Openair Etziken

Openair Etziken: Viel Sonne und ein wilder Tanz im Regen

Mit Wetterglück und einem starken Line-up geht die Erfolgsstory weiter. Das Publikum ist ein dankbares, das jedes Wort und jeden Ton aufsaugt. Die Zahl der verkauften Tickets ist bei 3000 und damit eine erneute Steigerung.

Traumverloren lässt Kuno Lauener seinen Blick nach oben schweifen, immer wieder, bei fast jedem Lied, bis man sich fragt, wo er in Gedanken wohl gerade ist. Vielleicht irgendwo in der Gegend von Zimmerwald, an der eigenen Grenze. Vielleicht auch nur beim nächsten Scheinwerfer, der die Bühne in Etziken in ein stimmungsvolles Licht taucht. Jedenfalls scheint der Frontmann von «Züri West» in diesen Momenten eine innere Ruhe zu finden, die der zappelige alte Soldat sonst nicht ausstrahlt.

Offenbar gefällt es der Berner Mundart-Band am aufstrebenden Festival im Wasseramt. Nicht nur, weil das hier auch noch ein bisschen «YB-Land» ist, wie Lauener sagt. Mehr als 3000 Menschen jubeln begeistert, als die Band sie in einem leicht abgeänderten «Göteborg» lyrisch von der Autobahnausfahrt Kriegstetten durch Subingen nach Etziken führt.

3000 Menschen feiern

Das ist nach dem letztjährigen Freitags-Rekord mit 2800 verkauften Tickets eine erneute Steigerung für den ersten Festival-tag. Und auch beim Samstag kann Etziken zulegen: das vergrösserte Gelände mit Zuschauertribüne bietet jetzt Platz für 3300 Personen. Und so viele sind auch gekommen.

Das Open Air erfreut sich aber nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei Musikern stetig wachsender Beliebtheit. Die «Lovebugs» etwa, die heuer innerhalb von acht Jahren ihren dritten Auftritt in Etziken haben, schauen auch ganz gerne mal am Festival vorbei, wenn sie nicht auf dem Programm stehen.

Bieler Jungs bringen die Stimmung

«Pegasus» ist ebenfalls nicht zum ersten Mal hier. Frisch aus Olympia-London eingeflogen bringen die Bieler Jungs die Stimmung am Samstag zum Kochen. Auch hinten auf der Tribüne – was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wie kühl distanziert die sitzende Menge am Vorabend sogar bei «Züri West» vor sich hin geschwiegen hat. Jetzt wird hinten wie vorne applaudiert und mitgesungen. Und als alle bei «Rise Up (Black Dog)» Frontmann Noah Veraguths heisere Stimme begleiten, während ein stampfender Beat durch die Luft bebt und ein kaum wahrnehmbarer Nieselregen von einem fast vollständig blauen Himmel fällt, ist die Festival-Stimmung perfekt.

«Es ist schön, wenn es mal nicht 14 Grad ist, wenn man an einem Open Air spielt», hat am Freitag schon Kuno Lauener bemerkt. Die Vermutung, dass Fernando von Arb und Band, die am Nachmittag wohl literweise Schweiss an die Zeltbühne verloren haben, das nicht ganz so sehen, sei dahingestellt. Sicher ist, dass das Wetter auch am Samstag entzückt.

Stefanie Heinzmann bringt die Sonne mit

Ob Stefanie Heinzmann die Sonne aus dem Wallis «mitgebrunge» hat, weiss man nicht. Aber sie findet es auf jeden Fall schön hier, so wie sie auch uns, unsere Hände, ihre Band und überhaupt alles schön findet. Ihr Small Talk zwischen den Liedern mag nicht von viel Eloquenz zeugen; die Aufgedrehtheit, mit der sie ihr Lampenfieber überspielt, wirkt manchmal etwas angestrengt. Aber Charme hat sie dennoch. Und eine gewaltige Soulstimme, die ihresgleichen sucht und mehr als einmal für Gänsehaut sorgt – jedoch bei der mitreissenden Ballade «Fire» zu wenig zur Geltung kommt.

Wirklicher Regen fällt erst, als Stress an der Reihe ist. Von diesem lässt sich der Lausanner Rapper allerdings nicht beirren. Er begibt sich gar ins Publikum, um selbst etwas davon abzukriegen, brüllt mit französischem Akzent «Figg das Regen» ins Mikrofon und holt eine Zuschauerin namens Miriam auf die Bühne, die mit ihrem Hüftschwung die Stimmung anheizt. Und auch das Publikum sieht bald ein: So ein wilder Tanz im Regen gehört einfach zu einem Festival dazu.

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