Da stand sie im Saal des Stadttheaters Olten: Daniela Ryf, unter anderem vierfache Siegerin des Ironman auf Hawaii und achtfache Weltmeisterin. Wer sie als Goldmarie des Triathlons bezeichnete, brauchte noch nicht mal zu übertreiben. Unverkrampft, unverstellt, geerdet und mit dem Bekenntnis, sie trinke – nicht gerade täglich, aber doch recht häufig – ein Glas Roten, brachte sie die Gäste im gut gefüllten Saal auch zum Lachen.

Selbst das Herumliegen auf der Couch gehöre zu ihrem Alltag. «Der Erholung wegen nämlich», gestand die Triathletin. Jetzt, im auslaufenden Erfolgsjahr 2018, hat sie die Trainings minimiert: Täglich 20 Minuten zu «jöggelen», wie sie es nannte, müssten reichen. Dass sie im Wettkampf jeweils vor allem nach Gefühl schwimme, Velo fahre und renne, liess die 31-Jährige noch sympathischer wirken, machte die Gäste noch affiner. Mann und Frau schlossen die Athletin aus dem oberen Kantonsteil ins Herz. Hausherr Herbert Schibler, Geschäftsführer des Stadttheaters, meinte: «Eine ganz feine Person. Ein solches Aushängeschild der Sportwelt hier zu haben, tut Olten sehr gut. Rundum fantastisch.»

Daniela Ryfs grösste Erfolge:

Sich überwinden

Dass Spitzensportler auch leiden und sich überwinden müssen, klar. Daraus machte Daniela Ryf keinen Hehl. Aber es mochte klingen wie willentlich hinzugezogenes Unterstatement, es wirkte authentisch: «Erfolg heisst nicht, alles zu gewinnen, sondern das Beste aus jeder Situation zu machen», gab Ryf zu verstehen». Was damit gemeint ist, mag die Geschichte verdeutlichen, in welcher sie nach der schmerzhaften Begegnung mit einer Qualle vor Hawaii erst ans Aufgeben dachte, sich dann aber eines Besseren besann, das Rennen fortsetzte und – gewann.

«Natürlich stellt man sich in solchen Momenten auch die Sinnfrage», bekannte die Triathletin. Das Wissen um die Begeisterung von Familienmitgliedern, Freunden und Fans aber habe ihren Entscheid fürs Weitermachen gestärkt. «Ich dachte dabei überhaupt nicht mehr an den Sieg. Der stand ausser Rang und Traktanden.» Für Zuhörer Max Berger, Co-Geschäftsführer der Fürst Hägendorf AG, waren Einfachheit und Unkompliziertheit der Athletin ein besonderes Erlebnis. «Wenn man sich überlegt, was andere jeweils zu erzählen wissen», meinte er schmunzelnd.

Mit einer Wettkampfzeit von knapp achteinhalb Stunden hatte die Solothurnerin auf Hawaii einen ultrastarken Eindruck hinterlassen. Die Garantie, solche Leistungen auch künftig abrufen zu können, konnte die Solothurnerin nicht geben; die Garantie, stets das Beste aus der Situation zu machen, schon. Wer sich am Donnerstagabend auf die Suche nach Ursachen dieser Erfolgsgeschichte machte, musste erkennen: Das Erfolgsrezept der Daniela Ryf ist ein einfaches; es heisst Daniela Ryf.