Olten

Zwischenmenschliches hat ihn motiviert: Leiter des Pflegeheims St. Martin tritt nach 13 Jahren ab

Der scheidende Heimleiter Dieter Schöni (rechts) mit Stiftungsratspräsident Adolf Kellerhals und Urs Hufschmid (links), dem neuen Heimleiter.

Der scheidende Heimleiter Dieter Schöni (rechts) mit Stiftungsratspräsident Adolf Kellerhals und Urs Hufschmid (links), dem neuen Heimleiter.

Nach 13 Amtsjahren als Leiter des Alters- und Pflegeheims St. Martin tritt Dieter Schöni in den Ruhestand.

Mit ihm ist schnell auf den Punkt zu kommen. Er vertritt im sanften Tonfall die 4M-Maxime. 4M-Maxime? Klar. Wer den einstigen Heimleiter des Oltner Alters- und Pflegeheim St. Martin ausreden lässt, für den löst er das Rätsel auf: «Man muss Menschen mögen», sagt Dieter Schöni. Und er meint damit eine der Schlüsselqualifikationen, die Menschen mit Vorteil mitbringen, arbeiten sie mit anderen Menschen zusammen.

Nicht erst nach 13 Amtsjahren als Leiter im Martinsheim ist der 64-Jährige dem Wesen einer guten Basis für Heimkultur auf die Spur gekommen. Wahrscheinlich bringt er entscheidende Schlüsselqualifikationen einfach mit. Menschen mögen: Das ist das eine. Atmosphäre schaffen: das andere. Kompetente Dienstleistung in allen Fachbereichen der Pflege und Betreuung garantieren: das Dritte. Das wär’s dann? «Nein», sagt Schöni. «Wissen Sie, ganz viel Geglücktes ist auch von viel Glück abhängig.»

Und Schöni hatte Glück. In all den Jahren als Heimleiter ist er von grösserem Unbill verschont geblieben. Dafür ist er dankbar. Eine gewisse Demut schlägt durch. Sie gehört ebenso zu seiner Auslegung des empathisch-kooperativen Führungsstils wie Respekt und Wertschätzung. Das Dreigestirn hat sich bewährt. Aber: Bei aller Umsicht, aller Dialogbereitschaft, allem Kalkulieren von Eventualitäten jedwelcher Provenienz: «Es kann immer was schiefgehen.» Das weiss der Heimleiter, der noch bis Ende Monat auf der Gehaltsliste des Martinsheim steht.

Ambivalenz der Gefühle

Wehmut und Erleichterung befallen ihn, wenn er kurz vor seinem Ruhestand die aktuelle Befindlichkeit umschreibt. Da wäre die Wehmut, weil ein Abschnitt zu Ende geht, der sein Leben sehr bereichert hat. Er sagt nur soviel: «Ich habe als Heimleiter auf der menschlichen und zwischenmenschlichen Ebene ein Mehrfaches profitiert, wenn ich zum Vergleich jene drei Jahrzehnte heranziehe, in denen ich Finanzchef einer Import- und Verkaufsfirma in der Getreidebranche war.»

Und Erleichterung deshalb, weil die Last von seinen Schultern fällt, den Heimbetrieb auch in Zukunft trotz grossem Spardruck stets in gewohnter Qualität garantieren zu können. Denn Heimalltag ist facettenreich. Pflege, Betreuung, Hausdienste, Wäscherei, Küche. Schöni weiss Bescheid und wer ihn zu plakativen Äusserungen herausfordert, bekommt eine satte Antwort: «Wissen Sie, nicht ein um zwei Quadratmeter vergrössertes Zimmer steigert die Lebensqualität der Bewohner, sondern die menschliche Zuneigung, die Atmosphäre der Institution, zu der auch etwa die liebevolle Zubereitung der Mahlzeiten gehört. Und das bedeutet letztlich: genügend empathisches Personal.»

Jede und jeden kennen

Der Oltner wirkt mitunter etwas pfarrerhaft, wenn er sich erklärt. «Eine interessante Bemerkung», sagt er und lächelt. Tatsächlich wären Heimbewohner nicht selten der Meinung, er sei der Pfarrer, wenn er mit schwarzfarbenem Jackett auftauche. 70 Bewohner zählt er im Heim. Und er kennt jede und jeden, auch deren Angehörige. «Ich bin kein Freund von bewohnermässig grossen Heimen», gesteht Schöni. Das erschwere das Entstehen Vertrautheit, begünstige dagegen Anonymität. Dagegen würden Vertrautheit und Bekanntheit helfen, Probleme zu meistern, Missverständnisse auszuräumen. Und wie sieht er das ideal konzipierte Heim? Im Vergleich zu heutig üblichen Dimensionen grossflächiger, dafür mit weniger Etagen. «Mit einem solchen Setting lassen sich die Teams optimal einsetzen», sagt er.

Sachverstand und Weitblick

Schönis integre Persönlichkeit bestätigt auch sein Nachfolger im Amt, Urs Hufschmid. «In der Funktion als Heimleiter war er eine Person des öffentlichen Interesses, da er letztlich für das Wohlergehen von 70 betagten Bewohnerinnen und Bewohnern verantwortlich war und dadurch viele Kontakte mit deren Angehörigen und Bekannten pZwischenmenschliches hat ihn motiviertflegte», so Hufschmid. Und die Tatsache, dass Dieter Schöni in den vergangenen 13 Jahren an rund 350 Beerdigungen teilgenommen hat, widerspiegle den hohen Grad der Vernetzung, auch sein Verantwortungsbewusstsein. «Aber auch der erfolgreiche Aufbau des Demenzzentrums Olten unter seiner Leitung zeugt von seinem Weitblick, Sachverstand und grossem Engagement.» Ein schmeichelhaftes Attest.

Ab zur Musik

Und jetzt? Was wird ab Anfang Dezember sein? Was wohl vor allem Insider wissen: Der Mann ist Musik affin, macht für Irrwisch das Roadmanagement, spielt selber Gitarre und besucht viele Konzerte. Er möchte in Zukunft vermehrt die Enkel in der Ostschweiz besuchen, sich vertieft der Musik widmen, sein eigenes Bandprojekt intensivieren und gesellschaftliche Kontakte pflegen.

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