Interessant für den Tages- und den naturnahen Tourismus. Die gute Erreichbarkeit und die dennoch ruhige Lage prädestinieren den Standort Allerheiligenberg weiter für den Geschäftstourismus, für Seminare und Tagungen kombiniert mit Freizeittourismus. Die bereits vorhandene Infrastruktur bietet auch Potenzial für Gesundheits- und Wellnesstourismus sowie paramedizinische Nutzungen wie begleitetes Wohnen im Alter oder eine Seniorenresidenz.

In der Broschüre des Hochbauamts klingt das alles sehr vielversprechend. Nur hat sich seit der Schliessung der ehemaligen Höhenklinik bei Hägendorf aus den Gesprächen mit gut 20 potenziellen Investoren bis jetzt nichts Konkretes ergeben. Zurzeit sei man noch mit einem Interessenten im Gespräch, heisst es. Aber wirklich Vielversprechendes lässt sich der Antwort auf einen Vorstoss von SVP-Kantonsrat Tobias Fischer (Hägendorf) zur Zukunft des Klinik-Komplexes in Kantonsbesitz auch nicht entnehmen.

Die angesprochenen paramedizinischen Leistungen dürften das Leistungsangebot der Solothurner Spitäler AG nicht konkurrenzieren. Für eine Einrichtung der Langzeitpflege, die gross genug wäre, damit sie kostendeckend betrieben werden kann, besteht kaum Bedarf. Und die zonen- und baurechtliche Situation (die Klinik liegt in der Landwirtschafts- und Juraschutzzone) macht die Sache für potenzielle Investoren auf dem Allerheiligenberg auch nicht einfacher.

Verkauf wäre «ein Glücksfall»

So 11 bis 14 Millionen sollte der Kanton für das knapp 64'000 Quadratmeter grosse Grundstück und die Gebäude mit 11'000 Quadratmetern Nutzfläche laut Verkehrswertschätzung einer Zürcher Immobilienberatungsfirma lösen können. Im schlechtesten Fall müsste er mit vier Millionen Aufwand für den Rückbau rechnen. Und was die Spezialisten ihrer Verkehrswertschätzung beifügen, lässt nicht gerade grosse Hoffnung auf ein gutes Geschäft aufkommen.

Ob mit oder ohne Umzonung: «Ein Verkauf der Anlage wäre ein Glücksfall, da zurzeit auch andernorts in der Schweiz analoge Bauten ausserhalb der Bauzonen mit ähnlichen Potenzielen angeboten werden.» Dabei würde der Kanton 50 Prozent oder maximal eine halbe Million Franken an die Planungskosten bezahlen und maximal vier Millionen Starthilfe für die Realisierung eines Projekts beitragen.

Eigentlich noch die beste Nachricht: Die ehemalige Höhenklinik, die der Regierungsrat schon in den 1990er-Jahren schliessen wollte, damals aber noch am Widerstand des Stimmvolks scheiterte, hat in den letzten Jahren offenbar zumindest kein Geld mehr verschlungen. Seit Januar 2011 mussten zwar 2,8 Millionen in bauliche Massnahmen investiert werden, zu einem grossen Teil für den Unterhalt der Zufahrtsstrasse auf den Allerheiligenberg. Dem standen aber Einnahmen von 3,9 Millionen Franken durch Vermietungen gegenüber.

Während der Sanierung des Altersheims Stadtpark in Olten waren dessen Bewohner während rund eineinhalb Jahren bis im Frühjahr 2016 auf dem Allerheiligenberg untergebracht. Zuvor hatte schon das Baselbieter Seniorenzentrum Waldenburgertal die ehemalige Klinik als Ersatz-Altersheim genutzt. Seit Kurzem ist das ehemalige Personalhaus an ein Transportunternehmen vermietet.

Zu abgelegen

Den Allerheiligenberg definitiv als Langzeitpflegeeinrichtung nutzen, wie das Interpellant Fischer als Möglichkeit vorschlägt? Man sei «grundsätzlich offen», schreibt der Regierungsrat. Aber aus den im Prospekt des Hochbauamts in den höchsten Tönen gelobten Vorzügen werden da plötzlich Vorbehalte. Der Allerheiligenberg sei abgelegen und habe sich deshalb trotz Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln als zu schwer erreichbar für oft selbst schon betagte Besucher von Altersheim-Bewohnern herausgestellt.

Für Langzeiteinrichtungen würden heute vorzugsweise Stadt- und Dorfzentren als Standorte gesucht, so die Regierung weiter. Das ermögliche den Bewohnern den Anschluss an den Alltag der aktiven Gesellschaft und einen selbstständigen Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeitangeboten. Kommt hinzu: Die Pflegebettenplanung sieht Beschränkungen beim Wachstum vor, das Bettenkontingent dürfte wie erwähnt kaum für ein Grossprojekt ausreichen.

Wenn, dann könnte sich die Regierung eher eine Anlage vorstellen, «die eine Versorgungskette bildet»: Alterswohnungen mit Spitexdienstleistungen und Anschluss an eine Pflegeeinrichtung. Es bleibe aber fraglich, ob sich die als «verkehrstechnisch gut erschlossen» und gleichzeitig «eine der letzten Naturlandschaften der Schweiz mit nebelfreiem Ausblick auf die Berner Alpen» gepriesene Lage dafür eignet.