Rasches Handeln nach einem Unfall entscheidet über das weitere Schicksal eines verletzten Wildtieres. Der Unfallverursacher ist nach dem Strassenverkehrsgesetz verpflichtet, sofort anzuhalten und die Unfallstelle mit dem Pannendreieck zu sichern, weil die eigene Sicherheit und jene der anderen Verkehrsteilnehmer Priorität haben. Anschliessend muss er unverzüglich die Polizei unter der Nummer 117 verständigen und am Unfallort warten, bis ein Jagdaufseher eintrifft.

Wird ein Wildtier bei einer Kollision getötet, hat dies in der Regel keine strafrechtlichen Konsequenzen. Wer seiner Meldepflicht nachkommt, muss keine Busse befürchten. Wer hingegen einfach weiterfährt, macht sich wegen Unterlassung einer Unfallmeldung nach dem Strassenverkehrsgesetz sowie allenfalls auch wegen eines Verstosses gegen das Tierschutzgesetz strafbar, was teuer werden kann. Ein Unfall muss aber auch dann gemeldet werden, wenn das angefahrene Tier geflohen ist, weil es sich sonst in ein Versteck schleppen und dort unter − möglicherweise Tage dauernden − Qualen verenden könnte. Wichtig ist deshalb, dass die Stelle des Zusammenstosses markiert wird, um dem Wildhüter die Arbeit zu erleichtern.

Alle Wildtierarten betroffen

Diese Regeln gelten bei Unfällen mit Wildtieren aller Art, nicht nur bei Rehen, Wildschweinen, Dachsen oder Füchsen, sondern auch bei kleineren Tieren wie Hasen oder Mardern. Die Meldepflicht bezieht sich auf alle Tiere, die nach dem eidgenössischen und dem kantonalen Jagdgesetz jagdbar und geschützt sind. Diese Informationen wurden mittels eines Rollenspiels mit Automobilistin, Jagdaufseher und Hundeführer den Banntagbesuchern vorgetragen. Das Interesse war gross, das zeigten die vielen Fragen im Anschluss an die Präsentation.

Im Jagdrevier Gäu, das die Gemeindegebiete Boningen, Fulenbach, Gunzgen und Härkingen einschliesst, werden die Jagdaufseher etwa 60-mal im Jahr von der Polizei aufgeboten. Oftmals nach Mitternacht. Die Jagdgesellschaften sind verpflichtet an sieben Tagen und 24 Stunden für den Notfall bereit zu sein. Der Einsatz dauert je nach Situation zwei bis vier Stunden. Oftmals muss auch ein speziell abgerichteter Suchhund beigezogen werden. Besonders gefährlich ist es, wenn das Fallwild auf der Autobahn ist.

Revier Gäu stark betroffen

Der Hauptgrund für getötete Wildtiere ist der Strassenverkehr. Gerade im Revier Gäu durchtrennen stark befahrene Strassen (Boningen–Fulenbach, Fulenbach–Härkingen) das Revier. Auf diesen Strassen kommen jedes Jahr etwa 20 Rehe ums Leben. 2015 waren es sogar 25. Die Jagdgesellschaft arbeitet seit Jahren und auf eigene Kosten daran, die Strassen fürs Rehwild sicherer zu gestalten. So errichtete man Duftzäune, installierte Reflektoren und einen Akustikzaun. Alle diese Massnahmen wirkten in den ersten Jahren sehr gut, verloren danach aber leider ihre Wirkung.

Die Ursachen für Fallwild im Zusammenhang mit Rehwild sind zum einen in den Veränderungen des Lebensraumes der Tiere zu suchen. Wenn zum Beispiel Wald abgeholzt wird, müssen die Rehe neue Territorien und Nahrungsquellen suchen und dafür Strassen überqueren. Weiter spielt natürlich auch die stetig wachsende Strassennutzung eine Rolle. Zum anderen ist es auch das Sozialverhalten der Rehe. Bei den Geissen ist es so, dass etwa zwei Wochen vor dem Setzen (Mai/Juni) die einjährigen Tiere ihre Mutter verlassen müssen. Die Geissen machen das schonungslos und vertreiben ihre Kinder recht aggressiv.

Die Böcke dagegen bilden ein Territorium und dulden keinen weiteren Artgenossen in ihrem Bereich. Die Territoriumsbildung dauert von der Auflösung der Sprünge Mitte März bis etwa Mitte August. Dabei kommt es zu Einstandskämpfen unter den Böcken. Der Verlierer muss das Feld räumen.

Fallwildgefahr im ganzen Jahr

Landläufig herrscht die Meinung, dass nur im Frühjahr eine erhöhte Gefahr besteht. Das ist falsch. Aus den erwähnten Gründen kann es in jeder Jahreszeit zu Kollisionen mit Wildtieren kommen. Der Strassenbenützer ist deshalb gefordert, in Waldnähe und vor allem bei Dämmerung sowie in der Nacht das Tempo zu reduzieren.