Reaktionen

Papierfabrik Biberist: Wut und Empörung über Hiobsbotschaft

Arbeiter in der Papierproduktionsanlage der Sappi Fine Paper in Biberist.

Arbeiter in der Papierproduktionsanlage der Sappi Fine Paper in Biberist.

Sei es bei der Unia, der Handelskammer, der Gemeinde oder beim Kanton: Der Schock über das drohende Aus der Papierfabrik Biberist sitzt tief. «Es gab keinerlei Vorwarnung», sagt Biberists Gemeindepräsident Martin Blaser.

Martin Blaser hat von der Hiobsbotschaft gestern Mittag erfahren. Er könne den Entscheid und die Begründungen nicht nachvollziehen: «Das ist Management per Helikopter. Die kommen von Brüssel und machen einfach eine Firma dicht. Das ist unglaublich, absolut arrogant, ich könnte kotzen.» Ihm seien noch nie so drastisch die Nachteile der Globalisierung vor Augen geführt worden.»

Alles, was zähle, sei Rendite. Jeglicher Respekt vor der Geschichte und der Verbundenheit mehrerer Generationen mit der Fabrik fehle. «Ich habe das Gefühl, die Schliessung ist beschlossene Sache», so Blaser. Kommts dazu, kann er die Auswirkungen noch nicht abschätzen. Sie sind aber enorm: Steuern zahlte die Sappi zwar nicht, aber die Fabrikarbeiter. Und: Biberist hätte eine riesige Industriebrache. Gestern Abend fand eine erste Krisensitzung des Gemeinderates statt.

«Ein Schlag» – Markus Baumann Unia-Sektionsleiter und Präsident Gewerkschaftsbund Kanton Solothurn, fehlen die Worte. «Es ist hart für die 550 Mitarbeiter, die jetzt im Ungewissen sind und eine Katastrophe für den Standort Solothurn.» Man werde in der sechswöchigen Konsultationsfrist alles daran setzen, zu retten, was noch zu retten sei. «Oberste Priorität haben die Arbeitsplätze», so Baumann. Schlichtweg «eine Sauerei ist, dass wir entgegen den Bestimmungen im Gesamtarbeitsvertrag nicht frühzeitig informiert wurden». Auch Baumann erhielt die Nachricht gestern kurz vor Mittag.

Deutliche Worte der Regierung

Empört ist auch der Gesamtregierungsrat, wie Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler sagt. Sie sei am Mittwochabend spät informiert worden, worauf sie gestern Morgen ihre Regierungsratskollegen in Kenntnis gesetzt habe. Ein solches Vorgehen einer Firma habe sie noch nie erlebt. Sappi ist aufgrund der Bedeutung einer der Konzerne, mit der sich die Regierung regelmässig trifft. «Noch letzten September hat uns die europäische Konzernleitung – angesprochen auf die steigenden Produktionskosten – versichert, dass der Standort Biberist einer der effizientesten des Konzerns sei.

Mir ist daher schleierhaft, was sich innerhalb weniger Monate daran geändert haben soll.» Komme hinzu, dass es sich um eine moderne und energieeffiziente Fabrik handle. Die Regierung drängt nun auf ein Treffen mit der europäsichen Konzernleitung. Sie erwartet, dass der Entscheid begründet wird und andere Optionen als die Schliessung vorgelegt werden. Gassler drückt ihr tiefstes Bedauern gegenüber den Arbeitern und ihren Familien aus. «Wir werden alles in unserer Macht tun, die Betroffenen zu unterstützen.»

Imageschaden für den Kanton

Keinerlei Infos über die Absichten von Sappi hatte auch die Handelskammer Solothurn. Aber: «Die Probleme mit den steigenden Energie- und Produktionskosten waren mir bekannt», so Direktor Roland Fürst. Auch die Stahl Gerlafingen AG habe damit zu kämpfen. Eine Schliessung der Papierfabrik wäre ein weiterer Imageschaden für den Kanton, «der ja in letzter Zeit in dieser Hinsicht arg gebeutelt wurde». Die Handelskammer hat nun ein weiteres Argument, die Standortbedingungen zu verbessern. «Das fängt bei den Steuern an und hört bei anderem auf», so Fürst.

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