkt der 44-Jährige nicht, eher entspannt und ruhig.

«Ich freue mich sehr über die Wahl», sagt Hadorn. «Wir als SP wollten den zweiten Sitz im Nationalrat zurückholen. Das war unser Hauptziel, wer es aber schaffen wird, war bis zuletzt offen.» Hadorn spricht damit den knappen Wahlausgang an. Parteikollege Andreas Bühlmann und Parteikollegin Franziska Roth lagen letztlich nur gerade 22 respektive 28 Stimmen zurück. «So gesehen spielte sicher auch ein wenig der Zufall mit», gesteht der neue Nationalrat ein.

Rücktritt als Kantonsrat

Nun werde sich sein Leben, vor allem im organisatorischen Bereich, ändern. Sein Arbeitspensum werde er angesichts der neuen Aufgaben im Bundesparlament voraussichtlich von 100 auf 70 Prozent reduzieren. Zudem gebe er sein Amt als Kantonsrat auf die Dezembersession hin ab. Bereits im Sommer ist er als Gemeinderat in Gerlafingen zurückgetreten. «Damit kann ich mir den nötigen Raum schaffen, um Politik und Familie bestmöglich unter einen Hut zu bringen.» Gleichzeitig will er sich nicht als Übermensch darstellen. «Meine Frau – obwohl teilzeitlich als Pflegefachfrau tätig – trägt ganz klar die Hauptlast in unserem Familienleben», sagt der Vater von «drei Jungs» im Alter von 14, 16 und 19 Jahren.

Das war und ist wohl Bedingung, denn Hadorn ist schon lange politisch engagiert. Während 14 Jahren war er Gemeinderat in Gerlafingen, seit 2005 sitzt er im kantonalen Parlament. Als bekennender Christ und Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche und der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) setzt er sich auch im religiösen Umfeld ein. Zwischen 1996 und 2010 war er Vorsitzender der lokalen EmK-Gemeindeleitung.

Widmer-Schlumpf: Ja oder nein?

Am 5. Dezember, dem Beginn der ersten Wintersession in der neuen Legislaturperiode im Bundesbern, wird Hadorn in eine neue – und spannende – Welt eintauchen. Als Nationalrat wird der Gerlafinger aktiv die neue Zusammensetzung des Bundesrates mitgestalten. Wird er Eveline Widmer-Schlumpf wählen? Die BDP habe zwar rechnerisch betrachtet keinen Anspruch auf einen Sitz in der Landesregierung. Aber die Person werde auch eine Rolle spielen. «Widmer-Schlumpf betreibt eine klar rechtsbürgerliche Politik, als Mensch und Politikerin ist sie aber integer.» Jede gewählte Person lebe mit dem Risiko, auch wieder abgewählt zu werden, meint er vielsagend.

Zumindest ist Bern als Stadt Philipp Hadorn nicht fremd. Seit 2002 arbeitet der Absolvent eines Jura-Studiums an der Uni Bern (Hadorn: «vollständig, berufsbegleitend, ohne Lizenziat») als Gewerkschaftssekretär beim SEV in Bern, der Gewerkschaft des Verkehrspersonals. Auch daraus lassen sich seine eigens formulierten politischen Schwerpunkte, wie Einsatz für sichere Arbeitsplätze, eine starke Volksschule oder den schonenden Umgang mit der Schöpfung und den Ressourcen, nachvollziehen. Deshalb hätten für ihn gewerkschaftliche, christliche und soziale Anliegen «eine Schnittmenge, für die ich mich auch in Bern einsetzen will».

«Will Verantwortung wahrnehmen»

Der neuen Herausforderung als Nationalrat begegnet Hadorn mit viel Respekt und mit grosser Freude. «Angst habe ich aber keine. Vielmehr will ich die Verantwortung als Bundesparlamentarier ernst nehmen.»

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