Im Februar 2018 lobte der Stadtrat das Hübelischulhaus als künftigen Standort fürs Kunstmuseum Olten noch in den höchsten Tönen: Die Liegenschaft sei «aufgrund seiner zentralen Lage in der Nähe der öffentlichen Verwaltung aus Sicht der Stadtentwicklung prädestiniert für eine öffentliche Nutzung», hiess es in der damaligen Mitteilung. Weitere Vorzüge wie der repräsentative Bau oder der Vorplatz für Präsentationen wurden aufgezählt. Doch nun möchte der Stadtrat das Kunstmuseum in derselben Liegenschaft an der Kirchgasse 8 belassen. Dies legte die Oltner Regierung im Rahmen eines Workshops zur Legislaturhälfte fest, teilt die Stadtkanzlei am Dienstag mit.

Stadtpräsident Martin Wey begründet diesen Strategiewechsel mit dem Zeitdruck. «Das Hübelischulhaus wird nicht so schnell frei wie geplant, und der Sanierungsbedarf beim Kunstmuseums-Gebäude wächst.» Statt 2021 wird es jetzt eher 2023, bis das neue Schulhaus im Kleinholz steht und fürs Hübelischulhaus eine neue Nutzung möglich ist. Daher hat der Stadtrat aus Sicht des Stadtpräsidenten nun einen Entscheid fällen müssen. Zudem «soll auch der Leerstand des ehemaligen Naturmuseums an prominenter Zentrumslage möglichst rasch beseitigt werden», heisst es in der Mitteilung. Ferner gibt es bereits genügend leere Ladenflächen, sodass eine Nutzung durch den Detailhandel nicht mehr prioritär ist. Nicht zuletzt erhofft sich der Stadtrat eine Belebung der Kirchgasse auch am Sonntag, wenn das Museum geöffnet ist.

Um die Liegenschaft weiter als Kunstmuseum nutzen zu können, muss das Gebäude umfassend saniert und ein Lift eingebaut werden. Auch ein Anbau mit Depot hinter dem Gebäude ist vorgesehen, um das Platzproblem zu lösen. Eine Kostenschätzung gibt es bisher nicht. Nächstes Jahr will der Stadtrat dazu einen Investorenwettbewerb mit verschiedenen Auflagen durchführen, bei dem auch das ehemalige Naturmuseum an der Kirchgasse 10 miteinbezogen wird. Diese Liegenschaft möchte der Stadtrat anschliessend verkaufen oder im Baurecht an Dritte abgeben. «Die beiden Gebäude sollen gemeinsam entwickelt werden», sagt Wey. Eine Strategie über die ganze Häuserzeile hinweg, wie es der Stadtrat ursprünglich vorsah – vom Ex-Naturmuseum bis zum Ex-Vögele-Shoes-Gebäude –, ist so aber nicht mehr möglich. Damit fällt auch ein Ankermieter weg wie die Migros, die einst Interesse zeigte (wir berichteten). Bis frühestens 2021/22 könnte gemäss Stadtschreiber Markus Dietler das Kunstmuseum saniert sein. Ob es während der Umbauphase eine Zwischenlösung für Ausstellungen gibt, ist noch offen. Auch eine vorübergehende Schliessung ist eine Option, wie dies derzeit beim Historischen und Naturmuseum der Fall ist.

Kunstmuseumsdirektorin bestätigt Zeitdruck

Das sei «eine frohe Botschaft», sagte Kunstmuseumsdirektorin Dorothee Messmer im Februar 2018, als der Stadtrat entschied, das Hübeli zum neuen Kunstmuseum zu machen. Auch auf der Homepage heisst es zum Entscheid von damals noch heute: «Wir freuen uns riesig!!» Messmer hat am Vortag vom Standortwechsel des Stadtrats erfahren und sagt am Dienstag auf Anfrage: «Der Vorteil ist nun, dass wir an der Kirchgasse bleiben können, dem schönsten Platz der Stadt.» Zudem bestätigt sie den Zeitdruck: «Es ist bitter nötig, dass die Liegenschaft saniert wird. Länger können wir nicht mehr warten.» Nicht nur die schlechte Bausubstanz, der mangelnde Platz im Kellerdepot und der fehlende Lift machten zu schaffen, sondern auch die klimatischen Bedingungen im Haus. So stiegen die Temperaturen vergangenen Sommer im dritten Stock über 30 Grad. Gewisse Leihgaben erhält das Museum deswegen gar nicht mehr. Messmer hofft, dass mit dem Umbau eine «qualitativ hochstehende und sensible Architektur» entsteht.

Was passiert nun mit dem Hübelischulhaus? Die Auflösung des Schulstandorts ist nach dem Parlamentsentscheid im Januar 2018 definitiv. Der Stadtrat könnte sich nun den Zusammenzug der Stadt- und Jugendbibliothek in dieser Liegenschaft vorstellen, wie er in der Mitteilung schreibt. Ein gemeinsamer Standort der beiden städtischen Institute ist eines der Ergebnisse der Betriebsanalyse der Churer Hochschule für Technik und Wirtschaft. Eine Fusion der Stadt- und Jugendbibliothek war auch mal in den beiden städtischen Liegenschaften an der Kirchgasse ein Thema. Diese Option fällt nun weg.