10 000 Franken Fördergeld vergaben die Verantwortlichen der Oltner Kabaretttage diese Woche an einen Nachwuchskünstler. Um diesen zu bestimmen, liessen sie im Rahmen des Finals ihres Kabarett-Castings drei bislang wenig bekannte Komödianten im Schwagertheater gegeneinander antreten. Alle drei gingen bereits als Sieger aus drei Vorrunden hervor. Daraus den Schluss zu ziehen, somit Darbietungen von besonders hoher Qualität zu sehen zu bekommen, schien aber nicht ganz zulässig. Zu lachen hatte man dennoch gelegentlich etwas.

Der Berner Mike Baader versuchte, Jury und Publikum mit Einlagen im Stile Emil Steinbergers von sich zu überzeugen. Zunächst diente ein Dialog mit einer imaginären Nachbarin höheren Alters als Ausgangslage für einige Pointen, die sich unter anderem der Angst vor einer Islamisierung widmeten. Seine Freundin sei vom Osten, ja. Aber nicht vom Nahen Osten, wie Baaders Nachbarin befürchtete. «Sie ist von Olten», beruhigte Baader – also aus Berner Sicht aus dem Osten stammend.

Mike Baader-Meinhof

Das Kernstück seiner zwanzigminütigen Performance bildete ein Telefonat mit einem Reisebüro, wobei Baader sämtlichen beteiligten Figuren seine Stimme verlieh. Er wolle das von seiner Freundin gebuchte Mietauto auf seine eigene Kreditkarte umbuchen, da die Partnerin über keine solche verfüge, lautete Baaders Anliegen. Die schrille Dame am anderen Leitungsende erwies sich dabei als wenig hilfreich, gab dem 32-Jährigen aber immerhin den Rat: «Heiraten Sie eine Frau nur dann, wenn sie über eine Kreditkarte verfügt.» Weitere Lacher versuchte Baader zu erzeugen, indem seine Telefonpartner (die Dame stellte sich als Putzfrau heraus und leitete ihn an einen Kollegen weiter) seinen Nachnamen falsch wiedergaben – etwa als Baader-Meinhof oder Bartholdi.

Gewisse Besucherinnen und Besucher liessen sich hierdurch scheinbar enorm amüsieren. Insbesondere eine Gruppe von schätzungsweise fünf Zuschauern fiel durchgehend durch lautes Gelächter auf, welches sich auch mit eher banalem Bühnengeschehen problemlos hervorrufen liess. Die meisten Gäste liessen sich regelmässig ein mittelintensives Lachen entlocken, andere wiederum zeigten sich mehr oder weniger unbeeindruckt.

Unterhaltsame Irritation

Hinzukommend herrschte bisweilen Verwirrung bei der zweiten Wettbewerbsteilnehmerin des Abends. Die durch ihr weiss geschminktes Gesicht und ihr blaugraues Nachtkleid an eine Leiche erinnernde Paula Zinner eröffnete ihre 20 Minuten mit einer Handvoll Rätselwitzen. «Was liegt am Strand und hat einen Sprachfehler?», wollte Zinner wissen und gab irritierend viel Bedenkzeit. In diesem einen Fall lieferte eine Zuschauerin die Antwort: eine Nuschel. «Jetzt haben Sie mir den Witz kaputtgemacht», beschwerte sich Zinner.

Mit mehrminütigen, unkonventionellen Tanzeinlagen sorgte sie für weiteres Unverständnis – und damit bei einigen Besuchern für gelungene Belustigung. Mit einem im Stile des Alten Testaments gehaltenen Gedicht erzählte sie eine alternative Entstehungsgeschichte des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV. Stellenlose Personen machte Zinner dann im Publikum ausfindig. Eine zunächst erfolglose Befragung einzelner Zuschauer nach deren Jobs – die ersten Angesprochenen trauten sich nicht, der Komikerin zu antworten – führte unter anderem zur Nennung «Rentner». Zinner korrigierte: «Sie müssen sagen, ‹arbeitslos›!» Die Zuschauerinnenantwort «Bäckerin» war Zinner dann Stichwort für ein weiteres Wortspiel. «Was macht ein Bäcker ohne Arme und Beine? Rumkugeln.»

«Amoklauf» droht»

Der aus Bremen stammende und nun in Biglen bei Bern wohnhafte Jakob Heymann unterhielt fast ausschliesslich musizierend. Zunächst setzte er sich in einem Winterparka mit übergezogener Kapuze ans Klavier, um ein «Tribute an den Schoko-Dude» aufzuführen – eine Art Hommage an das nach dem Cannabiskonsum auftretende Hungergefühl. Dabei demonstrierte Heymann auffällig gute Gesangsfähigkeiten. Anschliessend nahm er die Gitarre zur Hand und sang über «diesen weichgespülten Quatsch», der heutzutage die Hitparaden dominiert. «Amoklauf, Amoklauf, Schnulzensänger gehen dabei drauf», informierte Heymann über die möglichen Folgen seines Frusts.

Weitere Lieder enthielten auch etwas derbere Aussagen: «Ich hab’ jetzt Bock auf eine Emo-Schlampe. Erst ficken, und dann schlag’ ich auf Dich ein.» So beantwortete er die sich zuvor in einem Selbstgespräch gestellte Frage «Was darf Satire?» gleich selbst. Heymann überzeugte mit seinem Repertoire letztlich am meisten. Überrascht wirkend nahm der bereits bei einem Kleinlabel unter Vertrag stehende Musiker seinen Fördergeldcheck und einen Blumenstrauss entgegen.