Sappi-Schock
Papieri-Schliessung: «Es geht um 550 Einzelschicksale»

Der Schock der drohenden Schliessung der «Papieri» sitzt tief – für Lernende wird aktiv gesucht. Eine Arbeitsgruppe trägt möglichst viele, realisierbare Ideen zusammenzutragen. Insbesondere für die Zukunft der Lernenden, soll nun gesorgt werden.

Franz Schaible
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«Äusserst belastende Situation für die Sappi-Angestellten.» Keystone

«Äusserst belastende Situation für die Sappi-Angestellten.» Keystone

Solothurner Zeitung

«Die Papier-Produktion läuft im Normalbetrieb», erklärt Nicolas Mühlemann, Geschäftsführer der Sappi Schweiz AG in Biberist. «Doch der Schock der drohenden Schliessung im kommenden Sommer sitzt tief.» Den Mitarbeitenden werde das mögliche Aus der grössten Papierfabrik der Schweiz langsam, aber sicher bewusst.

«Mit dieser Hypothek im Hinterkopf weiterzuarbeiten, fällt niemandem leicht. Das ist eine äusserst schwierige und belastende Situation für alle Betroffenen», schildert Mühlemann die momentane Lage. Am vergangenen Donnerstag gab die Europa-Leitung des südafrikanischen Papierkonzerns Sappi überraschend die Absicht bekannt, das Tochterwerk in Biberist zu schliessen.

Interner Prozess angestossen

Nichtsdestotrotz gelte es nun, neben dem Tagesgeschäft alles Mögliche zu versuchen, den Betrieb zu retten, blickt Mühlemann nach vorne. Die Zeit ist knapp. Das Konsultationsverfahren, um eben noch eine Lösung zu finden, dauert sechs Wochen. Der entsprechende interne Prozess sei nun angestossen.

Eine Arbeitsgruppe, besetzt von Mitgliedern der Kader-Kommission und der Arbeitnehmer-Vertretung, mache sich nun daran, möglichst viele, realisierbare Ideen zusammenzutragen. Es werde schwierig; «aber wir müssen die letzten Chancen ergreifen. Es geht letztlich um 550 Mitarbeitende, sprich 550 Einzelschicksale.»

Vorerst Lernende im Fokus

Besonders am Herzen liegt Mühlemann die Zukunft der Lernenden. «Da dürfen wir nicht zuwarten, sondern müssen jetzt schon agieren.» Ihnen nütze ein Sozialplan nichts, sie müssten eine Lehrstelle haben. Und das kantonale Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen ist bereits aktiv geworden. «Wir haben Gespräche mit den Verantwortlichen bei Sappi aufgenommen», sagt Amtschef Andreas Brand. Es werde auch eine Veranstaltung mit den Lernenden und deren Eltern geben.

Sappi Biberist bildet aktuell 42 Lernende aus. 17 Lernende werden nach Angaben von Brand ihre Berufsausbildung in diesem Sommer abschliessen. Es müssten also, falls es tatsächlich zur Fabrikschliessung kommen sollte, für 25 «Stifte» ein neuer Ausbildungsplatz gefunden erden. Darunter befinden sich 11 angehende Papiertechnologen. Das werde angesichts der wenigen Ausbildungsplätze nicht einfach.

Ansonsten erwartet Brand, dass für die übrigen Lernenden aus den Berufsfeldern Polymechaniker, Konstrukteur, Logistiker, Automatiker, Anlageführer oder Kaufmann ein neuer Ausbildungsplatz gefunden werden könne. Hinzu kommen 9 angehende Lernende, die ihre Ausbildung bei Sappi im August starten möchten. «Es werden sich auch dieses Mal Firmen melden, um Lernende zu übernehmen.» Er verweist dazu auf die Erfahrungen anlässlich der Borregaard-Schliessung, wo alle 45 «Stifte» relativ rasch eine Anschlusslösung gefunden hatten.

Adrian Flury, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), bestätigt die Bereitschaft dazu. «Unserer Mitgliedfirmen werden – wenn möglich – Hand bieten, Lernende und allenfalls betroffene Mitarbeitende zu übernehmen.»