Poetry Slam

Zumstein siegt in der Schützi

Die Moderierenden Kilian Ziegler und Fabienne Käppeli mit den Teilnehmenden des zweiten Slams der 12. Slam-Trilogie am Freitagabend in der Schützi.

Die Moderierenden Kilian Ziegler und Fabienne Käppeli mit den Teilnehmenden des zweiten Slams der 12. Slam-Trilogie am Freitagabend in der Schützi.

Olten 12. Trilogie in der Schützi mit durchwachsenem zweiten Slam und klaren Favoriten

Die Sterne blieben brav am Himmel hängen an diesem zweiten Slam der zwölften Poetry-Slam-Trilogie in der Schützi. Das Publikum rechnete mit dem Üblichen und erhielt es auch: Wortspielereien, jugendlichen Sturm und Drang, ein bisschen Nonsens hier und Klamauk da. Eben alles, was die Zuhörergenügend bei Laune hielt, sie dann aber doch nicht aus den Sesseln spickte.

Legen Sie diesen Text aber noch nicht enttäuscht beiseite: Schliesslich fiel nämlich doch noch ein Stern herunter. Wuchtig schlug er ein und die Schützi, das hätten Sie sehen sollen, erstrahlte hell und die Funken stiebten, dass man sich erst mal die Augen reiben musste.

Joel Perrin hiess der Zürcher Newcomer, der mit seinen 21 Jahren erst kürzlich der U20-Kategorie entwachsen ist und bereits den ersten Slam der laufenden Trilogie im November für sich entschieden hatte. Er trat als Achter und Letzter vor dem Final auf, und was das Publikum bis dahin an Darbietungen serviert bekommen hatte, hatte sich, gelinde gesagt, im lauwarmen Bereich bewegt. Einzig der Burgdorfer Remo Zumstein hatte als alter Slam-Hase von der Publikumsjury Höchstwertungen erhalten. Mit einem spielerischen Text, dessen Satzende sich das Publikum selbst denken musste, heimste er 47.4 von 50 möglichen Punkten ein. Perrin aber brannte sie alle weg.

Zwischen amüsant und ernst

Hochpathetisch kündete er seinen Text «Frühlingserwachen» an, «in Gedenken an den Arabischen Frühling». Beim einen oder anderen Zuhörer blitzten an dieser Stelle wohl Zweifel auf, was den Unterhaltungswert seiner Darbietung anbelangte. Hatte sich doch fast alles zuvor Gewesene im – teilweise bemüht – amüsanten Bereich bewegt. Die Stimmung in der Halle war an diesem Abend trotzdem nur zögerlich aufgekommen.

Perrins Text hingegen hätte ernster nicht sein können, handelte von gewaltsamen Ausschreitungen auf dem ägyptischen Tahrir-Platz und von Blumen im Frühling, «eine furchtbare Schönheit, wie sie nur Leid mit sich bringt». Intelligent, tiefgründig und poetisch, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Die Jury jubelte ihm dafür 48.3 Punkte zu.

Neben Perrin und Zumstein schaffte es auch das Ostschweizer Duo Laut & Stark ins Finale, mit einer leichtfüssigen Parodie auf das Leben in der Thurgauer Provinz: 43.8 Punkte. Beachtung und 39.8 Punkte verdiente zudem die feinsinnige Geschichte der noch sehr zurückhaltenden Baslerin Sarah Altenaichinger über eine graue Papageiendame, die sich ein buntes Kleid malt und damit alle Tiere im Zoo überstrahlt.

Wer gewinnt die Trilogie?

Aber jeder in der Schützi wusste, dass dieser Sieg nur an Perrin oder Zumstein gehen konnte. Zumsteins Finaltext in Pseudoholländisch holte erneut viele Lacher, Perrins brillante Rede gegen den Rassismus und die «Nazifizierung des Morgenlandes» schlug wiederum ernste Töne an. Zu ernste wohl. Die Menge klatschte, stampfte und johlte dann doch Zumstein zum Sieg. Aber wissen Sie was? Am 2. März entscheidet sich, wer den Trilogie-Sieg davontragen wird. Joel Perrins Stern leuchtet verdammt hell.

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