Olten

Umfrage im regionalen Gewerbe: Jetzt greift die Verunsicherung um sich

Urs Bütler am Montag im Gespräch mit der neuen Oltner Stadtbibliothekarin Dorothee Windlin.

Urs Bütler am Montag im Gespräch mit der neuen Oltner Stadtbibliothekarin Dorothee Windlin.

Umfrage beim regionalen Gewerbe zeigt: Die verordnete Schliessung von Läden im Zeichen des Corona-Virus kommt doch überraschend.

«Etwa 30 Prozent der Bestellungen kommen bereits jetzt via Telefon ins Haus.» Peter Fleischli vom gleichnamigen Blumengeschäft in Wangen bei Olten setzt einen Teil seiner Hoffnung darauf. Und auch auf den Onlinehandel. «Wenn das unter den gegebenen Umständen überhaupt geht», schiebt er hinterher. «Dass im Zeichen der Gesundheitsvorsorge Verkaufsläden dicht gemacht werden müssen, hätte ich nicht erwartet», so der Florist weiter. Das Schlimmste sei halt, dass man das Ende dieser Phase unter dem Corona-Virus nicht abschätzen könne. Wie lange der Atem des Betriebs unter solchen Umständen sein kann? Fleischli stutzt. «Ein paar Wochen», sagt er dann. Die Löhne, weitere Fixkosten: All das müsse jetzt aus der Reserve finanziert werden. «Womöglich bin ich gar gegen solche Vorkommnisse versichert», spekuliert er. Aber er weiss: Bereits jetzt sind seinem Betrieb Umsätze im mittleren vierstelligen Bereich verloren gegangen. Ausgefallene Generalversammlungen, andere Zusammenkünfte. Um staatliche Hilfe werde er sich sicher bemühen, sagt er noch.
Unsichere Zeiten und eine gewisse Ratlosigkeit

Im Wesentlichen auf den stationären Handel setzt Alain Bernheim von Mode Bernheim in Olten. Der Onlinehandel ist von geringer Bedeutung, also keine Option. «Wir betonen vor allen Dingen die persönliche Note», so der Firmeninhaber. Dass die Schliessung der Läden kommen würde, habe er erwartet. Diese sei fatal, deren Konsequenzen im Moment nicht absehbar. Wie fatal? Darüber lässt sich der Unternehmer nicht aus. «So wie andere sind auch wir gefährdet.» Es hänge auch mit der Dauer der Schliessung zusammen. Kurzarbeit werde bestimmt ein Thema. Inwieweit andere Entlastungen von staatlicher Seite erwartet werden könnten, darüber habe er keine Informationen.

Mit Hilfe von Banken und Gläubigern

Auch für Andreas Lerch, Geschäftsführer von Laufgut Lerch in Olten, ist der Onlinehandel keine Option. «Dafür sind wir zu klein», meint er. Aktuell ist der Mann mit Papieren rund um Kurzarbeit befasst. «Kurzarbeit wird’s sicher geben», meint er noch. Die Schliessung der Läden sei ein gravierender Einschnitt im Geschäftsleben, der viel Unsicherheit auslöse. Überhaupt ist er überzeugt, aus der sich anbahnenden Krise komme man nur mit Hilfe der Banken, des Staates und der Gläubiger wieder heraus. Und: «Nun ist Solidarität in weiten Kreisen der Gesellschaft gefordert.»

«Jein», sagt Urs Bütler von der Oltner Buchhandlung Schreiber auf die Frage, ob er verunsichert sei. Eigentlich habe er nicht mit der Schliessung von Läden gerechnet. Was Bütler aber zu Gute kommt: Seit über 20 Jahren ist man bei Schreiber auch im Onlinehandel aktiv. «Der fakturierte Anteil liegt bei mehr als 50 Prozent», so Bütler. Darauf werde man sich jetzt mit einem reduzierten Team konzentrieren. «Erstmals sind wir auch mit Kurzarbeit konfrontiert», so Bütler weiter. Teamintern stehe auch der Abbau von Überstunden zur Debatte, allenfalls auch verordnete Ferien. «Aber vor allem Letzteres ist natürlich eine schwierige Sache», so der Buchhändler, der den Betrieb durch die gegenwärtige Situation nicht existenziell bedroht sieht. «Ich hoffe, dass sich die Situation in ein bis zwei Monaten wieder entspannt.» Auch wenn er nicht damit rechnet, dass sich dann der Schalter einfach so umlegen lässt. Aber: Es sei durchaus möglich, dass der speziellen Situation auch etwas Gutes abgewonnen werden könne: «Die Rückbesinnung auf’s Lokale nämlich», so Bütler.

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