Kestenholz
Passt laute Musik zu einem Ort der Stille?

Ausnahmezustand ist ein starkes Wort. Aber für Kestenholz trifft es zu, wenn wie derzeit das Festival St. Peter at Sunset angesagt ist. Bis zu 2500 Personen besuchen die Konzerte.

Alois Winiger
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Vor dem Konzert ein wenig Ruhe geniessen bei der Kapelle. Fotos: wak Vor dem Konzert ein wenig Ruhe geniessen bei der Kapelle. Fotos: wak

Vor dem Konzert ein wenig Ruhe geniessen bei der Kapelle. Fotos: wak Vor dem Konzert ein wenig Ruhe geniessen bei der Kapelle. Fotos: wak

Solothurner Zeitung

Das halbe Dorf, so scheint es, ist in irgendeiner Form engagiert. Geworben wird mit grossen Worten: Ein Konzerterlebnis der Extraklasse mit bekannten Stars aus dem In- und Ausland in stilvoller Atmosphäre und vor stimmungsvoller, ja einzigartiger Kulisse. «Geniessen Sie vor dem Konzert ein köstliches Nachtessen, Spitzenköche lassen keine kulinarischen Wünsche offen», steht im Prospekt geschrieben. Bei so viel Lob im Voraus ist eine Stichprobe fällig.

Für das Musikalische braucht es allerdings keine Stichprobe. Die Namen der Stars wie Stephan Eicher, Büne Huber, Simple Minds oder Hansi Hinterseer sprechen für sich. Dank grosser Wattstärke bekommen die zu Hause gebliebenen Kestenholzer und Oensinger und – je nach Windverhältnissen – auch die Nieder- und Oberbuchsiter vom Sound etwas mit. Aber wie steht es nun wirklich um die als einzigartig beschriebene Atmosphäre? Bekommen die bis zu 2500 Besucherinnen und Besucher etwas davon mit?

Ruhe unter dem Lindenbaum

Der Platz, auf dem die Kapelle St. Peter steht, wird als Kraftort bezeichnet. Steht man vor ihr und unter dem mächtigen Lindenbaum, so spürt man eine gewisse Ruhe. Und wenn auch die Kapelle nur Kulisse für das Festival ist und von der mächtigen Bühne und dem weitläufigen Festgelände schier erdrückt wird – ihre Wirkung behält sie trotzdem. Keine Spur von Hektik ist im Publikum zu spüren. Und dieses war am vergangenen Donnerstagabend bereits anderthalb Stunden vor Konzertbeginn ausserordentlich zahlreich anwesend.

Als besonders reizvoll empfinden es Pärchen, sich nahe zueinander auf eine Bank bei der Kapelle zu setzen. (Etwas, das in Kestenholz seit Menschengedenken bei jungen Pärchen Brauch ist.) Hinter der Kapelle hat man eine Lounge aufgebaut, in der es – zumindest vor dem Konzert – recht beschaulich zugeht. Nicht ganz passend sind einzig die knallblauen Partyzelte und die grellgelben Sonnenschirme mit Markenlogos drauf. Aber das gehört halt offenbar zum Geschäft.

Gehobener Qualitätsstandard

Apropos Geschäft: Das Angebot an Speis und Trank ist in der Tat vielfältig und sehr gut, hat allerdings seinen Preis, was auch zu Kritik Anlass gibt. Doch die Festivalleitung argumentiert, man habe sich bewusst für einen gehobenen Qualitätsstandard entschieden. Man hat den Bereich dem «Waldheim»-Wirten Andy Aeschimann übertragen. Er führt diesen in eigener Regie mit einem professionellen Team, das gegen Bezahlung arbeitet. Das Konzept funktioniert offensichtlich. Die Leute schätzen es, gemütlich etwas zu essen und erst kurz vor dem Konzert Platz zu nehmen auf einem reservierten Stuhl auf der Tribüne.

Rund 200 grosse und kleine Helferinnen und Helfer machen es zusammen mit dem Kernteam St. Peter at Sunset möglich, den grossen Anlass auf die Beine zu stellen. Diesmal hat er allerdings ein Ausmass erreicht, bei dem die Grenzen des freiwilligen Einsatzes erreicht sind. Trotzdem: Bei so viel Engagement und Rückhalt im Dorf darf man von einem Ausnahmezustand sprechen.