Der bisherige Oltner Stadtpräsident Martin Wey kann dem 2. Juli, dem Tag der Stadtpräsidiums-Wahlen in Olten, mit Gelassenheit entgegenblicken. Keiner seiner vier Stadtratskollegen wagt einen Angriff auf den bald 55-jährigen CVP-Mann, der seit vier Jahren im Amt ist.

Die SP-Basis hat an der Generalversammlung vom Mittwoch entschieden, von sich aus aufs Stadtpräsidium zu verzichten. Die Partei, die sich mit ihrem Duo Marion Rauber und Thomas Marbet noch die besten Chancen hätte ausrechnen können, will trotz der eigentlich guten Ausgangslage nichts vom Amt wissen: Sie ist zusammen mit der Jungen SP mit 12 Sitzen weiterhin die grösste Fraktion im neu 40-köpfigen Gemeindeparlament, während die CVP von Martin Wey 3 Mandate verloren hat und nur noch 4 Sitze stellt. Zudem war der in der ersten Runde wiedergewählte Vizepräsident Thomas Marbet nur 17 Stimmen hinter dem bestgewählten Martin Wey klassiert. Vor vier Jahren tönte es noch anders: Da erhob die Partei mit der gleichen Ausgangslage – stärkste Fraktion und zwei Stadtratssitze – Anspruch aufs Präsidium und aufs Vizepräsidium.

Fraktionschef und Geschäftsleitungsmitglied Ruedi Moor begründete den Verzicht an der Generalversammlung: «Martin Wey ist in der Stadt populär und geniesst in der Bevölkerung ein hohes Ansehen.» Daher seien die Chancen, gegen den bisherigen Amtsinhaber zu reüssieren, «eher bescheiden». Zudem hätten sich die Sozialdemokraten auf die Verteidigung des zweiten Stadtratssitzes konzentriert und «keinen Wahlkampf für das Stadtpräsidium eingeplant». Ein nun «überhasteter Wahlkampf» sei wenig erfolgsversprechend, erklärte Moor vor der Versammlung weiter. Zudem glauben die Genossen, dass «aus Sicht der Sachpolitik» kein grosser Vorteil von einem SP-Stadtpräsidenten zu erwarten sei. Vielmehr erhofft sich die SP, dass ein bürgerlicher Stadtpräsident mithelfen kann, bei umstrittenen Geschäften zu einer Mehrheit zu verhelfen. Die Partei denkt dabei wohl zum Beispiel an die Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest, welche in Martin Wey einen gewichtigen Fürsprecher hat.

Wieder kandidieren wird Thomas Marbet aber fürs Vizepräsidium. Er wurde von der Versammlung einstimmig nominiert. Eine Kandidatur fürs Stadtpräsidium habe er nie geplant gehabt, weil er unter anderem auch seinen Job bei der Schweizerischen Nationalbank in Bern «nicht überhastet aufgeben» wolle, so Marbet. Die neu gewählte Marion Rauber begründet ihren Verzicht damit, dass sie sich zuerst in der Exekutive etablieren wolle.

Auch FDP und Grüne verzichten

Nichts wissen vom Stadtpräsidium will auch die FDP. Ihr Stadtrat Benvenuto Savoldelli hat sich bereits nach dem angekündigten Rücktritt letzten November als EHC-Olten-Verwaltungsratspräsident von einer allfälligen Kandidatur distanziert. Dies bestätigte er auf Anfrage dieser Zeitung: «Für schillernde Reden und bühnenreife Auftritte ist Martin Wey viel besser geeignet.»

Auch die Grünen stellen keinen Anspruch auf das Amt. Ihre Stadträtin Iris Schelbert hatte vor vier Jahren erfolglos Martin Wey herausgefordert. Co-Präsidentin Myriam Frey begründet das Vorgehen auf Anfrage wie folgt: «Vor vier Jahren war die Ausgangslage anders, weil Iris Schelbert im ersten Wahlgang das beste Resultat holte und der Posten frei war.»