Der «Turm von Olten» erhitzt einmal mehr die Gemüter. So wirft die Giroud Olma AG als Bauherrin des geplanten 100-Millionen-Bauprojekts den Stadtbehörden Behinderungspolitik vor. Sie monieren ein mangelndes Interesse der Stadt Olten an einer partnerschaftlichen Planung für die Baurealisierung. Aus diesem Grund stocke letztlich auch die Entwicklung des Projekts, das zum aktuellen Zeitpunkt – lang vor dem ersehnten Spatenstich – eine Million Franken gekostet haben soll.

Vision des 140-Meter-Turms «abgeschnitten»

Fünfjährig ist die Idee mittlerweile, die das Familienunternehmen Giroud Olma AG mit der ursprünglichen Vision eines 140-Meter-Turms beim «Sälipark»-Shoppingcenter eingebracht hatte. Die Stadt reagierte daraufhin mit der Studie «Höher bauen», um die neuartigen Baubedürfnisse zu reflektieren. «Was würde der Bau für Olten aus architektonischer, sozialer wie wirtschaftlicher Sicht bedeuten?», stand dabei als Ausgangsfrage im Vordergrund.

Stadtschreiber Markus Dietler erinnert sich: «Die Experten kamen damals zum Schluss: Höher bauen, ja, aber bloss bis 40 oder 50 Metern Höhe.» Dazu wäre ein «Hochhausstreifen» zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Hammer denkbar gewesen. Die Bauherrin akzeptierte diesen Dämpfer vorerst, bekundete aber 2010 weiterhin ihre Bereitschaft, sich ungeachtet der Höhe des Baus auf eine Diskussion über dessen Rolle für Stadt und Region einzulassen. Dafür «müssen auch die Behörden die gemeinsame Planung offen angehen», forderte die Giroud Olma AG damals im Gegenzug. Dabei wurde von Stadtseite als Idee ein möglicher städtebaulicher Masterplan in Aussicht gestellt.

«Bedeutende Investitionen gefährdet»

Eine solche versprochene partnerschaftliche Planungsinitiative von Stadtseite sei aber ausgeblieben, resümiert die Giroud Olma AG nun in einer Medienmitteilung. «Mit ihrer Haltung gefährden die Behörden bedeutende Investitionen für die Entwicklung der Stadt Olten.» Mit Fingerzeig auf eine kürzlich geäusserte Forderung von Bundesrätin Doris Leuthard betont auch die Bauherrin, wie wichtig es sei, in urbanen Gebieten die verdichtete Bauweise zu fördern.

Stadtbehörden kontern

Bei der Stadt lässt man diese Seitenhiebe jedoch nicht einfach so gelten. «Der Stadtrat ist an einer qualitätsvollen Entwicklung und Verdichtung im Areal der Giroud Olma AG interessiert», was er auch durch den damaligen Vorschlag eines partnerschaftlichen Vorgehens bekräftigt habe. Und so hält man auch an der Idee des damals vorgeschlagenen Masterplans fest. Man wolle nicht mit voreiligen Entschlüssen in Sachen «Turm von Olten» einen Präjudizfall schaffen, bestätigt Dietler. «Während die Bauherrin natürlich ihre Eigeninteressen vertreten, müssen wir von städtischer Seite einen ganzheitlichen Blick auf die Entwicklung Oltens behalten» - eben jene eines Masterplans, der über die Betrachtung eines einzelnen Bauobjekts hinausgehe.

«Planung wird jetzt angegangen»

Hinderungsgrund, um das Ganze anzugehen, sei aber bislang ein anderer gewesen: «Wir haben momentan viele andere Projekte in Sachen Stadtentwicklung am Laufen: von Andaare und Olten SüdWest über den Bahnhofplatz bis hin zur Innenstadt», so Dietler. Somit habe sich diese partnerschaftliche Planung hinausgezögert. Allerdings seien bereits erste Schritte unternommen worden, um den «Turm» im Rahmen des heuer gestarteten Projet urbain «Entwicklung Olten Ost» miteinzubeziehen. Die weiteren Schritte werden durch die Stadtplanung und -entwicklung bereits an die Hand genommen.

Für einen 140-Meter-Turm aber - und daran halten die Stadtbehörden noch heute fest – fehlen allein schon die rechtlichen Grundlagen: «Es gibt schlicht keine Zone, die einen Bau in dieser Höhe zulassen würde», betont Dietler. Und letztlich wäre dazu auch eine Bewilligung seitens Kanton vonnöten.