Kavallerist
Passionierter Paukenschläger: «Die Pferde halten mich jung»

Thomas Bader, Paukenschläger und Gespannfahrer, ist ganz auf Pferde fixiert. Seit 40 Jahren ist er bei der Berittenen Artilleriemusik Solothurn dabei. Besonders freut er sich auf den Marché-Concours in Saignelégier, wo Solothurn Gastkanton ist.

Ruth Müller
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Hoch zu Ross auch mit 70 jung: der humorvolle Musikant und passionierte Pferdefreund Thomas Bader. rum

Hoch zu Ross auch mit 70 jung: der humorvolle Musikant und passionierte Pferdefreund Thomas Bader. rum

Solothurner Zeitung

Seit 40 Jahren wirbelt Thomas Bader in der Berittenen Artilleriemusik Solothurn BAMS hoch zu Ross auf seinem Paukenpaar. Schon früh wusste der in Matzendorf im Thal aufgewachsene älteste Sohn einer siebenköpfigen Bauernfamilie: «Zu Pferden habe ich einen besseren Draht als zu Kühen.» In Baders Kindheit setzte seine Familie mangels Traktor ganz auf die Kraft der Pferde. Da er jedoch als Landwirt keine Zukunft sah, zog er 20-jährig von Zuhause weg und schlug einen neuen Weg als Chauffeur ein. Ein Beruf, den er bis zur Pensionierung gerne ausübte.

Ebenfalls verbunden blieb Bader den Pferden. Er absolvierte die Train-Rekrutenschule in Liestal und leistete Dienst in der Train-Kolonne II/6. «Das war eine schöne Zeit, ich hatte es immer gut mit den Pferden.» Bald stellte sich heraus: Er hat auch für «schwierige» Tiere ein Händchen. Schon sein erstes eigenes Pferd, die Warmblutstute Iris, formte er zum verlässlichen Partner. «Sie liess sich nicht einfangen, wenn sie auf der Weide war.

Der Verkäufer hatte mich gewarnt, ich solle dieses Pferd nie freilassen.» Er tat es trotzdem, setzte sie aber nicht unter Druck, brachte ihr immer wieder Hafer mit. Und bald erwartete Iris ihren neuen Besitzer freudig am Weidetor. «Nicht strafen, sondern belohnen – damit holt man Pferde auf seine Seite.» So sei er mit all seinen Pferden gut gefahren.

Seit 40 Jahren Kesselpauker

Auch seinem zweiten Hobby, der Blasmusik, frönt er seit jungen Jahren. Zuerst als Schlagzeuger in der Brassband Matzendorf. «Durch einen Kollegen kam ich als 25-Jähriger zur Berittenen Artilleriemusik Solothurn, wo ich am Anfang als Ordonnanz die schwierigeren Pferde zu reiten hatte.» Mit seinen Kesselpauken nimmt er seit vier Jahrzehnten eine zentrale Rolle in der Formation ein – bei Umzügen, Springkonkurrenzen, Jubiläen. Im August 2012 steht wieder ein Grossanlass an, wenn Solothurn Gastkanton beim Marché-Concours in Saignelégier ist.

Viel erlebt hat er in den 40 Jahren mit der BAMS, sagt Bader. Seine Carla, die damals als Marketenderin und insgesamt 30 Jahre aktiv dabei war, lernte er dort kennen und lieben. Aus der Ehe mit der ebenso begeisterten Pferdefreundin entsprangen die Söhne Roy und Jan. Im «Höfli» am Südfuss des Balmbergs bewohnt die Familie ein idyllisches Heim.

Wenige hundert Meter neben dem bäuerlichen Bildungszentrum Wallierhof. Hier treffen sich die 28 Aktivmitglieder jeweils am zweiten Mittwoch des Monats zur Musikprobe. Auch das Musizieren zu Pferd will gelernt sein. Daran feilt man in der Reithalle Stalder in Deitingen. «Bis ein Paukenpferd ausgebildet und cool ist, vergehen etwa drei Jahre», sagt Bader.

«Ausgelernt hat man nie»

Mit seinem Schimmel Marshall, einem Polenwallach, bildet er seit 5 Jahren ein Team. Gar schon 13 Jahre in seinem Besitz ist der Rappe Rio, ebenfalls Pole. Mit beiden unternimmt er Ausritte, jeden Montagmorgen begleitet ihn Domherr Paul Rutz auf eine Schrittrunde. Auch längere Ausfahrten stehen auf dem Programm. Seit über drei Jahrzehnten stellt Bader Gespanne für Gesellschafts- und Hochzeitsfahrten.

Im Januar feiert Thomas Bader seinen 70. Geburtstag. Ausgelernt, was Pferde betrifft, habe er noch lange nicht. «Ich halte immer die Augen offen, schaue bei anderen zu und nehme mit, was mir zusagt.» Und obwohl er sagt, wer mit Pferden lebt, bleibt ewig jung, wird er nicht immer auf dem Paukenpferd sitzen. Deshalb liegt ihm etwas besonders am Herzen: «Die BAMS hält Ausschau für meinen Nachfolger. Nach einem Reiter, der bereits Pauke spielt oder es lernen möchte.» Trotz alter Militäruniformen gehe es beim BAMS gesellig und lustig zu. Und was früher undenkbar war: Auch Frauen sind willkommen.