Olten

Weihnachtskonzert mit Eigenkomposition: Musikerduo begeistert Oltner Publikum

Geigerin Irene Benito Temprano und Gitarrist Michael Erni begeistern beim Weihnachtskonzert.

Geigerin Irene Benito Temprano und Gitarrist Michael Erni begeistern beim Weihnachtskonzert.

Von Bach bis Tango: Das Duo Sarasate überzeugte im Oltner Konzertsaal mit virtuosen Werken für Violine und Gitarre

Wenn sich ein Musikduo nach dem iberischen Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate benennt, ist damit ein hoher Anspruch verbunden. Die spanische, in Fribourg am Konservatorium unterrichtende Geigerin Irene Benito Temprano und der Oltner Gitarrist Michael Erni bewiesen mit Leichtigkeit, dass sie diesen Anspruch erfüllen können.

Sarasates berühmte Zigeunerweisen, op. 20, aber auch seine drei spanischen Tänze, op. 21 – 23, basieren auf folkloristischen Klängen aus Ungarn und Spanien. Mit der Gitarre als Begleitinstrument sind die Einflüsse von Csárdás und Flamenco besonders deutlich zu erkennen. Die Melodien verselbständigen sich, brechen in den Akkorden auf und erreichen in schnellem, ja rasantem Tempo die allerhöchsten Töne, um sogleich wieder in die Tiefe zu fallen – Irene Benito Temprano beherrschte diese schwierigen Läufe und Wechsel scheinbar mühelos. Michael Erni, der die Stücke des Konzerts in launigen Worten ankündigte, war seiner Kollegin ein einfühlsamer und aufmerksamer Begleiter. Zuvor hatte das Duo Sarasate bereits mit zwei kurzen Auftaktstücken gezeigt, wie viel Harmonie und spielerische Freude an ihrem Weihnachtskonzert zu erwarten war: mit der gemütvollen «Air» aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach und dem überraschend witzigen «Entr’acte» des Franzosen Jaques Ibert.

Eigene Komposition «Atlantis»

Nach der Pause stellte Michael Erni als Uraufführung seine Eigenkomposition «Atlantis» vor. In fasziniere der Mythos dieses antiken, untergegangenen Inselreichs, meinte er zu Beginn. Seine Komposition spielte er auf einer besonders gestimmten Gitarre ohne Obertöne. Zwar weist er der Violine einige hübsche Melodien zu, oft aber muss sie lediglich markante Akzente setzen, die er auf der Gitarre aufnimmt und deutet. «Atlantis» bietet Klänge, die vielleicht damals in der Idylle des Landes ertönten, doch mit der Spannung und Dramatik seiner Komposition nimmt Erni zugleich den Untergang vorweg.

Musik zweier allzu früh Verstorbener bildeten den Abschluss des Konzerts. Zwei spanische Tänze des Komponisten Enrique Granados, der 1916 auf einer von deutschen U-Booten torpedierten Fähre den Tod fand, leiteten über zu heiteren musikalischen Leckerbissen: Zum Schluss spielte das Duo Sarasate ein halbes Dutzend Tangos des wohl wichtigsten und berühmtesten argentinischen Tangosängers und -komponisten, dem legendären Carlos Gardel, der 1935 bei einem Flugzeugunglück verstarb. Tangos seien, so hat es ein Meister des Genres einmal ausgedrückt, «traurige Gedanken, die man tanzen kann». Irene Benito Temprano und Michael Erni aber zeigten, dass Tangos nicht nur von Herz und Schmerz handeln, sondern auch vom Leben, von der Liebe und der Freude am Dasein. Ein beglückendes Erlebnis.

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