Kappel

Vom Feuerteufel zum Pädophilen? «Nein, ich habe nie einen Jungen genötigt»

Rufmord mit Pädophilen-Flyer

Rufmord mit Pädophilen-Flyer

In Kappel wird Manuel S. mit öffentlich ausgehängten Flyern als pädophil bezeichnet. Nun wehrt er sich und klagt gegen den anonymen Urheber.

In einem Flyer, der in Kappel verteilt wurde, wird Manuel S. als pädophiler Kinderschänder bezeichnet. Der 33-Jährige wehrt sich gegen die Vorwürfe, allerdings ist er kein unbeschriebenes Blatt.

Ein Flyer wurde diese Woche von Unbekannten in der Gemeinde Kappel verteilt. Darin wird vor einem Pädophilen gewarnt, der es angeblich auf kleine Jungs abgesehen hat: «Liebe Gemeinde Kappel, bitte passen Sie auf Ihren Nachwuchs auf! Manuel S. in Kappel hat sich an kleinen, wehrlosen Jungen vergriffen. Dies ist keine Racheaktion, es ist nur endlich an der Zeit, dass dieser Pädophile zur Rechenschaft gezogen wird! Ich bitte zudem weitere geschädigte Jungen, egal wie lange dies her ist, sich an die Medien zu wenden, damit diese endlich reagieren!» Unterschrieben ist die Botschaft von einem «der genötigten Jungen». 

Neben der Nachricht ist auch ein Bild des angeblichen Kinderschänders abgebildet. Es handelt sich um den in Kappel wohnhaften Manuel S. Doch dieser bestreitet die Vorwürfe, er sei kein Kinderschänder, erklärt er gegenüber Tele M1. «Ich kann mir nicht vorstellen, von wem das kommt, ich kann mich auch an keinen Vorfall erinnern, der das rechtfertigen würde», erklärt S. «Ich bin kein Pädophiler und war es auch nie.»

Doch: Ein unbeschriebenes Blatt ist der 33-Jährige nicht. Mit seiner Organisation «Retter ohne Grenzen» schrieb er diesen Sommer als falscher Sanitäter Schlagzeilen, ausserdem machte er vor zwölf Jahren als Feuerteufel die Stadt Aarau unsicher. Unter anderem legte er in einer katholischen Kirche Feuer. Vor Gericht wird er jedoch nicht nur wegen Brandlegung verurteilt, Sex mit einer Minderjährigen wird ihm ebenfalls zur Last gelegt. Denn: Seine damalige Freundin war erst 15 Jahre alt.

Das bestreitet Manuel S. auch nicht. Der Vorwurf, ein Kinderschänder zu sein, weist er jedoch zurück. Auch das Gericht kam damals zu einem ähnlichen Schluss: In einem Gutachten hält es fest, dass er nicht pädophil ist.

Mittlerweile hat er bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut Rechtsanwalt Thomas Marfurt droht dem Verfasser des Flyers eine bis zu dreijährige Freiheitsstrafe, nicht nur wegen übler Nachrede: «Wir haben auch den Tatbestand ‹Schreckung der Bevölkerung›, den man überprüfen müsste, und auch ‹Irreführung der Rechtspflege›.»

Die Kantonspolizei Solothurn weiss von den Flyern, entsprechende Ermittlungen seien in Gang.

«Ich hoffe, dass sich diese Person noch bei den Behörden meldet», sagt Manuel S. 

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