Coronavirus

Wie läuft der Neustart für Oltner Kulturbetriebe?

Im Kulturzentrum Schützi ist das Tragen einer Maske obligatorisch, bis man am Platz abgesessen ist.

Im Kulturzentrum Schützi ist das Tragen einer Maske obligatorisch, bis man am Platz abgesessen ist.

Wie die kleinen Veranstaltungsorte nach dem Lockdown und mit strengen Schutzkonzepten eine neue Saison beginnen.

Das Coronavirus hat die Bevölkerung für ein paar lange Monate in einen Sonderzustand versetzt. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt, Kulturschaffende mussten sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Nun kommt nach und nach wieder Leben in die Oltner Kulturbetriebe.

Das Stadttheater startete am 18. September 2020 mit deutlich weniger Publikum als gewohnt mit einem Auftritt des Janoska Ensemble in die neue Saison. Die Coronazeit sei finanziell «ein grosser Schaden» gewesen, so die Direktorin, Edith Scott. Doch wie sieht die Lage für kleinere Kulturbetriebe in Olten aus?

1. Theaterstudio

Zum Saisonauftakt des Theaterstudios habe er zwei Dinge beobachtet, berichtet Andreas Meier, Präsident des Trägervereins. Zum einen seien sowohl das Publikum als auch die Künstler froh gewesen, endlich wieder ins Theater gehen zu können. Zum andern habe es sich auch etwas seltsam angefühlt, mit Hygienemaske im Theater zu sitzen. «Ich denke aber, die Leute werden sich schnell daran gewöhnen, schliesslich wird sie anderswo auch verlangt», meint Meier.

Um das Publikum in die Normalität zurückzuführen, die es vor dem Virus gekannt hat, hat das Team bis Ende Jahr ein dichteres Programm als üblich geplant. Meier versteht, dass die Leute vorsichtig sind. «Im Kleintheater ist man dem Nachbarn und dem Künstler auf der Bühne nun mal sehr nah. Das macht ja die besondere Atmosphäre aus.» Er glaube aber, dass sich die Schutzmassnahmen mit Maske und leeren Plätzen zwischen den Zuschauern bewähren werden und dass die Menschen das Vertrauen zurückgewinnen werden.

2. «Coq d’Or»

Bereits für den normalen Barbetrieb hat das «Coq»-Team ein strengeres Schutzkonzept eingeführt, als vom Kanton vorgegeben. So ist unter anderem die Angabe der Kontaktdaten Pflicht. Für die drei Konzerte, die diesen Herbst geplant sind, werden die Massnahmen aber noch etwas verschärft. Die Kontaktdaten sollen dann beim Eingang durch Mitarbeitende verifiziert werden. «Wir wollen unser Möglichstes gegen die Verbreitung des Virus tun und den Menschen dennoch geben, was sie vermisst haben», sagt der Geschäftsführer Daniel Kissling.

Geschäftsführer des «Coq d'Or» Daniel Kissling mit Schutzmaske.

Geschäftsführer des «Coq d'Or» Daniel Kissling mit Schutzmaske.

Das «Coq d’Or» sei eben nicht nur eine Bar, sondern stehe genauso für den kulturellen Aspekt. Aus finanziellen Gründen sind dennoch nur wenige Auftritte möglich. Momentan werden die Verhandlungen mit der Stadt über eine Leistungsvereinbarung wieder aufgenommen. Die darin enthaltenen 20'000 Franken hat die Bar noch nicht bekommen. Ursprünglich hätte das Team im März das Jahresprogramm während eines Gespräches vorlegen dürfen. Dazu ist es aber aus bekannten Gründen nicht gekommen.

3. Schwager Theater

Das Schwager Theater hat den Saisonstart noch vor sich. Am 23. Oktober 2020 eröffnet es mit der Premiere des neuen Solostückes von Christoph Schwager «Dios mio, mehr Gold!». Erwartungen dazu habe er keine, sagt der Gründer und Leiter Christoph Schwager auf Anfrage. Bereits am 21. September öffneten sich die Vorhänge der Theaterbühne jedoch schon einmal für die dritte Vorrunde des Kabarett-Castings. Das Casting sei ein Testlauf gewesen, meint Schwager. Man habe damit die Schutzmassnahmen erproben können.

Für das Kleintheater sind das unter anderem eine Maskenpflicht, freie Sitze zwischen den Gästegruppen und dass die Bar während der Pause geschlossen bleibt. «Damit fallen aber über die Hälfte der Bareinnahmen weg», äussert sich der Gründer. Aktuell spiele er jedoch mit der Idee, eine Bar mit reduziertem Angebot draussen aufzubauen, wo man sich auseinanderstellen und die Maske auch abnehmen kann.

4. «Galicia»

Obwohl es schon einzelne Musikevents im Sommer gegeben hat, kehrt im «Galicia» erst jetzt nach und nach wieder Normalität ein. Seit Anfang September finden beispielsweise aufs Neue regelmässig Disco-Abende statt. «Eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung ist noch spürbar. Ich glaube aber, viele Leute sind froh, dass überhaupt wieder irgendetwas stattfindet», stellt Christian Dietiker, der Eventmanager des Galicia, fest.

Dennoch fahre auch die Oltner Musikbar reduziert. Es seien einige Veranstaltungen abgesagt worden. Für diejenigen, die in dieser herausfordernden Zeit dennoch stattfinden, ist das Eintragen in die Kontaktliste für Besuchende Pflicht. Das «Galicia» habe weniger Gäste als in den Vorjahren, aber das sei auch okay, meint er. Welche Auswirkungen das auf die finanzielle Lage der Bar hat, kann Dietiker nicht genau sagen.

5. Schützi

Mittlerweile ist der Belegungsplan der Schützi wieder relativ gut gefüllt. Die allgemeine Rückmeldung zu den aktuellsten Anlässen fällt laut Geschäftsführer Thomas Knapp positiv aus. Die Menschen scheinen dem Schutzkonzept der Veranstalter, das zuvor jeweils vom Amt für Ordnung und Sicherheit überprüft wird, zu vertrauen. Das ist wichtig, denn im Herbst sind verschiedene Anlässe geplant, die ordentlich Publikum anziehen dürften: das Buchfestival Olten, die Oltner Tanztage, die Kabaretttage und die Sternschnuppen.

Die Schützi sei in finanzieller Hinsicht auf einen ereignisreichen Herbst angewiesen, bringt Knapp zum Ausdruck. Wegen des Lockdowns konnten über 60 Veranstaltungen nicht stattfinden. Das Schützi-Team ist zudem auf Kurzarbeit gesetzt. Insgesamt sieht er die Situation aber gelassen: «Es ist eben, wie’s ist. Sich darüber zu beschweren, bringt auch nichts.»

6. Vario Bar

Als Einzige dieses Jahr nicht mehr Hostesse für einen kulturellen Anlass ist die Vario Bar. «Das Wichtigste im Moment ist, dass wir die Schutzmassnahmen einhalten können», versichert Mitinhaberin Zulayka Nann. Aus diesem Grund seien diesen Herbst und Winter keine kulturellen Events angedacht. Anschliessend entscheide man situationsbedingt. Stattdessen hat sich das Team dafür entschieden, den Gastrobereich auf das Untergeschoss auszuweiten. So können auch die Abstände besser eingehalten werden.

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